Klaus Rothaupt hat, wie hier bei einer Probe, die musikalische Leitung der Aufführung übernommen. Foto: Ines Rudel

Verena Rothaupt hat ein Singspiel rund um die Familie des Reformators erdacht – als Luthers Ghostwriter verpflichtete die Göppinger Komponistin ihren Vater, den bekannten Sozialdemokraten und Querdenker Erhard Eppler.

Göppingen - Weil Martin Luther wohl ein ziemlich guter Vater war, wollte sich auch Erhard Eppler seinerseits nicht lumpen lassen. Und so kam es, dass der große Sozialdemokrat, politische Querdenker, mehrfache Kirchentagspräsident, Friedensaktivist und Vater von Verena Rothaupt aus Göppingen, der vor zwei Jahren seine viel beachtete Autobiografie vorlegte, seiner Tochter zuliebe erneut zum Dichter wurde. Eppler hat alle Sprechertexte verfasst, die in Rothaupts Singspiel „Martin Luthers Kinder“ als roter Faden durch das bewegte Leben des Reformators leiten. Das Stück für kleine und große Zuhörer wird am Sonntag, 23. Juli in der Oberhofenkirche Göppingen zu erleben sein.

Ein klein wenig Überredungskunst sei von Nöten gewesen, um den Schwiegervater zur Mitarbeit zu bewegen, erinnert sich Verena Rothaupts Ehemann Klaus, der als Kirchenmusikdirektor und Bezirkskantor in Göppingen wirkt und seine Frau beim Komponieren des Singspiels unterstützt hat. „Das ging alles Hand in Hand“, erinnert sich Verena Rothaupt, aus deren Feder es bereits Singspiele zur Weihnachts- und zur Schöpfungsgeschichte sowie ein Osterspiel gibt.

Komplexe Zusammenhänge in klare Worte gepackt

Und weil sie sich historisch und theologisch einwandfreie Texte für den Sprecher wünschte, der in der Rolle des Martin Luther seinen Kindern über seinen Lebensweg Rede und Antwort steht, habe sie ihren Vater angefragt. Herausgekommen seien einfache und klare Sätze, in denen Eppler die komplexen Zusammenhänge erkläre, lobt Klaus Rothaupt. Und dabei hat sich Eppler wohl weniger als Querdenker und mehr als Historiker betätigt. Das Singspiel nutzt „eine Woche bei Familie Luther“, so der Untertitel, als Folie für diese Rückschau, in der Martin Luther im Jahr 1540 seinen sechs Kindern erklärt, wie es überhaupt sein kann, dass ein Mönch und eine Nonne eine Familie gründen und warum er sich so heftig gegen den Ablasshandel der Priester stellte. Natürlich darf in diesem Stück zum großen Reformator auch Luthers Verhältnis zur Musik nicht fehlen.

„Ja, ich hab manch’ Lied gedichtet, auf dass wir singen können, was Gott uns Gutes getan. Der Glaub’ und die Musik, die sind gut Freund“, lässt Eppler den Kirchenmann gleich zum Auftakt sagen. Und dann folgen vierstimmige Luther-Hits wie „Vom Himmel hoch“ und „Ein feste Burg ist unser Gott“, im Wechsel mit den von Rothaupt erdachten Kinderliedern. Weil singen Freude bereitet, soll die Gemeinde bei der Aufführung des Musicals in die Choräle einstimmen, wünscht sich die Komponistin. Für Verena Rothaupt, die das Stück vor allem auch für Grundschulkinder ersonnen hat, steht überdies fest, dass Singen bildet. Aber nicht nur das Gehör und der musikalische Geschmack profitierten, gerade die Kirchenlieder transportierten zentrale Aussagen unserer Kultur.

„Martin Luthers Kinder“ gibt es an diesem Sonntag

„Man traut sich nicht wirklich, Werte zu vermitteln, obwohl wir dauernd darüber reden“, befindet die in Lorch tätige Kirchenmusikerin, die bei ihrer Arbeit kindliche Wissbegierde erlebt und sie auch mit dem Singspiel ansprechen möchte. Rothaupt kritisiert in diesem Zusammenhang „Einweglieder und anderen Quatsch“, der häufig bereits im Kindergarten auf die Mädchen und Jungen einwirke. Besser sei es, mit Kindern traditionelles Liedgut zu singen, denn auf dessen Botschaft könnten sie im Erwachsenenalter zurückgreifen.

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