Neue Mitarbeiter auf dem Dach der Kreissparkasse: Während Frank Geggus fünf Bienenvölker aufstellt, schauen der fürs Marketing zuständige Daniel Wengenroth (von links), der Nachhaltigkeitsbeauftragte Sascha Sarrazin und der Vorstandsvorsitzende Detlef Schmidt aus sicherer Entfernung zu. Foto:  

Frank Geggus kam beim Imkern eine Geschäftsidee: Er verleast Bienenstöcke und kümmert sich um die Insekten gegen ein monatliches Entgelt. Die Unternehmen bekommen dafür nicht nur Honig, sondern auch ein nachhaltiges Marketing.

Sindelfingen - Frank Geggus kann liefern. In seinem Bienengarten bei Magstadt summt und brummt es. Mehr als 40 Bienenvölker schwärmen dort aus ihren Holzkisten aus, darunter auch junge Ableger für neue Kundschaft. Bee-Life hat der 53-Jährige seine neu gegründete Firma ganz im Start-up-Jargon getauft. Die Geschäftsidee klingt überzeugend: Er vermietet die fleißigen Tiere an Firmen, die damit unternehmerischen Umweltschutz betreiben können. „Wenn man Bienen aufstellt, ist das bessere Werbung als das meiste Marketing“, findet der Imker. Abgesehen von der guten Tat für das Ökosystem: „Honig ist absolut hip.“ Und wer sich vor den Insekten scheut, dem bietet er Patenschaften für Blühstreifen an.

Die Kreissparkasse hofft auf eine reichliche Ernte

Detlef Schmidt klingt von der Idee ziemlich begeistert: „Wir hoffen auf eine reichliche Honigernte“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Böblinger Kreissparkasse. Im August hat Frank Geggus fünf Bienenvölker auf dem Dach der Bank am Elbenplatz aufgestellt. Aufgrund der Nähe zum Stadtgarten sollten die Insekten reichlich Nahrung finden. Durchschnittlich 20 Kilogramm produziert ein Volk. Aber der Sparkassen-Honig werde hauptsächlich für Geschenkzwecke genutzt, fügt Detlef Schmidt gleich an. Es geht insgesamt um eine gute Tat: „Das Institut möchte sich mit dieser Aktion aktiv am Schutz der regionalen Umwelt beteiligen und damit einen weiteren Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten“, teilt er mit.

Eigentlich hat sich Frank Geggus das Imkern als Hobby zugelegt. „Dafür muss man Ruhe und Gelassenheit mitbringen“, sagt er und fügt an: „Diese Dinge fehlen mir.“ Seit 30 Jahren ist er selbstständig, früher mit einer Werbeagentur, heute als Bildredakteur, der beispielsweise für die Internetseiten von Unternehmen Fotos beschafft und die Nutzungsrechte klärt. Zum Ausgleich für die Schreibtischarbeit besuchte er eine Schulung beim Bezirksverein für Bienenzucht Böblingen-Sindelfingen und gewann dessen zweiten Vorsitzenden Oskar Stefani als Mentor. Darüber wurde die Geschäftsidee an ihn herangetragen: Eine Firma fragte nach, ob ein Imker einen Bienenstock bei ihr aufstellen und betreuen könnte. Den Auftrag hat er angenommen.

In der Monatsgebühr ist all inclusive

Das Angebot von Bee-Life ist „all inclusive“. Die Kunden müssten sich um nichts kümmern, verspricht Frank Geggus. Bis zu 20-mal im Jahr kontrolliert er die vermieteten Bienenvölker und übernimmt alle anfallenden Aufgaben. Aktuell steht zum Beispiel die Fütterung für den Winter an. Die Dienstleistung kostet für ein Bienenvolk 199 Euro im Monat, fünf Völker gibt es für günstigere 6000 Euro im Jahr. Sie lassen sich praktisch überall platzieren. Bienen seien sehr effektiv, erklärt der Imker, zur nächsten Blume überwinden sie auch ein paar Kilometer.

„Die Idee ist einfach, aber es ist gar nicht so einfach, Firmen dafür zu begeistern“, hat Frank Geggus allerdings festgestellt. Seit seinem Start im Januar hat er bei drei Kunden insgesamt 14 Holzkisten aufgestellt. Manche scheuen die Kosten, andere fürchten die Stiche, dabei sind Bienen in der Regel harmlos, wenn sie in Ruhe gelassen werden. Zumal es bekannte Vorbilder gibt: Porsche hat bei seiner Fabrik in Leipzig 25 Bienenvölker stehen, die den Honig Turbienchen produzieren.

Bienen haben ein positives Image

„Man hat ein cooles Produkt und tut etwas Gutes“, sagt der Start-up-Imker. Neben dem Honig sei es vor allem die Bestäubungsleistung, die Bienen so wichtig macht. Fast alle Pflanzen seien auf sie angewiesen, referiert der 53-Jährige. Aufgrund des Insektensterbens wird ihre Rolle immer wichtiger. Dass drei Viertel des in Deutschland gegessenen Honigs aus China und Südamerika importiert werden muss, kann er nicht verstehen. „Bienen sind so positiv“, sagt er. Ein Bienenvolk funktioniere nach dem Motto „Zusammen sind wir stark". Und davon könnten auch die Unternehmen profitieren.

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