Ingo Sika (vorne) spielt Oberon, den König der Elfen. Sabine Duffner (links) den Waldgeist Puck. 15 Elfen tummeln sich im Wald. Foto: factum/Weise

Auf der Naturbühne im Sommerhofenpark inszeniert Hildegard Plattner den Sommernachtstraum.

Sindelfingen - Man muss ihn erst einmal finden, den Herrenwäldlesberg im Sindelfinger Sommerhofenpark. Versteckt liegt er mitten in einem kleinen Wäldchen. Eine verwunschene Oase, nur wenige hundert Meter vom weltweit größten Daimlerwerk entfernt. 24 Jahre ist es her, dass Hildegard Plattner, damals Chefin der Böblinger Theaterschule, dieses Idyll entdeckt hat. Mit ihrer Theatergruppe inszenierte sie auf dem Berg den Sommernachtstraum von Shakespeare.

Nun ist Hi, wie ihre Spieler sie nennen, zurückgekehrt. Längst ist sie offiziell in Rente, doch eine Vollblut-Theaterfrau wie sie kann es nicht lassen. Und so folgte sie gerne dem Ruf von Sabine Duffner, der Chefin des Sindelfinger Theaterensembles, als diese anfragte, ob sie für die für die Biennale den Sommernachtstraum erneut inszenieren würde.

Proben seit Oktober

Die Inszenierung ist eine andere als vor einem Vierteljahrhundert. „Viel frecher“, sagt Plattner. Auch das Ensemble ist ein anderes – Mitglieder der Sindelfinger Theatergruppen wie die Szenegrößen Ingo Sika und Sabine Duffner, Spieler aus Plattners früheren Ensembles sowie neue Leute, die bei einem Casting gezielt gesucht wurden, mischen sich zu einer völlig neuen Truppe. „Es ist sehr spannend mit Hi zu arbeiten“, sagt Ingo Sika. „Wir kennen uns schon sehr lange, haben aber bisher nie zusammen gearbeitet.“

Seit Oktober proben sie bereits zusammen: Zunächst haben sie sich zunächst ihre Rollen erarbeitet, dann den Text gelernt. Nun steht die erste Freiluftprobe an. Spaziergänger, die zufällig vorbeikommen, bleiben wie verzaubert stehen. Wie im Märchen wirkt die Szenerie, wenn die bunt gekleideten Elfen durch den Wald huschen. Jedes Kostüm ist individuell, wurde handgefertigt von Linda Krimmel, Corina Walter und Eva-Maria Holder, den drei Kostümbildnerinnen der Truppe. Sie arbeiten ehrenamtlich, wie alle anderen.

Kein freies Wochenende für die Schauspieler

„Jeder Schauspieler sich für die Rolle einen Charakter gewählt. Danach haben wir dann die Kostüme gestaltet“, berichtet Corina Walter. Ein weißes Tüllkleid und Kopfschmuck aus bunten Blumen trägt die Elfe Motte Rosenschön alias Elfi Wagner, die Sängerin unter den Waldwesen. Sie liebt alles Schöne und die Kunst. Blau-pink-grün ist das Outfit von Birgit Seifahrt als Waldfee Dorindel. „Ich fühle mich sofort als jemand anderes, wenn ich in dieses Kostüm schlüpfe“, sagt sie.

Bei der ersten Probe im Freien geht es darum, die Waldbühne in Besitz zu nehmen und die Stimme an die Umgebung anzupassen. Denn eines stellt die Regisseurin Plattner klar: „Wir arbeiten ohne Mikrofone. Das wäre mit der Technik zu kompliziert hier oben.“ Eine Stimmübung steht deshalb am Anfang. „Ruft laut den Satz: Ich liebe dich Shakespeare oder Ähnliches. Aber so, dass ich ihn hier unten gut verstehe“, ordnet Plattner an. Nicht allen gelingt dies auf Anhieb. Aber noch ist Zeit.

Bis Ende Juli haben die Mitwirkenden kein freies Wochenende und müssen das Theater mit Beruf und Familie unter einen Hut bringen. „Wir sind zwar alle Amateure. Aber das, was wir hier machen, ist hochprofessionell“, sagt Seifahrt. Aber dafür ist Hildegard Plattner ja bekannt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: