Leeres Becken im Sindelfinger Badezentrum: Welche Variante wird es? Foto: Archiv/Stefanie Schlecht

Die Idee eines umgebauten Sindelfinger Badezentrums mit Sportbecken, Saunalandschaft und Rutschen steht wegen zu hoher Kosten seit Jahren in der Kritik. Jetzt gibt ein Zwischenbericht der Stadt bekannt, dass wohl nur eine Variante Wirtschaftlichkeit und Attraktivität verbindet.

Kommt es nun, das neue Badezentrum mit Sport- und Familienbad und einem Sauna- und Wellnessbereich? Wird es eine abgespeckte Version mit weniger Rutschen und Saunen geben? Oder wird das bestehende Bad lediglich saniert? Seit Jahren scheiden sich in Sindelfingen die Geister an der Frage, ob in der Daimlerstadt ein Schwimmbad mit Strahlkraft für die gesamte Region entstehen soll. Ein nun veröffentlichter Zwischenbericht der Stadtverwaltung, der wegen explodierender Kostenschätzungen weitere Einsparpotenziale identifizieren sollte, gibt nun Antworten.

 

Weil in den vergangenen Jahren kontrovers über die Dimensionen eines Umbaus diskutiert wurde, versprach die Stadtverwaltung, den Siegerentwurf nochmals auf Optimierungspotenziale hin zu überprüfen. Dabei wurden drei Varianten durchgespielt: Variante A ist nah am ursprünglichen Entwurf der Architekten. A enthielte ein Wellenbecken, ein Sole-Außenbecken, eine große Saunalandschaft mit Wellnessbereich und drei Großrutschen. Die Investitionskosten: 100,6 Millionen Euro. Ein reduziertes Angebot in Variante B –ohne Wellenbad, Außenbecken, Sauna und Wellness, Bistro und eine der Großrutschen – würde 82,8 Millionen Euro kosten. Eine reine Sanierung des Bestandsbades, bei dem das 50-Meter-Schwimmbecken genauso erhalten bliebe wie das Lehr- und Sprungbecken, wäre 35,7 Millionen Euro teuer.

Das Gesamtpaket betrachten

Mit den Investitionen ist die Rechnung allerdings nicht getan, wie Clemens Knoch, Projektleiter Familienbad im Rathaus, betont. „Wir müssen neben den Investitionen zum Umbau auch die jährlichen Zuschüsse für die Erhaltung des Betriebes wie auch die Liquiditätsbedarf berücksichtigen.“ Zwar sei Variante B bei den Investitionen rund 18 Millionen Euro günstiger, dafür betrügen bei Variante B die jährlichen Zuschüsse der Stadt für das Betriebsergebnis 6,2 Millionen Euro. Variante A würde die Stadt pro Jahr dagegen 4,9 Millionen Euro kosten. Bei einer Sanierung müsste die Stadt 5,4 Millionen Euro jährlich aufbringen. Auf 33 Jahre gerechnet, wäre der Liquiditätsbedarf bei Variante A 85,8 Millionen, bei B bereits 141,9 Millionen und bei der Sanierungsvariante 139 Millionen Euro. „Variante A ist damit bei einem Eigenkapitalanteil von 60 Prozent die wirtschaftlichste Variante“, sagt Knoch deutlich.

Auf die Frage, weshalb eine abgespecktere Version des in der Vergangenheit oftmals als Spaß- und Luxusbad geschmähten Bäderprojekts langfristig der Stadt mehr Geld kosten würde, sagt Christian Gangl, Erster Bürgermeister: „Es fielen bei Variante B Bereiche weg, die Profit bringen würden. Anbauten zum Beispiel, die es bei dieser Variante bräuchte, könnten aber nichts dazu beitragen, die Besucher im Bad zu halten und mehr Besucher anzulocken. Solche Maßnahmen gingen auf Kosten der Attraktivität.“ Weniger Investitionen heiße nicht immer bessere Wirtschaftlichkeit, so Gangl weiter. Dass die Kosten über die vergangenen Jahre hinweg von 2022 noch 66 Millionen auf mittlerweile rund 100 Millionen Euro anwuchsen, sei kein rein Sindelfinger Problem. „Die Baukostensteigerungen sind enorm, und das überall. Das sieht man bei vergleichbaren Bäderprojekten wie in Metzingen oder in Maintal“, erklärt Knoch.

OB wünscht sich weiter Attraktivierung

Ohne der nächsten Debatte im Gemeinderat und dem möglicherweise im zweiten Halbjahr 2026 folgenden, bindenden Bürgerentscheid vorauszugreifen, sagt der scheidende Oberbürgermeister Bernd Vöhringer: „Wir brauchen den Mut zur Investition, um unser Hallenbad vor allem für Kinder und Jugendliche und Familien attraktiver und damit zukunftsfähig zu machen.“ In welche Richtung es nun gehe, sei auch nach der Klausur von Stadt und Gemeinderat am vergangenen Freitag nicht beschlossene Sache. Die Tendenz aber, so glaubt auch Christian Gangl, könne nach dem neuen Zwischenbericht aber möglicherweise eher in Richtung Variante A gehen. „Wenn die wirtschaftlichste Variante für die kommenden Jahre die mit Rutschen und Sauna ist...“, fängt Gangl seinen Satz vorsichtig an. Beenden muss er ihn nicht, die Zahlen sprechen ihre eigene – wahrscheinlich ziemlich deutliche – Sprache.

Klar ist, dass die Zukunft des Badezentrums vor allem in den Händen der Bürgerschaft liegt. Diese soll entscheiden, welche Lösung sie sich für das Schwimmbad wünscht. Bevor die Bürger allerdings an die Wahlurne treten könnten, muss der Gemeinderat den Entscheid noch formal beschließen und sich auch auf die genaue Formulierung der Frage einigen. Sollte der Bürgerentscheid nicht das Quorum von 20 Prozent der Wahlberechtigten erreichen, würde der Gemeinderat eine bindende Entscheidung über das Badezentrum herbeiführen. Das wird Bernd Vöhringer ganz sicher aber nur noch als gemeiner Bürger, nicht mehr als Oberbürgermeister beobachten.

Neubau oder Sanierung

Beschlüsse
2019 beschloss der Sindelfinger Gemeinderat, das Hallenbad zu sanieren. Dafür wurden rund 35 Millionen Euro zur Seite gelegt. 2023 wurde einstimmig beschlossen, die Erweiterung des Bades mit Spaß- und Saunabereich zu prüfen. Viele Gemeinderäte lehnten einen Ausbau nach den Kostenberechnungen von über 60, später sogar auf rund 100 Millionen Euro ab.

Verfahren
Am Dienstagabend diskutiert der Gemeinderat nochmals. Im Laufe des Jahres 2026 wird es einen Bürgerentscheid geben.