Pflegerin Sedina Hasic von der Sindelfinger Sozialstation . . . Foto: /Grafikhelden Design Studio GbR

In Böblingen stehen die Mitarbeiter der Pflegedienste im Stau, in der Nachbarstadt finden sie keine Parkplätze. Die SPD fordert deshalb Sonderrechte für die Helfer.

Sindelfingen - Knallrot sind die Fahrzeuge, mit denen die Altenpfleger in Sindelfingen unterwegs sind. Nicht zu übersehen ist auch die große Aufschrift „Sozialstation Sindelfingen“ an den Seiten der Autos. Jeder, der sich ein wenig auskennt, weiß: Mit einem solchen Autos ist ein Pfleger unterwegs, um kranke und alte Menschen zu versorgen. Trotzdem ist der Unmut mancher Anwohner groß, wenn ein Wagen der Sozialstation mal für wenige Minuten in zweiter Reihe parkt – aus purer Not, wie Thomas Jaskolka, der Pflegedienstleiter der Sozialstation, klagt.

„In manchen Wohngebieten wie im Eschenried finden unsere Mitarbeiter oft einfach keinen Parkplatz“, so Jaskolka. Wenn die Pfleger nur einen kurzen Einsatz haben, etwa einem Patienten nur eine Spritze verabreichen und dann weiterfahren können, halten sie dann schon mal schnell vor einem Haus – und würden dann beschimpft.

Eine Stunde pro Tag und Pfleger für Parkplatzsuche

Das sei eine unwürdige Situation, findet Birgit Wohland-Braun. Die SPD-Stadträtin beantragt gemeinsam mit ihrer Gemeinderatsfraktion, den Mitarbeitern von Pflegediensten und Assistenten von Ärzten das Parken zu erleichtern. Auch sollen sie – wie Taxis – sonst nur eingeschränkt befahrbare Straßen nutzen dürfen. „Eine dreiminütige Parkplatzsuche vor jedem Einsatz bedeutet einen täglichen Mehraufwand von bis zu 60 Minuten. In dieser Zeit könnten weitere Patienten versorgt werden“, heißt es in der Begründung.

Wie berichtet, hatte die SPD-Linke-Fraktion in der Nachbarstadt Böblingen bereits vor zwei Monaten etwas Ähnliches beantragt. Dort ist das größte Problem die Baustellensituation. Seit vielen Monaten werden abwechselnd wichtige Hauptverkehrsachsen gesperrt. Der Verkehr wird weitläufig umgeleitet. Die Folge für die Pflegekräfte: oft kommen sie zu spät zu ihren Patienten, die aber auf die pünktliche Gabe von Spritzen und Medikamenten angewiesen sind. Deshalb fordert die SPD die Freigabe der Bus- und Taxispur auch für die Fahrzeuge der Pflegedienste. „Der Antrag wurde noch nicht behandelt“, bedauert Florian Wahl, Chef der Böblinger SPD-Linke-Fraktion, auf unsere Nachfrage. Dazu hat die Stadtverwaltung laut der Gemeinderatsordnung drei Monate Zeit. Die Erfolgschancen des Antrags sind allerdings gering. Bereits vor zwei Monaten hatte Stadtsprecher Fabian Strauch gegenüber unserer Zeitung erklärt, dass die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung für Pflegedienste nicht möglich sei. Schließlich sei die Stadt an den Gleichbehandlungsgrundsatz gebunden.

Warum nicht gleiche Rechte wie für Taxifahrer?

Diese Argumentation versteht Florian Wahl nicht. „Bei Taxiunternehmen funktioniert das doch auch. Warum nicht bei Pflegediensten?“ Mit einer Berechtigungskarte oder -plakette, die die Stadt ausgebe, könnte leicht überprüft werden, ob ein Auto zu den vorfahrtsberechtigten Fahrzeugen gehöre, meint Wahl.

Thomas Jaskolka begrüßt in Sindelfingen den Vorstoß der SPD für erleichtertes Parken. Ausreichend sei das aber nicht, meit der Chef der Sozialstation: „Das kann nur ein Baustein sein.“ Die Sozialstation setze auch auf andere Formen der Mobilität. So wurde jetzt mit Unterstützung eines Projekts von Daimler-Mitarbeitern das erste Pedelec für die Pflegekräfte beschafft. „Das eignet sich vor allem für Einsätze, bei denen die Pfleger lange Zeit bei einem Patienten sind und nur wenig fahren müssen“, so Jaskolka. Ebenso will man prüfen, ob es für Mitarbeiter sinnvoll sei, die Pedelec- und Leihradstationen der Regio-Rad Stuttgart zu nutzen.

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