Corona lässt grüßen, auch im Sindelfinger Bürgeramt. Von Dienstag an ist die Behörde geschlossen. Bürger können sich telefonisch oder per E-Mail an die Mitarbeiter wenden. Foto: factum/Simon Granville

Der Krisenstab unter dem Oberbürgermeister Bernd Vöhringer ist im Dauer-Arbeitsmodus. Die Einschränkungen und Schließungen sorgen dafür, dass die Stadt ruhiger ist, nur wenige Menschen sind unterwegs.

Sindelfingen - Die Lage ist ernst, und sie ist dynamisch. Wir müssen tagesaktuelle Entscheidungen treffen“, sagt der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer. Wie ernst die Lage ist, zeigt sich schon an den Teilnehmern der Pressekonferenz zur Corona-Situation in Sindelfingen: Der Erste Bürgermeister Christian Gangl fehlt. „Er ist in Quarantäne“, heißt es. Krank sei er nicht, aber er sei in einem Risikogebiet gewesen. „Ihm geht es gut. Wir sind ständig per Telefon und online mit ihm in Kontakt“, sagt die Baubürgermeisterin Corinna Clemens.

Nichts ist mehr, wie es noch vor zwei Wochen war. Die Ausschusssitzungen des Gemeinderats sind für diese Woche abgesetzt. Der Sitzungssaal wurde zur Schaltzentrale des Krisenstabs umfunktioniert. Dieser tagt täglich. Alle Dezernenten nehmen daran teil, der Feuerwehrchef Rainer Just, die Ortsvorsteher. Bei Bedarf je nach Thema auch die Polizei, die Wirtschaftsförderung oder die einen oder anderen Mitarbeiter des Rathauses.

Polizei kontrolliert die Schließung der Kneipen

Am Freitag tagte der Krisenstab am späten Abend. Und er schuf Fakten: Von sofort an wurde der Betrieb von Bars, Diskotheken und anderen Vergnügungsstätten untersagt. Noch am selben Abend zogen Polizeibeamte gemeinsam mit Mitarbeitern der Stadt los, um die Betriebe zu informieren. „Die meisten waren verständnisvoll“, sagt der Polizeihauptkommissar Michael Exner. Bei Kontrollen am Samstag habe man vier Gastronomen erwischt, die sich nicht an die Vorschrift gehalten hätten, am Sonntag zwei. „Die meisten Betreiber waren auch einsichtig.“

Eine organisatorische Meisterleistung wird in den kommenden Tagen die Kinderbetreuung für die meisten Familien werden. Eltern, die in sogenannten systemkritischen Berufen arbeiten, dazu zählen beispielsweise Pflegekräfte in Kliniken und Polizisten, aber auch Verkäufer im Lebensmitteleinzelhandel können ihre Kinder in eine Notbetreuung geben, die die Stadt organisiert. Das gilt nur, wenn beide Eltern in einem solchen Beruf arbeiten oder als Alleinerziehende unentbehrlich sind. Alle anderen Familien müssen die Betreuung ihrer Kinder selbst organisieren. Das könnte auch zu Personalproblemen im Rathaus führen, sagt Clemens. Man versuche, den Mitarbeitern mit Homeoffice so weit wie möglich entgegenzukommen.

Geschwächt ist das Verwaltungsteam bereits jetzt, weil sich 30 Personen in Quarantäne befinden. Kranke seien nicht darunter, es handle sich um Vorsichtsmaßnahmen, versichert Clemens. Der Oberbürgermeister mahnt die Solidarität der Sindelfinger an. „Wir müssen den Spirit, den wir beim Stadtjubiläum erlebt haben, nun auch in der Corona-Krise weitertragen.“

Keine Angst vor Ansteckung

Die Stimmung auf dem Marktplatz ist am Montag um die Mittagszeit gedämpft. Nur wenige Menschen nutzen ihre Mittagspause, um sich ein wenig zu sonnen. „Das ist doch alles Blödsinn“, sagt Andreas Krüger zu den Schließungen von Bars und Kneipen. Er hat gerade Urlaub und würde gerne abends mal ein Bier trinken gehen. „Das ist eine besondere Situation“, widerspricht ihm Patricia Delmer. Die 40-Jährige ist zahnmedizinische Assistentin. Sie hat Verständnis für die Einschränkungen. „Ja, ich würde gerne ins Kabarett gehen. Aber das ist Luxus, nicht lebensnotwendig.“ Und momentan müsse man halt darauf verzichten. „Der Gesundheit wegen.“ Sie selbst hat in der Zahnarztpraxis wenig Angst vor einer Ansteckung. „Ich bin geschützt mit Mundschutz und Handschuhen.“ Was ihr die gute Laune verdirbt: „Die Panikmache meiner Kolleginnen. Die sagen, jetzt machen die Supermärkte zu. Das ist doch Quatsch.“

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