130 Zuhörer im Saal des Christuszentrums, die Moderator Gerd Sander begrüßte Foto: Fromm

„Laufen, lernen, lieben und lachen“ - Aktionstag für angehende Rentner im Sindelfinger Christuszentrum lockt 130 Besucher.

„Durch Nichtstun und Trübsal-blasen altern wir schneller,“ ermuntert der Theologe Thomas Maier mehr als 130 junge Senioren am Samstag, 28. Februar, im Sindelfinger Christuszentrum, ihr Leben nach der Erwerbsarbeit zu gestalten. Longcovid hatte den 65-Jährigen schon vor Jahren gezwungen, in Rente zu gehen. Auf Einladung des Liebenzeller Gemeinschaftsverbands, einem christlichen Verein, hielt der Pfarrer und Dozenten das Auftaktreferat.

 

In zwei Seminarblöcken hatten die Besucher anschließend Gelegenheit, je zwei von acht 45-minütigen Workshops zu besuchen, in denen es etwa um die Liebe von Paaren im Alter ging, den Dialog zwischen den Generationen oder rechtliche Fragen zu Patientenverfügung, Vollmacht für Angehörige oder Vererben. Das Halbtagesformat bot der Verein zum mittlerweile dritten Mal an, wobei die Orte landesweit wechseln.
Moderator Gerd Sander, ein PR-Berater und Coach aus Schorndorf, ermittelte im Saal per Handzeichen, dass das Gros der Besucher zwischen 58 und 65 Jahren war, aus einem Umkreis von 50 Kilometern kam und knapp zur Hälfte noch berufstätig ist. „Durch Krankheiten und Verluste altern wir schneller,“ referierte Maier nach dessen Einführung und setzte nach: „Reifer werden wir nicht automatisch.“ Dies sei eine Frage innerer Haltung, nämlich Suchende zu bleiben und nichts erzwingen zu wollen.
Den Zuhörern empfahl der Pfarrer „laufen, lernen, lieben und lachen“, um jung zu bleiben. Ressourcen reifen Alterns seien Güte, Dankbarkeit, Bescheidenheit, Freude und Vertrauen. Dazu gehörten, sich selbst zu reflektieren, die eigene Biografie zu bejahen und gemachte Fehler zu bereuen. Auch dürfe man mit Gott hadern über eigene Enttäuschungen, „denn Gott will, dass Du ehrlich bist.“ Dann könne man ihn leidend loben.
Podcasterin Christiane Rösel (www.vorwaertsleben.com) empfahl den Zuhörern, „die Weichen für die nachberufliche Zeit aktiv zu stellen.“ Denn weder werde der Ruhestand „automatisch gut“, noch gebe es dafür „einen perfekten Plan“ und als „Urlaub ohne Ende“ sei er eher eine Horrorvorstellung. Stattdessen gelte es, sich bewusst zu machen, von welchen Lasten dieser Übergang befreie. Aber sich auch klar zu werden, was man dadurch an Wertvollem verliert, etwa an Kontakten und Tagesstruktur. „Du musst für Dich klären, mit welchen Beziehungen und Inhalten Du diese Lücke füllen möchtest,“ so die Freiberuflerin.
Sie habe bspw. ihren Podcast gestartet, alte Freundschaften reaktiviert und lade häufiger Nachbarn und andere Gäste ein, um gesellig zu sein und Spaß zu haben. In ihrem Workshop „Alte Liebe“, den anschließend 35 Teilnehmer besuchten, sensibilisierte die Pädagogin für die Dynamik, die der Ruhestand für Paare mit sich bringt. Dann sei es wichtig, sich darüber auszutauschen, was man am anderen schätzt oder wie man sich künftig die Arbeit im Haushalt teilt oder wie sehr sich jeder bei den Enkeln engagiert. Rösels Leitgedanke: „Ich schnitze mir nicht meinen Partner, wie ich ihn haben möchte, sondern unterstütze ihn darin, der Mensch zu werden, der er sein möchte.“
In den Pausen kamen die Besucher bei Kaffee, Kaltgetränken, Snacks und Obst ins Gespräch und konnten sich vernetzen. An Ständen im Foyer waren Angebote für Seminare, sich etwa mit der eigenen Erwerbsbiografie auseinanderzusetzen oder Perspektiven für den Ruhestand zu entwickeln. Ehrenämter, auch in Kirchengemeinden, liegen da nahe. Im Schlussplenum dankten etliche Teilnehmer den Referenten für die erhaltenen Impulse. Einer wörtlich: „Jetzt gehe ich viel positiver in die nachberufliche Zeit.“ Und eine andere: „Mir ist jetzt klar, dass und wie ich diese Lebensphase gestalten werde.“ Eine dritte Wiederholung der Veranstaltung ist im zweiten Quartal in Korntal bei Ludwigsburg geplant. Der Termin steht noch nicht fest. www.inspiriert.lgv.org

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