Jeggle möchte arbeiten. Foto: Pressefoto Baumann

Thomas Jeggle sitzt seit Monaten beschäftigungslos zuhause, weil ihn die Stadt seines Postens enthoben hat. Gekündigt wurde ihm aber nicht, er erhält weiter seine vollen Bezüge. Nun will er vor dem Arbeitsgericht seine Beschäftigung erstreiten. Gerlinde Wicke-Naber

Sindelfingen - Der Streit zwischen dem ehemaligen Sindelfinger Sportamtschef und seinem Arbeitgeber, der Stadtverwaltung, geht in eine neue Runde. Nun hat Thomas Jeggle Klage beim Stuttgarter Arbeitsgericht auf Beschäftigung eingereicht. Den Eingang der Klage bestätigte die Pressesprecherin des Gerichts. Einen Termin für die mündliche Verhandlung gibt es noch nicht. „Es wird aber ziemlich sicher noch vor Weihnachten verhandelt werden“, sagt die Sprecherin.

Mitte Juli hatte die Stadt überraschend die Absetzung des Chefs des Sport- und Bäderamts zum 1. August bekannt gegeben, das dieser zuvor acht Jahre lang geleitet hatte (wir berichteten). Eine Begründung dafür gab es nicht. Gestolpert ist Jeggle offenbar über die Kritik der Sportvereine, insbesondere des VfL Sindelfingen, mit mehr als 9000 Mitgliedern einer der größten Sportvereine im Land. Die Vereine werfen Jeggle vor, sich nicht genug für ihre Belange einzusetzen.

Ein Nachfolger ist nicht in Sicht

Jeggle bleibt aber weiterhin in Diensten der Stadt. Ihm soll eine neue Aufgabe zugewiesen werden, hieß es damals im Juli. Mittlerweile sind fast vier Monate vergangen. Im Sportamt arbeitet die Mannschaft seither ohne ihren bisherigen Chef. Ein Nachfolger scheint nicht in Sicht. Thomas Jeggle sitzt zuhause und soll seine Überstunden abbauen.

Hat er tatsächlich so viele Überstunden angesammelt? Diese Frage bejaht der Oberbürgermeister Bernd Vöhringer. Auch im Sportamt laufe alles bestens, die Mitarbeiter dort hätten die Arbeit im Griff, sagt der Rathauschef auf Nachfrage. Ansonsten aber äußert er sich nicht zum Fall Jeggle. „Zu Personalangelegenheiten geben wir grundsätzlich keine öffentlichen Stellungnahmen.“

Zu hören ist, dass es zwischenzeitlich mal ein Angebot an Thomas Jeggle gegeben haben soll. Einen neuen Posten wollte man für ihn schaffen: ein Amt für Gesundheitsförderung und -management, allerdings ohne jegliches Personal. Offenbar wurde das Angebot aber wieder zurückgezogen. Andere Stimmen berichten, dass Jeggle die Offerte abgelehnt haben soll.

Stadträte kritisieren das Vorgehen

Unter den Rathausmitarbeitern und Stadträten rumort es gewaltig angesichts der schwebenden Situation. Einige Stadträte sehen das Vorgehen der Stadtverwaltung sehr kritisch. Die Begründung für die Absetzung des Sportamtschefs, die sie erhalten haben – er soll mit einem Referat über Sportförderung bei einer Tagung der Deutschen Sportamtschefs im April in München der Stadt geschadet haben – akzeptierten die Räte nicht. Das sei kein stichhaltiger Grund für eine Amtsenthebung. Außerdem fürchten manche Stadträte, dass die Sportvereine damit den Eindruck gewinnen könnten, dass sie die Personalpolitik im Rathaus bestimmen. Doch offiziell äußern will sich keiner aus dem Gemeinderat.

Dafür wird nun Kritik unter Sindelfinger Bürgern laut. Ein recht prominenter Einwohner – Stefan Wolf, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Elring-Klinger – hat dem Oberbürgermeister Bernd Vöhringer via Facebook – nur für diesen einsehbar – geschrieben. „Da werden sinnlos Steuergelder verbraten“, sagt Stefan Wolf.

Bürger beklagt Steuerverschwendung

Zum Konflikt zwischen Thomas Jeggle und der Stadt wolle und könne er nichts sagen. Wohl aber dazu, wie die Verwaltung damit umgehe. „Vielleicht kann die Öffentliche Verwaltung da von uns aus der Freien Wirtschaft etwas lernen“, sagt Wolf. Habe er ein Problem mit einem Mitarbeiter, gebe es zwei Wege: „Entweder wir raufen uns wieder zusammen oder aber wir trennen uns von der Person“. Das koste natürlich einiges. Einem Mitarbeiter, den man loswerden wolle, müsse man eine Abfindung bieten. Aber auch im Moment koste Thomas Jeggle die Stadt viel Geld. „Er sitzt unbeschäftigt zuhause und im Sportamt fehlt er.“ Stefan Wolf kann nicht verstehen, warum ein solcher Fall vor dem Arbeitsgericht landen muss.

Seine Anfrage an den Sindelfinger OB habe er am 3. November verschickt, aber zunächst keine Antwort erhalten. „Ich habe dann an diesem Montag noch einmal nachgehakt und Herr Vöhringer hat mir geantwortet, er könne sich zu Personalfragen nicht äußern.“ Außerdem habe er ihn gebeten, Anfragen nicht an seinen privaten Facebook-Account, sondern an seine offizielle E-Mail-Adresse im Rathaus zu schicken. „Das werde ich nun tun. Und ich erwarte eine Antwort auf meine Fragen“, sagt Stefan Wolf.