Die Tribute-Band True Collins liefert ein mitreißendes Konzert und begeistert rund 3000 Besucher auf dem Sindelfinger Marktplatz. Auch das Thema Müll hinterlässt weniger Spuren.
Es gibt ein lateinisches Stichwort aus dem 16. Jahrhundert, das lautet: „Tempora mutantur, nos et mutamur in illis“, zu Deutsch: „Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns in ihnen.“ Rockmusik galt als der Untergang der abendländischen Kultur. Rock ’n’ Roll galt seit den fünfziger Jahren, etwa im amerikanischen Rundfunk, als ein Stichwort für gewisse körperliche Aktivitäten etwa auf der Matratze. Was würden sich die damaligen Kulturkritiker und Sittenwächter die Augen reiben, wenn sie Rockkonzerte wahrnehmen könnten, wie sie nun seit einigen Jahren auf dem Sindelfinger Marktplatz stattfinden.
Ein Gastspiel gab jetzt die Coverband True Collins – a Tribute to Phil Collins and Genesis. Der englische Musiker, der als Schlagzeuger unumstritten ist, sah sich in den letzten Jahrzehnten mit Kritiken konfrontiert, die seine frühere Rockmusik auf einem unguten Weg in eine seichte Schlager-Pop-Rockmischung sahen.
Diese Entwicklung ließ auch das umjubelte Konzert durchblicken. Die Musiker lieferten exzellentes Handwerk und eine mitreißende Musikalität ab, konnten aber die Beliebigkeit mancher Melodien, Harmonien und Rhythmen auch nicht überspielen. Nach den Aussagen vieler Marktplatz-Besucher fühlten sich etliche auch nicht auf einem reinrassigen Rockkonzert. Ein älteres Ehepaar erzählte, dass sie schon seit Jahren die Gesamtatmosphäre genießen: „Wir freuen uns, dass wir Bekannte treffen, die wir manchmal Monate nicht gesehen haben, die wir aber zuverlässig da sind.“
Zu den Besuchern zählten auch zwei jüngere Mädchen: „Wir sind mit unseren Eltern hergekommen. Wir kennen die Musik weniger, hören aber ganz gerne zu.“ Viele reifere Altersgruppen sangen heimlich mit, tanzten oder zückten das unvermeidliche Smartphone, um etwas für die Wohnstube mit nach Hause nehmen zu können.
Phil Collins hat als Solomusiker und mit der Gruppe Genesis jeweils 150 Millionen Tonträger verkauft und zählt somit zu den erfolgreichsten Musikern und Songwritern seiner Art. Dass die Musiker auch mal bekennen mussten, dass sie die dritte Strophe eines Songs vergessen hatten, nahm ihnen keiner krumm.
Musizieren und Komponieren spielt auch durchaus eine wichtige Rolle. Viele wichtige Hits säumen seinen Weg und waren auch am Abend zu hören. Collins hat einige populäre Hits zu bieten, etwa seinen Song für den Tarzan Film, der sogar einen Oscar bekam: „You’ll be in my Heart.“ Anlässlich der Festivitäten zum goldenen Thronjubiläum von Königin Elisabeth II. im Jahr 2002 war Collins Mitglied der „Hausband“ bei der Party at the Palace und begleitete Paul McCartney, Ozzy Osbourne und Cliff Richard am Schlagzeug. Kooperationen gab es auch mit ABBA, den Beatles, Eric Clapton und anderen.
„Sindelfinger alle vereint“
Ein Besucher, der auch jedes Jahr kommt, meinte: „Ich verschiebe sogar meinen Urlaub so, dass ich zu den Konzerten immer kommen kann. Es ist doch toll, dass wir hier solch eine Veranstaltungsreihe haben, die die Sindelfinger alle vereint und es geschätzt rund 3000 Zuschauer da sind. So etwas gab es in unserer Stadt bisher sehr selten.“
Dass gebotene Livemusik auch Balsam für Seele und Körper sein kann, war auch allenthalben zu beobachten. Ob jugendliche Fitnessfigur, ansehnlicher Bauchspeck oder auch ein paar markante Altersfalten, alle verfolgten mit strahlenden Gesichtern die musikalischen Darbietungen und tanzten umso intensiver, je später der Abend dämmerte. Von dieser Veranstaltungsreihe können alle Unternehmerinnen und Unternehmer lernen, wie man erfolgreich sein kann, nämlich indem man eine Marke schafft, die eine Tradition, eine gute Qualität und eine emotionale Ansprache beinhaltet und es ist und bleibt erfreulich, dass der Veranstalter Johannes Leichtle von Sindelfinger Unternehmen unterstützt wird. Der Veranstalter ist etwas versöhnt nach dem Auftakt in der vergangenen Woche, wo doch einiges an Unrat und Unzufriedenheit zurückgeblieben war. Es habe deutlich weniger Hinterlassenschaften gegeben. Auch die Umsätze an den eigens aufgestellten Ständen seien in Ordnung gewesen – „mit Luft nach oben“.
Und dafür bietet sich reichlich Gelegenheit. „One more Night“ heißt ein Collins-Song, die gibt es am 14. August mit Mothership: Musik von Led Zeppelin steht dann auf dem Programm.