„Sindelfingen rockt“ auf dem Marktplatz: Am Mittwoch kamen die Reggae-Fans bei Marley’s Ghost, der vorletzten Band der Serie, auf ihre Kosten.
„Sunshine Reggae“ hieß der Hit des dänischen Duos „Laid Back“ aus dem Jahr 1982. Nomen est Omen: Sunshine gab es auch am Mittwochabend zur Genüge. Ein heißer Spätsommertag lockte die Reggae-Fans auf den Marktplatz, der ab Halbsieben denn auch gut gefüllt war. Noch nie zuvor hatten die Filderstädter Besucher Charlotte und Stefan von „Sindelfingen rockt“ Wind bekommen. Doch als der Reggae-Wind den Marley’s Ghost-Event bis auf die Fildern trug, gab es für sie kein Halten mehr. „Seit ich das Bob Marley-Album „Babylon by Bus“ im Jahre 1978 hörte, bin ich Fan“, erzählt Stefan mit verklärtem Blick. „Beim Reggae Jam in Bersenbrück haben wir kürzlich sogar die Original Marley Band „The Wailers“ erlebt“, fügt er hinzu. So wie diesem Paar mag es wohl auch manch anderen ergangen sein: Einmal Reggae – immer Reggae!
Viele der Fans, inzwischen in die Jahre gekommen, fühlten sich vermutlich in die gute alte Zeit zurückversetzt, als ein Joint die Runde machte und die Musik von einer besseren friedvolleren Welt träumen ließ. Nach dem ersten Set ließ Sänger und Rhythmusgitarrist Sebastian Sturm denn auch vernehmen: „Holt euch gleich mal ‘n Joint und ‘n Bier“; letzteres dürfte eher verfügbar gewesen sein. Kaum jemand, der während des Auftritts hätte stillstehen können. Zu sehr ging der Off-Beat des Reggae-Grooves in Bauch und Beine.
„Der Mann (Bob Marley) hat so viel großartige Songs geschrieben“, schwärmte Sturm, weshalb Hits wie „Stir It Up“ oder „Everything’s Gonna Be Alright“ auch zum Mitsingen einluden. Nicht nur dass die Formation mit Bass, Leadgitarre, Rhythmusgitarre, Keys, Schlagzeug und Gesang sehr nah am Original war – auch die Ansagen erfolgten in lupenreinem Jamaica-Englisch, vielleicht, um das Eintauchen in die Reggae-Kultfigur der 70er zu erleichtern. Jedenfalls transportierte Marley’s Ghost mit ihrer mitreißenden, authentischen und unerreichten Energie nicht nur die Musik und die vielen großen Songs des King of Reggae, sondern auch seine Message.
Frontmann Sebastian Sturm gilt unter Kennern schon lange als die deutsche Stimme Bob Marleys. Der charismatische Sänger mit deutsch-indonesischen Wurzeln verstand es auch in Sindelfingen das Publikum mitzureißen und es regelrecht in seinen Bann zu ziehen. Auch seine Mitmusiker lieferten feines Reggae-Handwerk ab, sodass jedes Solo begeistert beklatscht wurde. Nach nahezu allen Hits aus der Marley-Feder musste gegen 22 Uhr trotz aller Euphorie schließlich das Ende eingeläutet werden.
Der viel zu früh verstorbene Schwabenrocker Wolle Kriwanek fragte in seiner 1981 veröffentlichten Single: „Reggae di uf“? Nach über drei Stunden Reggae pur hätte das Gros des tanzenden und mitsingenden Publikums diese Frage ganz bestimmt mit einem klaren Nein beantwortet. Am kommenden Mittwoch geht „Sindelfingen rockt“ 2023 mit der Tribu2-Band mit Hits von U2 in den Endspurt, Beginn ist um 16 Uhr.