Oliver Henrich, Sänger der Band Bounce, heizt dem Sindelfinger Publikum ein. Foto: Eibner-Pressefoto/Edward Cheung

Die Bon-Jovi-Tributeband „Bounce“ bringt in Sindelfingen den glühenden Marktplatz zum Tanzen und Singen.

Eine ganze Reihe weltbekannter Songs hat sie schon abgefeuert. Um 20.30 Uhr am Mittwochabend geht die Bon-Jovi-Tributeband Bounce in ihre zweite Pause und lässt den kochenden Sindelfinger Marktplatz für eine halbe Stunde entspannen. Seit 19 Uhr stehen die Musiker da schon auf der Bühne. Die Luft im Herzen der Stadt ist schwer und heiß, der Platz ist voll, alle Straßen um den Marktplatz sind es auch – „Sindelfingen rockt“ heißt das Motto, Sindelfingen lebt, dies vor allem. Auch ohne die Musik von Bon Jovi wäre es eine der heißesten Nächte des Jahres.

 

„Der Platz ist so voll, wie man ihn nur machen kann“, sagt Philip Barczewski, Projektleiter bei Event-Kartell, dem Gerlinger Unternehmen, das die Rock-Nächte umsetzt, nicht nur in Sindelfingen. An nahezu jedem Tag der Woche bringt Event-Kartell eine andere Band in einer anderen Stadt auf die Bühne, in Kornwestheim, Eislingen an der Fils, Bietigheim-Bissigen, Leonberg. In Sindelfingen spielten bereits Cover-Bands, die AC/DC und Coldplay auf den Marktplatz zauberten, es werden noch Shows mit Tributebands der Ärzte sowie der Toten Hosen und zu guter Letzt mit der Musik von Abba folgen.

Viel Security und verstärkte Sicherheitsmaßnahmen

Rund 4500 Menschen, schätzt Philip Barczewski, sind am Mittwochabend auf dem Marktplatz zusammengekommen. Da bleibt kaum ein Meter frei, zumal der Platz durch eine Baustelle verkleinert wird. „Mit der Baustelle arbeiten wir aber gut zusammen, die helfen uns, wo sie können.“ Anders als in Jahren zuvor steht die Bühne vor dem Rathaus, dem abfallenden Platz zugewandt – tontechnisch ein leichtes Manko, wie Barczewski bemerkt. Security findet sich auf dem gesamten Gelände, sechs Fahrzeuge riegeln den Platz ab, die Vorsichtsmaßnahmen wurden seit dem letzten Jahr verschärft.

Der Abend mit dem Riesenpublikum auf dem Marktplatz verläuft aber ganz ohne Zwischenfälle. Getränkestände sich dicht belagert, Menschen feiern, trinken Bier und Wasser, tanzen. Nicht alle sind Bon-Jovi-Fans. Ricarda zum Beispiel hat einen anderen guten Grund, zu feiern: „Wenn man hier wohnt und in die Stadt gehen möchte, dann ist das auch OK“, sagt sie. Anders Martina, die neben ihr steht. Sie kommt aus Gäufelden, ist eigens nach Sindelfingen gefahren, um eine Band zu erleben, die so tut, als sei sie ihre Lieblingsband. Martina trägt ein Bon-Jovi-Shirt. „Mein erstes Band-T-Shirt, das ist sicher 30 Jahre alt!“ Fan ist sie noch immer und, wenn es um Tributebands geht, doch auch ein wenig kritisch. „Ja, manchmal kommen sie schon ran ans Original“, sagt sie über „Bounce“. „Wir müssen weiter nach vorne gehen, da ist der Sound besser.“

Das Publikum kann die Hits von Bon Jovi mitsingen. Foto: Eibner-Pressefoto/Edward Cheung

Dazu besteht nun die Gelegenheit, denn die Band kehrt zurück. „Ein paar Knaller fehlen noch“, sagt Martina – und die kommen nun, in schneller Folge. Im dritten Set von „Bounce“ findet sich kein Stück, das nicht jeder augenblicklich erkennen würde.

Jon Bon Jovi, geboren in New Jersey, ist mittlerweile 63 Jahre alt, seit März, sieht mutmaßlich immer noch viel jünger aus und veröffentlicht noch immer Alben. Bon Jovi sind die rockenden 1980er Jahre, die Meister der Powerchords, die Adrenalin ins Ohr ihrer Hörer pumpen. Die Hits, die diese Band ablieferte, kann man fast nicht mehr zählen. Aber mitsingen kann man sie. Sindelfingen weiß, wie es geht.

Oliver Henrich schlüpft mit Hingabe in die Rolle Jon Bon Jovis

Die Becken zischeln lange, auf der Bühne, weit in der Ferne, weint eine elektrische Gitarre auf schillernden Keyboardfeldern, und dann setzt der Bass ein. Tom Müller alias Tommylare steht stoisch nickend am Bühnenrand und spielt ihn – lange, ehe Oliver Henrich, die Verkörperung Jon Bon Jovis, zu singen beginnt. Der Marktplatz hüpft schon, zum manischen Rhythmus von „Livin‘ on a Prayer“. Henrich, in kunstvoll zerfetzten Jeans und T-Shirt, schlüpft mit Hingabe in die Rolle des rockenden Frauenschwarms, fällt auf die Knie, erstarrt mit ausgestreckter Hand im Bühnennebel zur Silhouette, lässt seine Stimme rau und Bon-Jovi-mäßig brechen an den rechten Stellen.

Jens Rösel Gitarrist, setzt sich auch einmal einen Hut auf und spielt ein Instrument mit zwei Hälsen, bei „Wanted dead or alive“. Johannes E. Brunn ist an den Keyboards zu hören, Olav Quick sitzt am Schlagzeug. „Bounce“ kommen aus Wülfrath in Nordrhein-Westfalen, kennen ihr Repertoire sehr gut und denken auch praktisch: Ihr Keyboarder fungiert als Produzent, der Bassist fährt den Bus und der Schlagzeuger ist zugleich Pressesprecher.

Gute Stimmung: das Publikum ließ sich von der Musik mitreißen. Foto: Eibner-Pressefoto/Edward Cheung

„You give Love a bad Name“ hämmert über den Platz, „Bed of Roses“ beginnt mit einem Piano-Intro und entfesselt tausend Gesangstalente. „Runaway“ zieht das Tempo wieder an, „In these Arms“ rührt an Gefühle, während die Sonne sinkt – und bald schon ist die Party dann vorbei, die Menschen verlassen sehr langsam den Marktplatz, der Abbau beginnt, am nächsten Tag wird eine andere Show gespielt, an einem anderen Ort.