Die feinen Brennhaare des Eichenprozessionsspinners verursachen höllischen Juckreiz. Foto: dpa

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners treten in größerer Zahl auf und müssen bekämpft werden. Ein städtischer Mitarbeiter des Sindelfinger Grünbetriebs berichtet von seinem Einsatz – und hat Juckreiz.

Sindelfingen - Christian Mössinger war mit dem Gasbrenner unterwegs, jetzt juckt es ihn wieder. Der Fachagrarwirt für Bäume hat einige Raupen des Eichenprozessionsspinners im Sindelfinger Freibad abgeflammt. Er und sein Kollege vom städtischen Grün- und Umweltamt trugen dabei zwar Schutzanzüge aus Papier, Schutzmasken, Gummihandschuhe und -stiefel. Doch wie so oft sind beim Ausziehen der Schutzkleidung Häarchen des Schädlings auf die Haut gekommen, wo sie eine Wirkung ähnlich wie Brennnesseln entfalten. Aber nicht nur Mössinger muss damit leben, auch viele seiner Kollegen in den Kommunen, die den Raupen dieser Tage den Garaus machen wollen.

Allergische Reaktionen

Der Juckreiz, der den Menschen droht, wenn sie mit dem Schädling in Berührung kommen, ist aber nicht einmal das Schlimmste. „Die Brennhaare können Reizungen der Bindehaut oder der Atemwege verursachen. Manchmal sind allergische Reaktionen möglich“, sagt Mössinger. Zum Glück blieb das dem 50-Jährigen und seinen Kollegen bisher erspart.

Bis vor wenigen Jahren beschränkte sich der Raupenfraß auf einzeln stehende Eichen in Parkanlagen, Alleen, auf Parkplätzen und auf Waldränder. Seitdem es aber immer mildere Winter gibt, vermehrt sich der Schädling massenhaft. Er kann ganze Wälder oder Parkanlagen befallen, die Bäume sterben ab.

Raupen können zurzeit auch auf Kinderspielplätzen sein

Nicht nur in Sindelfingen, auch in anderen großen Städten wie in Herrenberg, Leonberg und Böblingen ist bereits vorbeugend auf Park- und Schulgeländen, in Freibädern und an Spielplätzen ein für die Raupen giftiges Mittel gespritzt worden, „das für den Menschen ungefährlich ist“, teilt Saskia Brockmann von der Böblinger Stadtverwaltung mit. Die Bäume seien mit gelbgrünen Punkten versehen worden. In Sindelfingen wurden Schilder angebracht.

Während sich der Schädling in Böblingen offenbar weniger stark ausbreitet, sei der Befall in Sindelfingen größer, sagt Mössinger, „weil viele Teile unseres Stadtgebiets am Waldrand liegen, wo die Raupe verstärkt die Eichen heimsucht.“ Auf den befallenen Bäumen fressen die Raupen frisch ausgetriebene Blätter, bisweilen weichen sie auch auf Hainbuchen aus. Sie wandern bis Ende Juni/Anfang Juli um Baumstämme und Äste herum. Ein solche „Prozession“ kann einige Meter lang sein.

Duschen und eine Hautlotion

„Zur Zeit beginnen sie, sich zu verpuppen, und bilden Gespinstnester, bevor Falter schlüpfen“, erklärt Mössinger. Neben Gasbrennern werden auch Spezialsauger verwendet, um die Tiere zu entfernen. „Anschließend kommen sie in die Müllverbrennungsanlage“, sagt der Schädlingsbekämpfer.

Nach seinem Einsatz duscht er und reibt seine Arme mit einer Hautlotion ein. „In ein paar Tagen ist der Juckreiz wieder weg“, meint Mössinger. Man dürfe sich nur nicht kratzen, sonst werde es noch schlimmer.

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