Mehr als 60 Geschäfte haben eigentlich Platz im Stern-Center. Doch das Gebäude ist offenbar nicht mehr richtig attraktiv für Anbieter und Kunden. Foto: factum/Jürgen Bach

Viele Verkaufsräume sind nicht mehr vermietet. Was das neue Management dagegen tun will, verraten die Verantwortlichen vorerst nicht. Ein FDP-Politiker hat eine Idee, wie das ganze Areal wiederbelebt werden könnte.

Sindelfingen - Dienstagvormittag im Stern-Center in Sindelfingen: Im Untergeschoss lassen sich zwei Frauen bei New York Nails American Style ihre Fingernägel auf Vordermann bringen. Ein Stockwerk höher steht eine Frau bei Nordsee an der Kasse, um ihr verspätetes Frühstück zu bezahlen. Im Obergeschoss wirbt Kik mit reduzierter Ware, bis zu 50 Prozent Rabatt verspricht der Textildiscounter. Nebenan versucht Woolworth Passanten mit unübersehbaren Schildern, auf denen groß Sale (Deutsch: Ausverkauf) steht, in die Filiale zu locken.

Kurz: Eigentlich sieht es aus wie in einem ganz gewöhnlichen Einkaufszentrum – wären da nicht große, vor den Schaufenstern angebrachte Fassaden, die ankündigen „Hier entsteht für Sie ein neuer Shop“ und „Freuen Sie sich auf neue Geschäfte“. Wie viele Flächen leer stehen, will der Centermanager Thomas Sänger von der Firma Multi Germany nicht sagen. Generell äußert er sich überhaupt nicht zur Situation des Einkaufszentrums: „Kein Kommentar“, sagt er.

Eine Kundenbefragung soll das Stern-Center besser machen

Dass es um das Stern-Center alles andere als gut steht, scheint den Verantwortlichen aber durchaus bewusst zu sein. So steht am Dienstagvormittag eine junge Frau an einem Stehtisch, der – in ein rotes Tuch gehüllt – wirkt, als habe er am Vortag noch bei einer Filmpremiere gestanden. In ihren Händen hält sie ein Tablet und sagt: „Wir hätten hier eine kurze Kundenbefragung, um das Stern-Center wieder besser zu machen“.

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Der HNO-Arzt Alexander Baisch, der für die FDP im Gemeinderat in Sindelfingen und im Kreistag in Böblingen sitzt, hat eine Idee, wie das funktionieren könnte: „Mir schwebt als langfristiges Ziel eine Komplettlösung vor, die das Stern-Center vom Gebäude her erhält, aber vielleicht doch eine andere Nutzung vorsieht“, sagt der 44-Jährige. In der offenen Fragestunde der jüngsten Gemeinderatssitzung wollte er deshalb wissen, wie es mit dem Stern-Center weitergeht, auch in Anbetracht dessen, dass die alte Volksbank, die sich in unmittelbarer Nähe des Einkaufszentrums befindet, abgerissen und auch die alte Post bald vakant wird.

Multi Germany hat das Management vor wenigen Monaten übernommen

Denn: „Dann hat man eine große Fläche“, sagt der FDP-Politiker, der sich vorstellen könne, dass das ganze Areal als Campus geplant oder mit einer Hochschule für die Stadt verbunden werde. Er betont zwar, dass das „nur so eine Idee im Kopf“ sei, dass da „nichts zu Papier gebracht ist“, sagt aber auch, dass er eine solche Lösung superattraktiv fände, weil so auch junge Leute angesprochen würden und der Bus- und der S-Bahnhof integriert werden könnten.

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In welche Richtung sich das Stern-Center entwickeln wird, will der Multi-Sprecher Daniel Frischkopf vorerst nicht sagen. „Wir gehen alle Szenarien durch. Solange wir keine finale Entscheidung getroffen haben, gehen wir damit aber nicht an die Öffentlichkeit.“ Er merkt an, dass Multi Germany die Managementaufgabe frisch übernommen habe und sich noch in der Einarbeitungsphase befinde – immer in enger Abstimmung mit dem Eigentümer. Seit Oktober vergangenen Jahres gehört das Einkaufszentrum dem Unternehmen Corestate, zum 1. Juli hat die Firma Multi Germany das Management übernommen.

Womöglich werden Flächen zusammengelegt

Auch Sascha Dorday, der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung von Sindelfingen, betont, dass das Management zunächst die Möglichkeiten prüfen und sich intern auf eine Strategie einigen müsse, bevor man sagen könne, in welche Richtung sich das Einkaufszentrum entwickle.

Wie viele der mehr als 60 Läden im Stern-Center leer stehen, will auch Frischkopf nicht sagen. Das sei auch immer relativ, weil es Mietszenarien gebe, bei denen Flächen womöglich zusammengelegt werden müssten. Baisch glaubt indes nicht, dass es besonders vielversprechend ist, einfach andere Geschäfte in das Stern-Center zu holen.

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