Schon wieder ein Laden weniger in der Sindelfinger Innenstadt: das Bettengeschäft Körner gibt auf. Foto: factum

Gemeinsam wollen die Stadtverwaltung, Einzelhändler und Bürger Ideen entwickeln, um die City zu beleben. Am Donnerstag war das erste Treffen. Die ersten Aktionen sind bereits für dieses Jahr geplant.

Sindelfingen - Das Jammern über die sterbende Sindelfinger Innenstadt hat Tradition. Die Unkenrufe scheinen sich zu bestätigen. Immer mehr alteingesessene Geschäfte geben auf, zuletzt vor wenigen Wochen Betten-Körner in der Wurmbergstraße. Die Einzelhändler der City und viele Bürger haben längst ausgemacht, wer schuld ist an diesem Prozess: Die Sindelfinger Stadtverwaltung tue zu wenig für die Innenstadt, lautet der Vorwurf. Die Verwaltung wiederum kritisiert, viele Händler engagierten sich zu wenig.

Sindelfingen steht mit dem Problem, dass die Innenstadt für Einkaufsbummler nicht attraktiv genug ist, nicht allein da. Doch es kann auch ganz anders laufen. Wie, das haben sich Vertreter der Stadtverwaltung, der Wirtschaftsförderung und des Gemeinderats vor einigen Wochen bei einer Städtetour angeschaut. In Biberach, Ravensburg und Nagold sind sie gewesen. Alles Städte, die vor vielen Jahren eine Strategie für die Innenstadt entworfen haben, die heute funktioniert. In allen dieser Innenstädte brummt es, Gastronomie und Einzelhandel sind gut aufgestellt.

Innenstadtbelebung als Gemeinschaftsaktion

Was den Besuchern besonders auffiel: Alle Akteure – die städtischen und die privaten – arbeiten eng zusammen. Und das scheint ein Schlüssel für den Erfolg zu sein – und soll nun auch in Sindelfingen ausprobiert werden. Ein Runder Tisch mit Vertretern der Stadtverwaltung, der Wirtschaftsförderung, der Einzelhändler, der Gastronomen und der Altstadtbewohner sowie anderer interessierter Bürger soll gemeinsam an einem Plan für die Innenstadt arbeiten. Am vergangenen Donnerstag traf sich das Gremium zum ersten Mal.

Angela Nisch, die zehn Jahre lang als City-Managerin zum Erfolg der Innenstadt beigetragen hat und heute als selbstständige Beraterin für Kommunen tätig ist, hat die Moderation übernommen. Sie zeigte Beispiele erfolgreicher Stadtentwicklungen und gelungener Aktionen zur Innenstadtbelebung, die auch Sindelfingen kurzfristig umsetzen könnte. „Haben Sie Mut zum Experimentieren. Probieren Sie einfach mal etwas aus“, warb sie.

Auch die rund 40 Teilnehmer des Runden Tischs nannten Ideen. Die Autos müssten aus der Innenstadt verschwinden, die Fußgängerzone müsse ausgeweitet werden, meinte Jimi Riegg von der Initiative Wir sind alle eine Stadt. Neue Mobilitätskonzepte seien nötig. Er schlug vor, kleine Elektro-Busse durch die Altstadt fahren zu lassen, die einen kostenlosen Shuttle-Service bieten.

Sascha Dorday, der Wirtschaftsförderer der Stadt, präsentierte gleich ein Paket von Ideen, das er gerne in Sindelfingen testen würde. Dazu gehört zum Beispiel die temporäre Sperrung des Wettbachplatzes für Autos und zusätzliche Attraktionen für den Wochenmarkt, etwa ein Abendmarkt am Samstag.

Wettbachplatz soll an Sommerwochenenden autofrei werden

Doch auch harsche Kritik gab es von einigen Teilnehmern, die Versäumnisse in der Vergangenheit beklagten. So habe die Stadt Ideen der Einzelhändler nicht aufgegriffen. Angela Nisch und die Baubürgermeisterin Corinna Clemens baten darum, nicht die Fehler der Vergangenheit aufzulisten, „sondern in die Zukunft zu blicken“. „Wir können das schaffen“, unterstützte Robert Klotz, der Inhaber eines Sportgeschäfts und Stadtrat der Freien Wähler dieses Anliegen. Er warb für eine Doppelstrategie: „Wir müssen ein Gesamtkonzept entwickeln, das wir umsetzen, sobald die Tiefgarage saniert und das Volksbank-Areal bebaut ist. Parallel dazu sollten wir aber kleinere Maßnahmen zur Belebung der Stadt anstoßen.“

Das ist auch die Strategie der Verwaltung. Im Herbst ist eine Klausurtagung des Gemeinderats geplant, der ein Konzept für die Innenstadt entwerfen soll. Parallel dazu wird der Runde Tisch weiter tagen – das nächste Mal im Sommer. Dann sollen Aktionen für erste kurzfristige Belebungsmaßnahmen beschlossen werden.

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