Das Gebäude in der Gartenstraße ist von Bauzäunen umgeben. Am Freitag beginnt die Stadt mit dem Abriss. Foto: factum/Jürgen Bach

Seit vier Jahren steht die Immobilie leer, 2023 soll auch das benachbarte Postgebäude weichen. Der Stadt schwebt auf den frei werdenden Flächen der Bau eines Quartiers vor, das die Innenstadt bereichern soll – doch das wird dauern.

Sindelfingen - Am Haupteingang der alten Sindelfinger Volksbank hängt noch immer ein Plakat, das das Warmbronner Open-Air-Festival RockXplosion ankündigt. „26. bis 28. Juli 2019“ steht darauf, und „Eintritt frei“. Die Veranstaltung ist längst vorbei; die Zeiten, in denen in dem großen braunen Gebäude noch Geld über den Schalter gegangen ist, auch. Schon als das Werbeplakat an der Fensterscheibe angebracht wurde, hat sich die Schiebetüre längst nicht mehr für Bankkunden geöffnet. Seit die Volksbank vor vier Jahren ins Feger-Areal umgezogen ist, steht das Gebäude in der Gartenstraße leer, seit etwa einem Monat ist das Bank­areal mit Bauzäunen umstellt. Am Freitag beginnt die Stadt, der der Komplex seit dem Umzug der Volksbank gehört, mit dessen Abriss.

In vier Jahren soll auch das benachbarte Postgebäude weichen. Auf der frei werdenden Fläche soll dann „ein attraktives Quartier“ entstehen, „eine architektonisch hochwertige Neubebauung mit attraktiver­ Nutzung“, heißt es seitens der Stadtverwaltung. Was das im Detail bedeutet, bleibt offen. „Die konkrete Nutzung des Quartiers steht zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht fest“, sagt Nadine Izquierdo­, die Pressesprecherin der Stadt Sindelfingen. Klar sei aber, dass das „Post-Voba-Areal“, das zwischen Bahnhof, Busbahnhof und Stern-Center sowie Marktplatz, Wettbachplatz und Altstadt liegt, städtebaulich wichtig sei – und dass es für Besucher, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt kommen, den Hauptzugang zur Fußgängerzone markiere. Deshalb lege man das Augenmerk auf eine attraktive­ Architektur und einen für die Innenstadt passenden Nutzungsmix.

In Sindelfingen gilt derzeit eine Ausgabesperre

Auch wie viel der Bau des neuen Quartiers kosten wird, kann Izquierdo noch nicht sagen. Das hänge von der späteren Nutzung und Gestaltung ab. Die finanzielle Lage der Stadt Sindelfingen sieht derzeit alles andere als rosig aus: Die Gewerbesteuereinnahmen sind abgestürzt, es gilt eine Ausgabesperre, die der Gemeinderat schon im Juni beschlossen hat. Ob der Steuereinbruch das Projekt gefährden wird? „Der Rückbau findet zunächst wie geplant statt. Ob es aufgrund der Steuer­situation zu zeitlichen oder inhaltlichen Anpassungen im Projekt kommt, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeschätzt werden“, sagt Izquierdo.

Was allerdings bereits jetzt feststeht, ist, dass es keine bauliche Verbindung des zukünftigen Gebäudes mit dem Stern-Center geben wird, das einem privaten Investor­ gehört. Klar ist auch, dass es noch einige Jahren dauern wird, bis die Stadt mit dem Bau des neuen Quartiers in der Sindelfinger Innenstadt beginnen wird. Schließlich müsse erst das Postgebäude abgerissen werden, das voraussichtlich bis 2023 genutzt werde, erläutert Izquierdo­. „Auch für den Fall, dass die Volksbank-Fläche in einem ersten Bau­abschnitt früher entwickelt werden kann, vergehen bis zur Bebauung einige Jahre.“

Ein grüner Platz als Zwischenlösung

Zwischenzeitlich solle deshalb ein grüner Platz anstelle der alten Volksbank entstehen, der die Innenstadt bereichere und flexibel genutzt werden könne. Anwohner und angrenzende Gastronomiebetriebe müssten sich bis zum kommenden Frühling auf Beeinträchtigungen durch Staub und Lärm einstellen, heißt es seitens der Stadt. Um die Außengastronomie und Veranstaltungen in der Innenstadt nicht zu beeinträchtigen, würden die Arbeiten aber vor allem über die Wintermonate durchgeführt. Der Beton, der beim Abriss anfalle, werde auf das Flugfeld transportiert, zerkleinert und zum Füllen der neuen Baugrube verwendet.

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