Vor der Wahl 2017: Carles Puigdemont (rechts ) und Jordi Sanchez, zwei führende Köpfe der Separatistenbewegung werben um die Gunst der Wähler. Foto: dpa/Celestino Arce Lavin

Die Jungen Europäer im Kreis Böblingen wollen mit dem katalanischen Separatistenführer über die Unabhängigkeitserklärung diskutieren. Eingeladen haben sie dazu auch katalanische und spanische Vereine.

Sindelfingen - Sie sind überzeugte Europäer – und laden dennoch den katalanischen Separatistenführer Carles Puigdemont ein. Am Dienstag, 24. September, wird der ehemalige Präsident der katalanischen Autonomieregierung im Bürgerhaus Maichingen live über das spektakuläre Unabhängigkeitsreferendum und die darauf folgenden Turbulenzen in Spanien und Katalonien berichten.

Organisiert wird die Veranstaltung vom Böblinger Kreisverband der Jungen Europäern (JEF), der Jugendorganisation der Europa-Union oder auch Union Europäischer Föderalisten. In dieser haben sich Menschen verschiedener Parteien und Parteilose aus mehr als 30 europäischen Ländern zusammengeschlossen. Ziel ist die Schaffung eines europäischen demokratischen Bundesstaates, der die Interessen aller Bürger Europas vertritt.

Nur 70 Mitglieder im Kreis Böblingen

70 Mitglieder hat die Europa-Union im Kreis Böblingen, darunter sind zum Beispiel als Privatmann der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer, die Fraktionschefin der Grünen im Gemeinderat, Sabine Kober oder die Gemeinde Jettingen. 20 der 70 Mitglieder – alle unter 35 Jahren alt – gehören zur Jugendorganisation. Doch diese wenigen jungen Leute sind äußerst aktiv. Immer wieder machen sie mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam. Jetzt mit der Einladung an Puigdemont. Organisiert wird das Ganze von zwei jungen Männern: Max Reinhardt, 19 Jahre jung und ganz neu für die FDP im Sindelfinger Gemeinderat, und Samet Mutlu, 21 Jahre alt, früherer Chef des Sindelfinger Jugendgemeinderats, der ganz knapp für die SPD den Einzug in den Gemeinderat verpasst hat.

Warum holen sie ausgerechnet Puigdemont zur Diskussion nach Sindelfingen? Sind Sie Anhänger der katalanischen Unabhängigkleistbewegung? „Wir wollen hier keine Veranstaltung für oder gegen die Unabhängigkeit Kataloniens machen“, stellt Max Reinhardt klar. „Ehrlich gesagt habe ich selbst noch keine abschließende Meinung zu diesem Thema.“ Aber es sei wichtig, gerade angesichts der vielen nationalistischen Strömungen in Europa, Stichwort Brexit, einmal darüber zu reden. „Katalonien war vor zwei Jahren über das Fernsehen wochenlang in allen deutschen Wohnzimmern. Alle haben darüber geredet. Aber wir haben noch nie so richtig versucht, uns alle Seiten anzuhören.“ Das soll nun am 24. September geschehen. Und die Jungen Europäer hoffen auf eine möglichst lebhafte und kontroverse Diskussion. Eingeladen haben sie deshalb nicht nur viele katalanische Vereine und Verbände, sondern auch spanische. Im Anschluss an den Talk mit Puigdemont, den die Tübinger JEF-Aktivistin Irene Schuster moderieren wird, soll es eine Frage- und Diskussionsrunde mit den Zuhörern geben.

Nationalismus oder europäische Idee ?

Wie viel Nationalismus verträgt Europa? Und kann man gleichzeitig nationalistisch und europäisch sein? Auch um diese Fragen soll es gehen. „Puigdemont sagt von sich: ‚Ich bin Katalane, kein Spanier, aber Europäer“, sagt Samet Mutlu. Auch deshalb passe er ins Profil der Europa-Union. Außerdem wurde Puigdemont als spanischer Abgeordneter ins EU-Parlament gewählt, kann sein Amt aber nicht antreten. Denn dafür müsste er zunächst nach Madrid reisen, wo ihm die sofortige Verhaftung droht.

Schwer beeindruckt sind die Mitglieder der Europa-Union vom Engagement ihrer Jungen. „Wir sind aus allen Wolken gefallen, als wir das mit Puigdemont gehört haben“, sagt Sabine Kober, die Chefin der Europa-Union im Kreis, die auch die Veranstaltung finanziert. „Das ist nicht viel. Es fällt nur das Hotel und die Saalmiete an“, sagt Kober. Mit 150 bis 200 Besuchern rechnen die jungen Organisatoren, hoffen aber auf mehr Teilnehmer, im Saal ist Platz für 500 Menschen. Eingeladen wurden auch die Sindelfinger Stadträte – und der spanische Botschafter. Ob der kommt, das aber ist fraglich.

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