Das Einbahnstraßenschild steht nicht eindeutig in der Langen Straße. Die Folge: Viele fahren die Straße hoch. Zudem sind vor allem abends beide Seiten zugeparkt. Im Brandfall kommt die Feuerwehr nicht durch. Foto: factum/Weise

Für die Altstadt fordert eine neugegründete Bürgerinitiative weniger Verkehr. Sie fürchtet um die Sicherheit von Kindern und Senioren.

Sindelfingen - Im 15-Minuten-Takt donnern die Busse der Linie 701 um die Ecke der engen Grabenstraße in die genauso enge Adelbortenstraße. Nur mit Mühe kommt der Bus an den rechts und links geparkten Autos vorbei. Dicht dahinter folgt der Lastwagen eines Automobilbauers. Auch dieser fährt in schnellem Tempo an Fußgängern und parkenden Fahrzeugen vorbei. „Mindestens zweimal die Woche gibt es vor unserem Haus ein Hupkonzert, weil der Bus stecken bleibt“, erzählt Ulrike Rapp. Sie wohnt in der Grabenstraße. „Man kann auch im Sommer die Fenster nicht auflassen, der Verkehrslärm ist extrem.“

Gefährlich für Kinder und Senioren

Noch mehr aber sorgen sich die Anwohner der Sindelfinger Innenstadt um die Sicherheit­. Vor allem die der Kinder und der älteren Menschen. „Ich lasse meine Töchter nicht mehr mit dem Rad und Roller durch die Grabenstraße fahren. Das ist lebensgefährlich“, sagt Catherine Klotz. Dabei verlaufen genau auf dieser Route ein Schulweg sowie der Weg zu zwei Kindertagesstätten. Auch Catherine Klotz selbst hat Probleme, wenn sie mit ihrem Jüngsten im Kinderwagen unterwegs ist. „Hier ist für Fußgänger kein Durchkommen.“

Nun reicht es vielen Bewohnern der Innenstadt. Sie haben sich zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen, um auf die Verkehrsprobleme in der Altstadt aufmerksam zu machen. Vier neuralgische Punkte nennen sie: den Wettbachplatz, die Graben- und Adelbortenstraße, die Hintere Gasse, für die als Spielstraße eigentlich Schrittgeschwindigkeit gilt, sowie die Lange Straße. So werde letztere beispielsweise häufig entgegengesetzt der Einbahnstraße befahren. Außerdem sei sie abends beidseitig zugeparkt. „Da kommt die Feuerwehr im Brandfall nicht durch. Das hatten wir erst vor ein paar Jahren so“, klagt Catherine Klotz.

Busse sollen raus aus der Altstadt

Hertha Aberle, selbst auf den Gehstock angewiesen, beobachtet, dass es vor allem für ältere Menschen mit Rollator sehr schwierig ist, sich durch die engen Altstadtgassen zu bewegen. „Da rasen die Autos viel zu schnell an uns vorbei, und man muss aufpassen, dass man noch schnell zur Seite springt.“

Immer wieder haben Ulrike Rapp und Catherine Klotz’ Ehemann Robert Klotz im Sindelfinger Gemeinderat auf die Probleme aufmerksam gemacht. Rapp ist Stadt­rätin der SPD, Klotz sitzt für die Freien Wähler im Gremium. „Doch passiert ist bisher nichts“, stellt Robert Klotz bitter fest. Deshalb habe man nun – angeregt durch die vielen Beschwerden der Nachbarn – eine Initiative zur Verkehrsreduktion in der Innenstadt­ gegründet. Und diese stellt mehrere Forderungen.

So soll die Buslinie 701 aus der Altstadt verlegt werden. Auch jetzt schon fahren zum Beispiel beim Internationalen Straßenfest die Busse über die Bachstraße und den Calwer Knoten. „Dies sollte dauerhaft so sein“, sagt Rapp. Außerdem müsse in der Innenstadt, insbesondere der Graben- und Adelbortenstraße, die Durchfahrt mit Pollern und Blumenkübeln unattraktiv gemacht werden. „Und die Stadt muss gezielt kontrollieren, Radaranlagen aufstellen und so die Zahl der Raser und Falschfahrer ermitteln“, fordert Rapp.

Außerdem wünschen sich die Innenstadtbewohner, dass zumindest an den Wochenenden­ der Wettbachplatz für Autos gesperrt wird. Momentan gibt es auf Anregung der Wirte eine vierwöchige Testphase der Stadt. „Jetzt geht es an den Wochenenden sehr entspannt zu“, berichtet Robert Klotz, der dort wohnt. „Da ist ein ganz anderes Flair. Und die Kinder können auf der Straße spielen.“ Dies wünsche man sich ganzjährig. Ihre Forderungen haben die Bürger direkt an den Oberbürgermeister Bernd Vöhringer geschickt. Der weilt zurzeit aber im Urlaub.

„Wir nehmen die Beschwerden der Bürger ernst und werden uns darum kümmern“, heißt es von der Stadtverwaltung. Eine Gelegenheit zum direkten Kontakt zu den Betroffenen hat der OB am 15. September. Dann laden die Anwohner zur kreativen Aktion: Sie malen Schilder für den Schutz der Altstadt und deren Bewohner.

Aktion am 15. September geplant

Kontakt
Die Bürgerinitiative hat Catherine Klotz und Ulrike Rapp zu den Sprecherinnen gewählt. Anwohner, die sich anschließen möchten oder Fragen und Anregungen haben, können sich per Mail (bi.verkehr.sindelfingen@gmx.de) melden. Ausführliche Informationen zu den Zielen der Initiative und geplanten Aktionen gibt es auch auf der neu eingerichteten Facebook-Seite (Bürgerinitiative-Verkehrsreduktion-Sindelfinger-Innenstadt). Dort werden künftig alle Termine veröffentlicht.

Aktion
Die erste Aktion ist gleich nach den Sommerferien geplant. Am Samstag, 15. September, werden die Bewohner gemeinsam kreativ aktiv. Geplant ist das Malen von Schildern, die auf die Querung viel befahrener Straßen von Kindern und die Spielstraßenverordnung hinweisen sollen. Jeder, der möchte, kann mitmachen. Der genaue Termin wird noch über Facebook bekannt gegeben.

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