Der Countdown zu Silvester läuft, in Ehningen kann man sich bereits jetzt sein Feuerwerk vorbestellen. Was unterscheidet die Firma Innovative Pyrotechnik vom Discounter?
Was wäre Silvester ohne böllern? Für viele Menschen eine undenkbare Vorstellung, gehört für sie ein Feuerwerk zum Jahreswechsel doch wie der Christbaum zu Weihnachten. Die meisten von ihnen werden sich vom 29. Dezember an wieder beim Discounter mit Raketen und Krachern eindecken, um dann am 31. pünktlich um 24 Uhr das Jahr 2026 zu begrüßen. Eine Alternative zum Kauf im Supermarkt bietet die Firma Innovative Pyrotechnik an. Keine China-Massenware, fachliche individuelle Beratung – das ist das Versprechen des Ehninger Unternehmens an die Kundinnen und Kunden.
Vor drei Jahren als Pop-up-Initiative gestartet, hat sich das Angebot inzwischen herumgesprochen, das Konzept kommt offenbar an. Reger Betrieb herrscht am Samstagvormittag im Flagship Store vis-à-vis dem Wertstoffhof. An den Wänden sind Regale mit Feuerwerksbatterien angebracht. Über den Batterien sind jeweils Bildschirme montiert, auf denen Filme laufen. So bekommen die Kunden eine Vorstellung davon, welches Feuerwerk sie am Ende bekommen. Mehr als 50 Video-Screens sind in dem Laden verteilt. Männer, Frauen und Kinder lassen die Display-Vorschauen auf sich wirken.
Klangvolle Namen tragen die Produkte. „Mein persönlicher Favorit ist diese Batterie hier“, sagt Marcel Berner. Der Sohn von Firmenchef Joachim Berner deutet auf „Gold Crown to White Strobe“. Die Batterie ist mit 45,99 Euro ausgezeichnet. Wer sich zum Kauf entschließt, nimmt sich ein Kärtchen, bezahlt und kann dann vom 29. Dezember an seine Ware abholen. Denn frühestens drei Tage vor Silvester ist der Böller-Kauf gestattet. So schreibt es das Gesetz vor.
In der Regel bieten die Feuerwerksbatterien zwischen 25 bis 45 Sekunden optisches und akustisches Vergnügen. Die Bandbreite an Pyrotechnik ist groß. Die Bezeichnung Kanonenschlag spricht für sich. Wer es hingegen leise mag, findet vielleicht Gefallen an einem Vulkan. Auch im Raketenbereich herrscht Vielfalt. Sogenannte Schüttraketen etwa wirken „andächtig“, erklärt der Mitarbeiter Peter Maute in der Beratung. Am Gipfelpunkt wirft dieser Typ sehr leise aus, was einen fallenden Effekt zufolge hat, ähnlich wie bei einem Wasserfall. Ein Vater hört interessiert zu und wirft einen fragenden Blick auf seine Tochter, der es allerdings nicht nach Andacht zumute ist. „Es muss knallen“, sagt der Teenager und entsprechend fällt dann die Wahl auch aus.
„Wir wollen das Feuerwerk weg von der Masse holen und stattdessen Klasse bieten“, beschreibt Marcel Berner die Firmenphilosophie. Dabei setzen die Ehninger auf inländische Produktion. Die Ware stammt von einem Hersteller aus Cleebronn im Landkreis Heilbronn.
Hauptsächlich kommen die Leute aus einem Umkreis von rund 30 Kilometern nach Ehningen, berichtet Marcel Berner. Aus Stuttgart hergefahren ist Philipp Täuber, der früher aber in Gärtringen gewohnt hat. Wie alle hier, hat auch er mit seiner Begleitung die Displays studiert. Die Entscheidung fiel schließlich auf die Feuerwerksbatterie „WAHNsinn“. Das Kärtchen hat er in der Hand, 58,99 Euro kostet der Spaß. Nun hat er noch knapp 40 Euro übrig, um sich weiteres Feuerwerk zu kaufen. „Wir haben uns ein Budget von 100 Euro gesetzt, das reicht jetzt noch für was Kleineres“, sagt Philipp Täuber.
Als einen Wahnsinn empfindet indessen eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger das private Pulvern zu Silvester. Jedenfalls ist das das Ergebnis einer aktuellen Forsa-Umfrage, wonach 60 Prozent der Befragten keine Böller und Raketen zum Jahreswechsel wollen. Für ein Böllerverbot zum Schutz von Umwelt und Menschen macht sich beispielsweise nicht nur die Deutsche Umwelthilfe, sondern auch Tierschutzorganisationen stark. Eine klare Meinung hat da Sarah Samira Rüster. Wenn es nach der Leiterin des Tierschutzheims Böblingen gehen würde, dann gäbe es ein solches Verbot bereits. Sie kann ein Lied davon singen, wie Tiere leiden, wenn aus heiterem Himmel für sie plötzlich die Hölle losbricht. Zwar seien etwa Hunde individuell durchaus unterschiedlich sensibel. Ihre eigene Hündin aber reagiere jedes Mal wieder „panisch“ auf das Feuerwerk.
Die Tierschützerin empfiehlt, Rollläden herunterzulassen und den Fernseher lauter zu stellen, um die Geräusche von außen ein stückweit abzudämpfen. Die rechtzeitige Anwendung von Notfalltröpfchen aus Bachblüten sei auch eine Möglichkeit – die für Wildtiere freilich ausscheidet. „Für die Vögel draußen ist es eine absolute Vollkatastrophe“, sagt Sarah Samira Rüster.
Weg von der privaten Böllerei will in diesem Jahr die Stadt Holzgerlingen. Nicht per Verordnung, sondern mit einem Appell und einem damit verbundenen Angebot an alle Bürgerinnen und Bürger. Die Kommune organisiert ein zentrales, professionelles Silvesterfeuerwerk auf dem Rathausplatz. Ziel ist es, Lärm, Müll und Umweltbelastungen zu reduzieren und die Verletzungsgefahr durch Silvester-Böllerei zu verringern. Dafür hat die Stadt eben Joachim Berner aus Ehningen engagiert. Der international renommierte Pyrotechniker wird seine Show pünktlich um Mitternacht beginnen.
Ein großes Feuerwerk für alle
Idee
Die Stadt Holzgerlingen will das Zünden von Raketen und Böllern in Hausgärten und auf Gehwegen begrenzen. Der Gemeinderat hat sich daher einstimmig für ein zentrales Profi-Feuerwerk entschieden.
Ablauf
Das Neujahrswunschsingen des CVJM ist um 21 Uhr auf dem Rathausplatz. Von 23 Uhr an wird auf dem Rathausplatz Sekt und Orangensaft ausgeschenkt. Um 24 Uhr fällt der Startschuss zum Feuerwerk, um 1 Uhr soll das Aufräumen beginnen.