Acht Monate nach seinem Kreuzbandriss könnte der VfB-Stürmer Silas Katompa Mvumpa im Spiel bei Borussia Dortmund sein Comeback feiern – und damit sein erstes Spiel unter richtigem Namen bestreiten. Der 23-Jährige wird sehnlich zurückerwartet.
Stuttgart - Wie es wohl weitergegangen wäre mit dem jungen Emporkömmling aus dem Kongo, hätte er sich am Nachmittag des 20. März 2021 in der Münchner Fußballarena im Laufduell mit David Alaba nicht das Knie verdreht und einen Kreuzbandriss zugezogen? Würde er jetzt wie sein damaliger Gegenspieler vom FC Bayern ebenfalls bei Real Madrid oder einem anderen internationalen Großclub spielen? Oder wäre er auch dann beim VfB Stuttgart geblieben und hätte unter dem Namen Silas Wamangituka weiterhin die Bundesliga aufgemischt und dafür gesorgt, dass der Aufschwung seines Clubs anhält? Man weiß es nicht.
Genau acht Monate liegt sie nun zurück, diese schmerzhafte, womöglich aber auch heilvolle Zäsur in der Profikarriere des Stürmers, von dem man inzwischen weiß, dass er jahrelang unter falscher Identität gespielt hatte – und der nun vor seinem ersten Bundesliga-Spiel unter seinem richtigen Namen steht: In der Partie bei Borussia Dortmund könnte Silas Katompa Mvumpa (23) an diesem Samstag (15.30 Uhr) zu einem ersten Kurzeinsatz seit seinem Kreuzbandriss kommen. Selten ist ein Fußballprofi während einer monatelangen Verletzungspause so präsent gewesen wie der VfB-Stürmer, der bis zu seinem Ausfall der neue Überflieger der Bundesliga gewesen war. Mit unbändiger Kraft hatte er seine Gegenspieler in Grund und Boden gerannt und in 27 Pflichtspielen 13 Tore geschossen – zwei davon beim epochalen 5:1-Sieg in Dortmund, dem Ort, an dem er jetzt sein Comeback feiern könnte. Dann folgte das fatale Laufduell mit David Alaba, das zwar einerseits seine Zukunftspläne vorerst durchkreuzte – andererseits aber auch die Gelegenheit bot, mit der dunklen Vergangenheit aufzuräumen.
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Dass er von seinen Beratern nach seiner Ankunft in Europa dazu genötigt worden sei, unter falschem Namen und falschem Geburtsdatum zu spielen, dass ihm seine Papiere abgenommen worden seien, dass er in völliger Abhängigkeit gelebt habe – all das gestand der Stürmer den VfB-Verantwortlichen. Mit bislang beispielloser Transparenz machte der Club Anfang Juni den Fall öffentlich, der einen erschütternden Blick in die Abgründe des Profifußballs erlaubte.
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Eine gewaltige Welle der Solidarität schlug Silas entgegen – fast Heldenstatus erlangte der Mann, der beim VfB schon vorher Publikumsliebling gewesen war. „Silas ist jetzt für alle Zeiten ein Cannstatter Junge“, sagte Sportdirektor Sven Mislintat – und konnte es leicht verschmerzen, dass der verletzte Stürmer vom Sportgericht des DFB mit einer dreimonatigen Sperre sowie einer Geldstrafe in Höhe von 30 000 Euro wegen „unsportlichen Verhaltens“ belegt wurde.
Zwar beschäftigt der Fall Silas Katompa Mvumpa noch immer zahlreiche Juristen: Bereits im Juni hat die Stuttgarter Ausländerbehörde die Prüfung der Echtheit der vorliegenden Urkunden und Dokumente eingeleitet, was erfahrungsgemäß mehrere Monate dauert; die Staatsanwaltschaft ist weiter dabei zu prüfen, ob ein Verfahren wegen möglicher Dokumentenfälschung eingeleitet wird. Das vorerst Wichtigste aber ist: Silas’ Arbeitserlaubnis wird von den Ermittlungen nicht tangiert und besitzt auch weiterhin Gültigkeit, was bedeutet: Einer Rückkehr aufs Spielfeld steht nichts im Wege, denn auch die Spielerlaubnis der Deutschen Fußball-Liga (DFL) liegt dem VfB vor.
Ohne Silas fehlten Tempo und Torgefahr
Sehnlich wird Silas zurückerwartet, denn auch mit seinem Fehlen hängt es zusammen, dass der VfB nach dem sorgenfreien Vorjahr nach elf Spieltagen dieser Saison als Tabellenfünfzehnter im Abstiegskampf angekommen ist. Tempo, Torgefahr, Überraschungsmomente – all das, was Silas im Idealfall verkörpert, fehlt den Stuttgartern, die von den vergangenen elf Pflichtspielen nur eines gewinnen konnten (3:1 gegen die TSG Hoffenheim).
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Eines hat Silas schon jetzt zurückgebracht: die gute Laune im Training – das jedenfalls berichtete Pellegrino Matarazzo schon vor der Länderspielpause: „Er lacht, er macht, er tut – er bringt einfach Freude rein. Ich bin froh, dass er wieder dabei ist“, sagte der VfB-Trainer. Viel spricht daher dafür, dass der Stürmer in Dortmund zumindest im Kader steht, auch wenn Sportdirektor Sven Mislintat zur Vorsicht mahnt: „Wir werden kein unnötiges Risiko eingehen.“ Schritt für Schritt solle der Stürmer an sein altes Leistungsvermögen herangeführt werden, um in den nächsten Wochen und Monaten dafür sorgen zu können, den VfB wieder ins gesicherte Mittelfeld zu führen.
Die Welt würde also nicht untergehen, sollte sich das Comeback doch noch einmal verschieben – nicht für den VfB und schon gar nicht für Silas Katompa Mvumpa. Der vermutlich härteste Teil seiner Karriere liegt hinter ihm – wer sollte ihn jetzt noch aufhalten können?