Der Fall von Silas Katompa Mvumpa vom VfB Stuttgart wirft ein schlechtes Licht auf Teile der Profifußball-Branche. Die Transparenz des Clubs kann zu Veränderungen führen, die Hoffnung darauf ist aber vage, kommentiert unser Autor Dirk Preiß.
Stuttgart - Keine Frage: Die Geschichte, die der VfB Stuttgart am Dienstag öffentlich gemacht hat, geht unter die Haut. Ein junger Mann aus Afrika, der seinen Traum vom Profifußballer in Europa zu leben hofft, der talentiert ist, dann aber den falschen Menschen vertraut. Der, so sagen es die Clubverantwortlichen, in Abhängigkeit zu seinem Berater gerät, zum Wechsel von Namen und Geburtsdatum gedrängt wird und fortan in Angst und mit dieser Lüge lebt – bis er den Mut fasst, alles aufzuklären. Man kann sich kaum vorstellen, was all das für den Mann, der bislang unter dem Namen Silas Wamangituka bekannt war, bedeutete. Was man sich kaum vorstellen will: Welche Machenschaften dieser Fall dokumentiert.
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Der Profifußball, das wurde in den vergangenen Jahren an vielen Stellen deutlich, vereint bei aller Faszination, die von ihm ausgeht, zahlreiche Problemfelder auf sich. Weil Unsummen im Spiel sind, von denen jeder etwas abhaben will. Und weil das Gefühl von Erfolg und Macht so verlockend ist. Die Mittel, die zur individuellen Gewinnmaximierung eingesetzt werden, sind mal legal, mal kriminell, oft auch irgendwo in einer Grauzone dazwischen.
Sensibler, aber transparenter Umgang
Dass der globale Transfermarkt kein Hort der Menschlichkeit war und ist, das ist keine Neuigkeit. Das Ausmaß, das der Fall Silas Katompa Mvumpa (so heißt Silas Wamangituka in Wirklichkeit) dokumentiert, ist dennoch erschreckend – und schließt die Frage an, warum die Branche solche Machenschaften duldet. Die vermeintliche und einfache Antwort: Weil es immer irgendjemanden (Berater, Manager, Vereine, Verbände) gibt, der auch die schmutzigen Spielchen mitspielt – in der Hoffnung auf den nächsten genialen Coup. Und auf den nächsten exorbitant großen Profit.
Die Moral wird zu oft zu schnell über Bord geworfen, das Interesse an nachhaltigen Veränderungen klein gehalten. Auf global verbindliche Regelungen zu Gehalts- oder Transfersummenobergrenzen zum Beispiel, konnten sich die großen Player bis heute nicht einigen.
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Der VfB Stuttgart tut derweil gut daran, diesen Fall von Menschenhandel im Profisport im Lichte der Öffentlichkeit zu diskutieren. Damit zu denken zu geben, aufzurütteln und das Problem glasklar zu benennen. Dem Club gebührt für diese nach innen sensible und nach außen transparente Art der Aufarbeitung ein Lob, dem Spieler für seinen Mut zur Aufklärung.
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Im Idealfall profitieren andere junge Spieler kurz- oder langfristig von einem dringend notwendigen Wandel in der Branche. Weil diese die Kraft der Selbstreinigung aber nur selten nutzt, bleibt die Hoffnung auf eine wirkliche Veränderung der Verhältnisse eine vage.