Eine Szene aus dem Film „Nicht ohne uns“. Foto: verleih

Regisseurin Sigrid Klausmann erzählt im Orfeo über die Dreharbeiten zum Film „Nicht ohne uns“.

Schmiden - Erst gab es viel Beifall für den Film, dann für die Regisseurin. Sigrid Klausmann war am Dienstag ins Orfeo zur ausverkauften Vorführung von „Nicht ohne uns“ gekommen. Der Dokumentarfilm über Kinder aus aller Welt hat mehrere Preise gewonnen und auch das Herz des Publikums in Schmiden berührt.

„Ich bin eine Kämpferin für Kids“, sagte Sigrid Klausmann. Deshalb haben sie und ihr Team auch nicht locker gelassen, obwohl sich die Finanzierung des Projekts als schwierig und langwierig erwies. Doch 2015 seien dann 23 Porträts von Kindern zur Verfügung gestanden, aus denen in einem einjährigen Arbeitsprozess ein 90-minütiger Film zusammengeschnitten wurde, erzählte sie. Im Januar startete „Nicht ohne uns“ in den Kinos. Mittlerweile hat die Dokumentation sechs Preise gewonnen und ist auf mehr als 20 Festivals gelaufen.

Die Kinder sprechen im Film über ihre Träume

Eine der Hauptdarsteller ist Alphosine von der Elfenbeinküste, die nach dem Tod ihrer Mutter zu einer Tante kam, nicht zur Schule gehen darf und auf einer Kakaoplantage arbeiten muss. Oder Enjo, der kleine Philosoph vom schweizerischen Walensee, der viele kluge Sachen sagt und sehr interessiert am Weltgeschehen ist. Oder To, der Junge aus Laos, der Polizist werden will, um alle bösen Menschen zu fangen, die Drogen verkaufen. Die Kinder hat Sigrid Klausmann durch Recherche im Internet sowie vor Ort und durch Zeitungsartikel gefunden, und zu vielen von ihnen hat sie noch immer Kontakt. Zur Stuttgart-Premiere kam Enjo extra aus der Schweiz, sagte die Regisseurin. Auf die Frage ihres Mannes Walter Sittler – der Schauspieler hatte 2010 die Idee für den Film und hat ihn auch produziert – wie er sich auf der Leinwand fand, habe Enjo erklärt, er sei heute noch viel politischer, erzählte Sigrid Klausmann mit einem Lächeln. „Und sein Vater stand daneben und sagte: Das stimmt.“

Die Kinder sprechen im Film über ihre Träume von Geborgenheit und Ängste vor Krieg und Umweltzerstörung. „Wir Erwachsenen müssen uns schämen, für das, was wir Kindern antun“, sagte eine Zuschauerin. Wie es ihr während der Dreharbeiten gelungen sei, eine gesunde emotionale Distanz beizubehalten, wollte eine andere wissen. Empathie sei wichtig, aber sie habe einen Auftrag und sie begegne den Kindern auf Augenhöhe: „Und das schützt mich auch.“ Erstaunlich sei, dass keines der Kinder gesagt habe, dass es weg wolle, erzählte Sigrid Klausmann. „Nicht mal Alphosine, obwohl sie sich nichts sehnlicher wünscht, als in die Schule zu gehen.“

Die starken Kinder im Film machen Mut

Beeindruckt war die Regisseurin, wie „hellwach die Kinder sind“. Tatsächlich erzählt Sai aus New York, dass mitten in der Stadt ein Atomkraftwerk auf einer Verwerfung steht. „Ich wusste das nicht, aber ich habe recherchiert. Und es stimmt“, sagte Sigrid Klausmann. Oder Vincent aus der Schweiz, der große Angst vor einem Dritten Weltkrieg hat und erklärt, es wird immer wieder Krieg geben. „Denn es gibt immer einen Dummen.“ Sie habe viel gelernt, sagte die Dokumentarfilmerin, die für jedes Kind drei Drehtage zur Verfügung hatte sowie zwei Tage zur Vorbereitung und zum Kennenlernen. „Vor allem weiß ich jetzt, dass wir Kindern zu wenig zutrauen und zu viel zumuten.“ Aber die starken Kinder im Film machten anderen Kindern Mut, das habe sie in Vorstellungen in Schulen erlebt.

Sigrid Klausmann erklärte, das Alter vor der Pubertät sei das Spannendste, stimmte aber zu, als eine Frau sagte, sie fände es interessant, zu wissen, was in zehn Jahren aus den Kindern geworden ist. Ob diese Idee realisiert werden kann, weiß Sigrid Klausmann nicht, aber das Projekt mit den Kindern aus aller Welt geht weiter. „Wir wollen auch noch wissen, was sie zu den Themen Gleichberechtigung, Glaube und Wasser zu sagen haben.“

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