Die neuen Doppelstockzüge des Landes vom französischen Hersteller Alstom werden von vorne herein digital ausgerüstet. Foto:  

Land und Region begrüßen Fördergeld von 340 Millionen Euro vom Bund. Was es damit auf sich hat.

340 Millionen Euro hat der Bund bewilligt, um die Nahverkehrszüge rund um Stuttgart für das künftige digitale Signalsystem im Rahmen von Stuttgart 21 fit zu machen. Das Land erhält für die von ihm gestellten Regionalzüge 195 Millionen Euro und die S-Bahn Stuttgart, deren Aufgabenträger der Verband Region Stuttgart ist, kann mit rund 144 Millionen Euro rechnen. Dies hat das Landesverkehrsministerium mitgeteilt.

 

Vorreiter Baden-Württemberg

Baden-Württemberg ist Vorreiter bei dieser Digitalisierung. Dass es die vom Eisenbahn-Bundesamt bewilligte Sonderförderung gibt, hat auch damit zu tun, dass bei der neuen Technologie der Aufwand für ein neues Signalsystem nicht nur an der Strecke entsteht, sondern auch in den Fahrzeugen. Auch Bestandsfahrzeuge müssen deshalb umgerüstet werden.

Die Gesamtkosten für die Ausrüstung der von der Landesanstalt Schienenfahrzeuge betreuten Regionalzüge betragen insgesamt knapp 270 Millionen Euro. Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) verweist in seiner Reaktion auf den Bescheid darauf, dass das Land den verbleibenden Restbetrag von gut 70 Millionen Euro selbst in die Hand genommen habe. „Wir erwarten, dass der Bund die Digitalisierung der Schiene weiter konsequent vorantreibt“, sagt der Minister. Noch fehle ein Plan für die Umstellung in ganz Baden-Württemberg.

Alexander Lahl, Regionaldirektor des Verbands Region Stuttgart, sagt: „Der S-Bahn-Verkehr steht aktuell unter großem Druck – das spüren die Fahrgäste jeden Tag. Klar ist aber auch: Ohne einen konsequenten Schritt in Richtung Digitalisierung werden wir die notwendigen Verbesserungen nicht erreichen.“ Matthias Glaub, bei DB Regio Chef der S-Bahn Stuttgart, verweist auf eine mögliche Kapazitätssteigerung durch teilautomatisiertes Fahren.

Der Digitale Knoten Stuttgart (DKS) ist europaweit das erste Projekt, in dem ein ganzer Bahnknoten samt Zulaufstrecken großflächig digitalisiert wird. Allerdings haben nach Angaben der DB vor allem Verzögerungen bei der Inbetriebnahme dieses komplexen Vorhabens dazu geführt, dass die Inbetriebnahme von Stuttgart 21 und des neuen unterirdischen Stuttgarter Hauptbahnhofes vor einigen Wochen auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste.

Bevor das neue System in Betrieb geht, das für die notwendige Kapazität des künftigen Bahnhofes unabdingbar ist, kann dieser auch nicht teilweise eröffnet werden.

Umrüstung von Bestandsfahrzeugen bis Ende 2026

Dank der Bundesförderung wird die Umrüstung von 118 Bestandsfahrzeugen der Zug-Typen Flirt 3 und Talent 3, sowie die Ausstattung von 130 neuen Doppelstockfahrzeugen des Typs Coradia Max des Landes Baden-Württemberg mitfinanziert. Die Umrüstung soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein.

Die S-Bahn Stuttgart erhält Geld für die bereits 2021 begonnene, digitale Umrüstung ihrer 215 vorhandenen S-Bahn-Züge. Auch dieser Umbau soll bis Ende 2026 abgehakt sein. Dank der zusätzlichen Ausstattung mit konventionellen Zugbeeinflussungssysteme können die umgerüsteten Fahrzeuge auch unabhängig von der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 verwendet werden.