Seit zwölf Jahren dürfen Altkreiskennzeichen wieder ausgegeben werden – mit unterschiedlichem Erfolg. Und manche Kreise tun sich bis heute schwer damit.
Die Feuerwehr ist als erstes vorgefahren. Auch wenn Blaulicht und Martinshorn ausgeschaltet blieben – für Donaueschingen war es ein wichtiger Einsatz, zu dem selbst Oberbürgermeister Erik Pauly (CDU) sich zur Zulassungsstelle bequemte. Am 15. September wurden dort Kennzeichen mit den Anfangsbuchstaben DS für Donaueschingen ausgegeben – zum ersten Mal seit der Kommunalreform vor 51 Jahren. Die hatte der stolzen Fürstenstadt am Ursprung der Donau den Kreissitz gekostet. Doch jetzt konnte Kommandant Gerd Wimmer die ungeliebten VS-Schilder für Villingen-Schwennigen feierlich vom Mannschaftswagen schrauben. „Die Donaueschinger haben sich das lange gewünscht“, sagte Pauly. Mehr als 1400 Autofahrer haben innerhalb des ersten Monats ihr Fahrzeug bereits umgemeldet.
Es ist das 24. Altkennzeichen, das in Baden-Württemberg frohe Wiederkehr feiert. In den meisten anderen Landkreisen ging es allerdings wesentlich schneller. Als erste profitierten Leonberg (LEO), Schwäbisch Gmünd (GD) und Hechingen (HCH) von der im Jahr 2012 vom Bundesverkehrsministerium beschlossenen Kennzeichenliberalisierung. Seit Februar 2013 können sich Autofahrer dort wieder die alten „Unterscheidungskennzeichen“ bestellen. Entsprechend viele machten davon schon Gebrauch. 43 286 Fahrzeuge sind zum Stichtag 1. Januar 2024 laut Kraftfahrtbundesamt mit einem LEO-Kennzeichen unterwegs. Die GD-Nummernschilder wurden sogar an 64 900 Autofahrer ausgegeben, heißt es aus dem Aalener Landratsamt.
NT ist der absolute Renner
Dass das Gmünder Täfele inzwischen beliebter sei als das Mutterschild , wie es aus dem Gmünder Rathaus verlautet, ist jedoch Wunschdenken und mag allenfalls für die dortige Außenstelle des Landratsamtes gelten: Weiterhin fahren vier von fünf Autos im Landkreis Aalen mit dem Hauptkennzeichen AA. Das gilt auch für den Spitzenreiter unter den wieder eingeführten Altkennzeichen. Das NT für Nürtingen wurde seit der Wiedereinführung im November 2014 an 84 074 Fahrzeuge vergeben. Das Mutterkennzeichen ES haben gleichzeitig 422 737 Halter gewählt.
Zudem würden viele nicht nur aus Lokalpatriotismus auf NT ausweichen, sondern auch, um sich bestimmte persönliche Kennzeichenkombinationen zu ermöglichen, die bei ES nicht mehr verfügbar seien, sagt die Sprecherin des Landratsamtes, Andrea Wangner. Sollte etwa das Kennzeichen ES-OB 1 vergriffen sein, könnte Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD) – theoretisch – auf NT-OB 1 ausweichen. Freilich würde das weder in seiner Stadt noch bei seinem Nürtinger Amtskollegen gut ankommen. Das prozentual erfolgreichste Altkennzeichen ist ÖHR. Seit der erstmaligen Ausgabe 2015 haben es sich schon 26,7 Prozent der Autofahrer im Hohenlohekreis zugelegt. Kein Wunder: Öhringen ist größer als der Kreissitz Künzelsau (KÜN). Einige Ladenhüter gibt es allerdings auch. MÜL für Müllheim und NEU für Titisee-Neustadt haben im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald seit 2023 keine großen Ummeldezahlen ausgelöst. Die meisten bleiben im Freiburger Umland lieber bei FR. Das Kennzeichen STO für Stockach wurde zunächst nur im Kreis Sigmaringen ausgegeben, stieß aber kaum auf Interesse. Erst seit es auch der Landkreis Konstanz im Angebot hat, in dem die Stadt Stockach liegt, hat sich die Zahl der Interessenten leicht erhöht.
Gleiche Anfangsbuchstaben, verschiedene Bundesländer
Dass zwei Kreise dasselbe Anfangskürzel ausgeben, kommt öfter vor. So ist BK für Backnang nicht nur im Rems-Murr-Kreis erhältlich, sondern auch in Schwäbisch Hall. Um Doppelungen zu vermeiden, müssen in diesem Fall die Kombinationen noch mit dem Bördekreis in Sachsen-Anhalt abgestimmt werden, der BK als Hauptkennzeichen hat.
Alte Kennzeichen als Risiko fürs Wir-Gefühl
Interessant ist, wo mögliche Altkennzeichen noch nicht wieder eingeführt wurden. Schwer tun sich vor allem diejenigen Kreise, die ohnehin umstrittene Gebilde sind. Der Alb-Donau-Kreis sei nicht historisch gewachsen, sondern aus vier Landkreisen zusammengesetzt, sagt Sprecherin Katrin Frauenlob. Die Empörung sei damals groß gewesen. Doch die Wogen hätten sich geglättet. Es habe sich ein starkes „Wir-Gefühl“ gebildet, das auch durch das gemeinsame Kennzeichen UL gefördert werde. „Eine mögliche Vergabe weiterer Unterscheidungskennzeichen würde diesem Gedanken entgegenstehen und war bislang nie Thema im Landkreis.“
Auch im Schwarzwald-Baar-Kreis waren vor der Einführung des Kennzeichens DS dicke Bretter zu bohren. Zweimal fand der Donaueschinger Wunsch im Kreistag keine Mehrheit, was auch mit der besonderen Konstellation in dem aus württembergischen und badischen Gemeinden bestehenden Kreis zu tun haben dürfte. Zudem gibt es dort noch ein weiteres Altkennzeichen, das die offizielle Politik wohl auf keinen Fall wiederbeleben möchte: VL. Für manch Villinger Lokalpatrioten, der die gemeinsame Stadt mit Schwenningen für ein Unglück hält, könnte es gleichwohl eine Option sein.
Donaueschingens Oberbürgermeister Pauly hat sich derweil weitere Schilder gesichert. Nach der Feuerwehr kommen auch das Wasserwerk, die Abwasserbeseitigung und die Stadtverwaltung an die Reihe. Dann erhält auch sein eigener Dienstwagen ein neues Kennzeichen: DS-DS 1. Damit jeder weiß, wo er herkommt.