Böblingens Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger (Mitte) zeigt anhand eines 3D-Modells, wie das neue Areal aussehen soll. Foto:  

Mitte 2023 soll das IBM-Labor von Böblingen nach Ehningen ziehen. Für die Stadt ist bedeutet der Wegzug eine städtebauliche Chance. Bei einer Infoveranstaltung stellt die Verwaltung die geplante Grundstruktur für das Areal vor.

Das Wohngebiet Rauher Kapf in Böblingen soll wachsen, das IBM-Labor weichen. Die Stadtverwaltung informiert darüber in unregelmäßigen Abständen. Am Wochenende war das Evangelische Gemeindezentrum Anlaufstelle für Wissbegierige. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerb. Böblingens Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger und ihre Mitarbeiterin Carmen Stark stellten die funktionelle Basisstruktur vor.

 

„Die Konzeption eines neuen Stadtteils in Böblingen ist eine große Chance“, sagt Kraayvanger. Sie berichtete von den 17 verschiedenen Planungsbüros, die im Rahmen eines städtebaulichen Planungswettbewerbs aufgefordert waren, kreative Ideen für das 14 Hektar große Areal zu liefern. Die Wahl der von Barbara Engel, Studiendekanin Architektur am Karlsruhe Institute of Technology (KIT), geleiteten Jury fiel auf den Entwurf von „Deffner Voitländer Architekten, Studio B Landschaftsarchitektur“. Hinter den Namen verbergen sich ein Münchner Architektenbüro und ein Landschaftsarchitekt aus Dachau.

Stadtteilarbeits ist in die Planung eingebunden

In die Planung eingebunden ist auch der Arbeitskreis Rauher Kapf, der bereits seit 30 Jahren besteht. Im Juli des vergangenen Jahres startete der Arbeitskreis eine Umfrage vor Ort und erhielt 86 Rückmeldungen aus der Anwohnerschaft. Neben der Verbesserung der Nahversorgung ist den Befragten demnach der Erhalt des Waldcharakters ein besonderes Anliegen. „Um den Charakter dieses Stadtgebietes zu bewahren, ist eine Siedlungsform mit einzelnen Bauinseln im Wald vorgesehen, die miteinander verbunden werden sollen. Selbstverständlich sind auch eine Schule und Kitas in der Planung und natürlich eine zentrale Versorgung“ , erklärte Christine Kraayvanger.

Vom Grundriss her soll das neue Quartier mit Platz für bis zu 2300 Menschen eine Art Ringpark werden, der südliche Teil eher autoarm strukturiert sein, der nördliche Teil soll dann zum Beispiel mehr Stellplätze enthalten. Die Haltestelle der Schönbuchbahn soll gut erreichbar sein und der Bus nicht nur am Rand stoppen, sondern eine Schleife durch die Siedlung fahren.

Nahversorger soll kein „Supermarkt-City“ werden

Carmen Stark, Referentin für Stadtentwicklungskonzepte im Böblinger Rathaus, erhielt in der überwiegend aus Senioren bestehenden Zuhörerrunde viel Zustimmung für ihre Idee, dass zum Eingang der Siedlung ein markantes Gebäude stehen soll. Darin würden vermutlich Büros ihr Zuhause finden. Das Gebäude für die zentrale Nahversorgung soll dagegen keine städtebauliche Dominanz haben: „Keine Supermarkt-City“, wie Carmen Stark es formulierte. Es werde mit Auto, Fahrrad und zu Fuß erreichbar sein.

Die zentrale Erschließungsstruktur soll der Ausbau der Taunusstraße leisten. Gedacht ist auch eine Brücke, um den östlichen und westlichen Teil miteinander zu verbinden. Gedanken macht sich die Böblinger Stadtverwaltung auch über die Energiestruktur – nicht nur mit Blick auf zukünftige Wohnungen, sondern auch auf Ladestationen für Elektroautos.

Seilbahnpläne werden skeptisch aufgenommen

Vom Arbeitskreis Rauher Kapf waren Anna Wieczorek und Arnt Glienke vertreten. Beide signalisierten Zustimmung, erwarten aber, dass diese Neubesiedlung nicht das Wohngefühl eines abgekapselt Satellitenortes haben sollte. „Die IBM beginnt im kommenden Jahr den Auszug, die Realisierung Projekts Rauher Kapf soll sofort starten“, sagte Stark.

Ein Wunschprojekt von Baubürgermeisterin Kraayvanger ist eine Seilbahn zum Transport. Dies stieß in dieser Runde auf Skepsis: „So ein Transportmittel kostet nicht nur viel in der Anschaffung sondern auch eine Menge Euros zur technisch einwandfreien Unterhaltung“, kommentierte ein Anwohner.

Insgesamt stieß die Infoveranstaltung bei den rund 35 Teilnehmenden (darunter zwei künftige Kitabesucher) auf großes Interesse. Anlass zu deutlicher Kritik gab es hier anscheinend nicht. Stattdessen wurden die detaillierten Pläne und das dreidimensionale Modell des Büros ausführlich begutachtet.