Siebenmühlental Foto: Kraufmann

Zehn Jahre hat es gedauert, jetzt ist es amtlich: Das Siebenmühlental ist Naturschutzgebiet.

Stuttgart -  Zehn Jahre hat es gedauert, jetzt ist es amtlich: Das Regierungspräsidium Stuttgart hat das Siebenmühlental zwischen Waldenbuch und Leinfelden-Echterdingen zum Naturschutzgebiet erklärt. Ziel ist es, touristische und landwirtschaftliche Auswüchse dort zu verhindern.

Es gibt viele Wege, um vom Raum Waldenbuch/Steinenbronn (Kreis Böblingen) auf die dicht besiedelten Filder zu kommen. Die Verbindung durch das Siebenmühlental gehört allerdings nicht dazu. Sie ist seit langem für den Durchgangsverkehr gesperrt. Nur drei der insgesamt elf Mühlen, die am nördlichen Taleingang bei Leinfelden-Echterdingen liegen, sind für alle Besucher mit dem Auto zu erreichen. Dazu zählt auch die Mäulesmühle. Auf deren Gelände befindet sich die Komede-Scheuer des Mundartkünstlers Albin Braig.

Weil das Tals schwer für den Verkehr zugänglich ist und es zudem Einschränkungen durch den Landschaftsschutz gibt, ist der Landstrich nicht wie andernorts verbaut worden. Stattdessen konnte sich zwischen dem Naturpark Schönbuch und dem Ballungsgebiet Filder eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt entwickeln und halten.

Bei der Vorbereitung für die jetzt in Kraft getretenen Naturschutzbestimmungen für das 5,5 Kilometer lange Tal entlang des Reichenbachs stießen die Mitarbeiter des Regierungspräsidiums auf 200 verschiedene Pflanzenarten, 80 Vogelarten, 14 unterschiedliche Amphibien- und Reptilien- sowie mehr als 50 Tag- und Nachtfalterarten. Darunter sind botanische Raritäten wie die Trollblume oder das breitblättrige Knabenkraut. Auch der Eisvogel und die äußerst seltene Schmetterlingsart des Wiesenknopf-Ameisenbläulings sind hier heimisch.

Gastronomen können sich Erweiterung im Siebenmühlental abschminken

Insgesamt ist das Naturschutzgebiet Siebenmühlental 458 Hektar groß. Neben den Wiesenauen am Reichenbach sind nach Ansicht der Stuttgarter Aufsichtsbehörde und dem für den Wald in ganz Württemberg zuständigen Regierungspräsidium Tübingen auch die Wälder an den Talhängen schützenswert. Dort befinden sich bis zu 200 Jahre alte Buchen und Eichen. Der zukünftige Schutzwald darf zwar nur noch sehr zurückhaltend bewirtschaftet werden, das Betreten bleibt allerdings erlaubt. Passionierte Pilzsammler hatten bereits befürchtet, dass sie Pfifferlinge und Parasole den Maden und Schnecken überlassen müssen.

Wege dürfen nicht verlassen, Zelte nicht aufschlagen und Hunde müssen angeleint werden: Das sind die wichtigsten Einschränkungen, die Besucher des Siebenmühlentals nun in Kauf nehmen müssen. Mühlenbetreiber, Gastronomen und Landwirte, die sich mit den Gedanken tragen, die Natur in größerem Umfang wirtschaftlich zu nutzen - egal ob für die Tiermast, als Golfplatz oder Reitanlage -, können sich jetzt ihre Pläne abschminken. Die neuen Naturschutzbestimmungen lassen Erweiterungsmöglichkeiten und erst recht Neubauten nicht mehr zu.

Verkniffen hat es sich das Regierungspräsidium, am Status der Alten Poststraße etwas zu ändern. Diese einstige württembergische Wegverbindung zwischen Tübingen und Stuttgart darf heute nur noch von Bewohnern und Gästen von zwei Mühlen als Zu- und Abfahrtsmöglichkeit in Richtung Leinfelden-Echterdingen genutzt werden.

Die Wirklichkeit sieht allerdings anders aus. Vor allem wenn es auf der Bundesstraße27 oder der Autobahn 8 Staus und Engpässe gibt, nutzen Ortskundige die geschotterte Straße durch den Schutzwald als Schleichweg. Diese Autofahrer riskieren aber, in Zukunft angehalten und zur Kasse gebeten zu werden. Das Regierungspräsidium Stuttgart kündigte im Zusammenhang mit den Naturschutzbestimmungen für das Gebiet verstärkte Kontrollen auf der Alten Poststraße an.

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