Foto: Norbert J. Leven

Seit die Kreisstraße wegen Sanierung gesperrt ist, liegen im Siebenmühlental die Nerven blank. An der Eselsmühle ist der Umsatz um 50 Prozent eingebrochen.

Leinfelden-Echterdingen - Ein Stück heile Welt – mit diesem Slogan wirbt die Eselsmühle für sich. Doch im oberen Teil des Siebenmühlentals ist diese heile Welt zurzeit ein wenig aus den Fugen geraten. Dafür gibt es mehrere Gründe – und unterschiedliche Sichtweisen. Vor allem die aktuell noch bis zum Ende der Sommerferien dauernde Sperrung der Kreisstraße von Musberg hinunter zur Seebruckenmühle ist ein Auslöser für Ärger, die Schranke in der Mitte des Mühlenwegs zwischen dem Viadukt und dem Musberger Ortsrand ein weiterer.

Bei Meinrad Bauer und Natalie Barthels, den Besitzern der Eselsmühle, liegen einige Wochen nach dem Beginn der Sperrung der Kreisstraße die Nerven blank. „Unser Umsatz ist um 50 Prozent eingebrochen“, sagt Bauer über den Hofladen, neben der Gastronomie ein Standbein der Unternehmer. Für Bauer liegt es auf der Hand, dass dies eine direkte Folge der unterbrochenen Straße ist. Viele Stammkunden scheuen offenbar die offizielle Umleitung zur Mühle. Sie führt über Echterdingen und die Seebruckenmühle.

„Wir riskieren einen Strafzettel“

Einer Bitte von Bauer um Duldung der Zufahrt für Kunden zur Eselsmühle über den Mühlweg während der Dauer der Sperrung der Kreisstraße hatte das Ordnungsamt aus Gründen des Naturschutzes und wegen Sicherheitsbedenken nicht entsprochen. „Das gilt auch für uns, wenn wir etwas in Musberg zu erledigen haben“, sagt Barthels. „Sonst riskieren wir einen Strafzettel.“ Die Strecke des Mühlwegs hat hinter der Schranke bei der Eselsmühle in Richtung Musberg nur den Status eines landwirtschaftlichen Weges, ist für Autos tabu.

Zurzeit ist es allerdings sehr riskant, die Schranke zu ignorieren. Nach Beschwerden über Schleichverkehr auf dem Mühlweg, auch aus dem Gemeinderat (wir berichteten), hat die Stadt die Kontrollen verschärft – und diese auch am Tag nach dem schwersten Hochwasser seit Jahrzehnten am Reichenbach durchgezogen. Das empfinden Bauer und Barthels geradezu als schikanös. Sie äußern sich verbittert: „Wenn die Stadt aber Imagewerbung fürs Siebenmühlental macht, dann sind wir als Vorzeigebetrieb gut genug“, sagt Bauer enttäuscht.

Nur wenige Schleichwegfahrer erwischt

Ein externer Dienstleister hat im Auftrag des Ordnungsamts von L.-E. die Kontrollen durchgeführt und dazu die vor einigen Wochen erst neu installierte, von Rettungsdiensten nun mit einem einfachen Dreikant zu entriegelnde Schranke geöffnet. An 15 Tagen habe man das für die Dauer von jeweils vier Stunden durchgezogen, sagt die stellvertretende Leiterin des Amts, Jutta Rößler, auf Anfrage unserer Zeitung. Seinen Zweck, abschreckende Wirkung zu entfalten, habe der Einsatz wohl „nicht verfehlt“, erklärt sie. Es seien nur wenige Schleichwegfahrer erwischt worden. Präziser kann sie sich zurzeit nicht zum Ergebnis äußern, „weil wir noch auf die genaue Auswertung warten“. Sie gehe aber davon aus, dass die Kosten „höher liegen werden als die Einnahmen durch Bußgelder“.

Nicht nur Stadträte, sondern auch Vertreter des Reitvereins, der die Ställe der Oberen Mühle gepachtet hat, haben in jüngster Vergangenheit beim Ordnungsamt Druck gemacht und Verstöße mit der Digitalkamera dokumentiert. Unter anderem wurde über blockierte Rettungswege Klage geführt, etwa während des Hochwassers vor zwei Wochen – was die Feuerwehr gegenüber unserer Zeitung nicht bestätigt. Die Besitzer der Eselsmühle fühlen sich derweil einer „Bespitzelung mit Stasi-Methoden“ (Barthels) ausgesetzt und denken lieber an die Zeiten eines konfliktfreien Verhältnisses mit der Oberen Mühle zurück: „Zurzeit prallen da Welten aufeinander“, sagt Bauer. Vertreter des Reitvereins waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Kutschfahrten werden eingestellt

Eine Frau, die in den zurück liegenden Monaten regelmäßig mit Passagieren von der Eselsmühle aus talaufwärts zu Kutschfahrten aufgebrochen ist, ist unterdessen ebenfalls in den Fokus des Ordnungsamts geraten. Bei den Fahrten sei es zu „Konflikten mit Spaziergängern und landwirtschaftlichen Fahrzeugen“ gekommen, sagt Rößler. Man habe zwischenzeitlich mit der Anbieterin ausführlich gesprochen. Das Ergebnis: Die Frau wolle in Zukunft auf dieses Angebot verzichten. „Außerdem werden wir Kutschfahrten auf dem Feldweg verbieten“, kündigt Rößler an.

Inzwischen gibt es jedoch auch eine Retourkutsche aus der Eselsmühle. Sie lenkt die Aufmerksamkeit des Ordnungsamts auf mehrere meterhohe Holzstapel entlang des Mühlwegs. „Wir prüfen noch, ob und gegebenenfalls gegen welche Bestimmungen damit verstoßen wird“, sagt Rößler. Weil der Weg im Landschaftsschutzgebiet liege, sei auch das dafür zuständige Landratsamt um Stellungnahme gebeten worden.

Zufahrt vom 26. August an wieder offen

Es gibt aber auch noch eine positive Nachricht für die Besitzer der Eselsmühle: Am 26. August soll voraussichtlich der erste Abschnitt der Fahrbahnsanierung abgeschlossen sein. Dann könne man wieder von Leinfelden und Musberg über den sogenannten Täleskreisel zu den Mühlen fahren, berichtet Rößler. Gesperrt wird anschließend der Abschnitt von der Mäulesmühle bis zur Seebruckenmühle.

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