Die Polizei sucht in einer gefluteten Mine nach weiteren Leichen: Wie viele Frauen und Mädchen hat der Täter auf dem Gewissen? Foto: AP

Zypern, die Insel der Liebesgöttin Aphrodite im östlichen Mittelmeer, gilt als idyllisches Ferienparadies. Jetzt macht die Urlaubsinsel mit einer beispiellosen Mordserie Schlagzeilen. Das ist vielleicht erst der Anfang.

Nikosia - Die Ermittlungen begannen am 14. April, als zwei ausländische Touristen auf Zypern in einer verlassenen Eisenerz-Mine bei der Ortschaft Mitsero eine gefesselte Frauenleiche entdeckten. Tags darauf wurde die Frau als Mary Rose Tiburcio identifiziert, eine Haushaltshilfe von den Philippinen. Die 39-Jährige war 2018 mit ihrer sechsjährigen Tochter Sierra als vermisst gemeldet worden. Mit dem Fund der Leiche begann auch die Suche nach dem sechsjährigen Mädchen. Vier Tage später nahm die Polizei einen 35 Jahre alten Hauptmann der zyprischen Nationalgarde unter Tatverdacht fest. Er gestand, Tiburcio ermordet zu haben.

Zwei Tage nach der Festnahme fanden die Ermittler in der verlassenen Mine eine weitere Frauenleiche. Sie wurde bisher nicht zweifelsfrei identifiziert. Es könnte sich aber um die 28-jährige Philippinerin Arian Palanas Lozano handeln, ebenfalls eine Haushaltshilfe, die seit Juli 2018 vermisst wurde. Der Soldat bestritt zunächst, etwas mit dieser Tat zu tun zu haben, gestand aber in den weiteren Verhören schließlich Morde an fünf Frauen und zwei Mädchen.

Der Täter hat die Opfer offenbar über eine Online-Plattform kontaktiert, in seine Wohnung gelockt, dort stranguliert und die Leichen dann in der Mine versteckt. Über das Motiv gibt es noch keine Klarheit. Aber dass die Frauenleichen nackt und gefesselt gefunden wurden, deutet auf sexuellen Missbrauch hin.

Die Polizei sucht in einer gefluteten Mine nach weiteren Leichen

Nach Hinweisen des mutmaßlichen Serienkillers fanden die Ermittler am Donnerstagnachmittag eine weitere bereits stark verweste Leiche in der Nähe eines Schießplatzes bei der Ortschaft Orounta. Am Freitag setzte die Polizei die Suche nach weiteren Opfern in der Mine fort. Die Sucharbeiten konzentrieren sich auf einen etwa 130 Meter tiefen Schacht, der nach der Aufgabe der Mine Ende der 1960er Jahre von Grundwasser überflutet wurde. Die Polizei setzte Taucher und Unterwasserkameras ein.

Auch der See Memi bei der Ortschaft Xyliatos wurde untersucht. Dort will der Täter die Leiche der sechsjährigen Sierra versenkt haben. An diesem Samstag soll der Tatverdächtige dem Haftrichter vorgeführt werden. Derweil versuchen die Fahnder zu klären, ob der 35-Jährige möglicherweise noch weitere Opfer auf dem Gewissen hat. Ein Polizeisprecher sagte im zyprischen Staatsfernsehen RIK: „Wir wissen noch nicht, welches Ausmaß dieser Fall tatsächlich hat.“

Die zyprische Polizei sieht sich unterdessen mit schweren Vorwürfen konfrontiert: Angehörige der ermordeten Frauen beschuldigen die Polizei, sie sei den Vermisstenanzeigen nie ernsthaft nachgegangen. Eine polizeiinterne Untersuchung soll jetzt mögliche Versäumnisse klären.

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