Der angebliche Versicherungsbetrug fußt auf einer weiteren, weit spektakuläreren Tat. Ein Chef der Security-Firma nimmt zu den Vorwürfen Stellung.
Nach einer groß angelegten Razzia bei einer Winterbacher (Rems-Murr-Kreis) Sicherheitsfirma werden die Hintergründe des Einsatzes klarer. Demnach geht es um einen verschwundenen Betrag von 1,3 Millionen Euro – und die Frage, ob die Verantwortlichen bei der Firma diesen bei einem Versicherungswechsel verschwiegen hatten.
Die Staatsanwaltschaft wittert hier einen millionenschweren versuchten Versicherungsbetrug. Dieser wurzelt auf noch deutlich spektakuläreren Taten – denn der Fehlbetrag entstand aus einem Münzraub. Bei der betroffenen Firma handelt es sich um den Sicherheitsdienst WSD – jenes Unternehmen, das Anfang 2024 auch von einem vorgetäuschten Überfall auf einen Geldtransport in Ludwigsburg-Oßweil betroffen war.
Winterbach: Security-Mitarbeiter stehlen Münzgeld in Millionenhöhe
Am Dienstag hatten – teils schwer bewaffnete und maskierte – Polizisten die Räume des Unternehmens in Winterbach sowie die Privaträume der beiden Geschäftsführer durchsucht. Dabei wurden laut dem Polizeipräsidium Aalen mögliche Beweismittel sichergestellt, die jetzt weiter geprüft werden.
Die Hintergründe des Falls sind komplex und reichen Jahre zurück. Der Zeitungsverlag Waiblingen hatte zuerst über die Zusammenhänge berichtet. Im Kern geht es um das Verschwinden von rund 1,3 Millionen Euro Münzgeld bei WSD Security. Die Summe setzte sich aus Beständen zweier Regionalbanken zusammen. Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes sollen sich über einen längeren Zeitraum an den Münzrollen bedient haben – sie wurden verurteilt, doch der Großteil der rund fünfeinhalb Tonnen schweren Beute blieb verschwunden.
Wurde das Geld 2022 gestohlen – oder doch schon ein Jahr zuvor?
Der Fall kam weiter ins Rollen, als WSD Security Anfang 2022 die Versicherung wechselte. Im Zuge der Schadensregulierung entbrannte ein Streit darüber, wann genau der Verlust entstanden war. Die Versicherung, die ab 2022 zuständig war, weigerte sich zu zahlen – daraufhin verklagten die beiden Banken wiederum den Sicherheitsdienst auf Schadensersatz.
In einem der Verfahren wurde das Unternehmen im März 2025 vom Landgericht Stuttgart zur Zahlung von rund 900 000 Euro verurteilt. Gegen dieses Urteil legte WSD zunächst Berufung ein, zog diese aber später zurück, nachdem ein Vergleich mit der Versicherung erzielt werden konnte.
Die Staatsanwaltschaft hegt nun offensichtlich den Verdacht, die Verantwortlichen in dem Unternehmen hätten bereits vor dem Versicherungswechsel von dem fehlenden Geld gewusst, dies aber womöglich verschwiegen, um den Schaden anschließend bei der neuen Versicherung geltend zu machen.
Betrugs-Verdacht bei WSD: Geschäftsführer nimmt Stellung
Einer der beiden Geschäftsführer des Unternehmens – er will namentlich nicht genannt werden – hat gegenüber unserer Zeitung zu den Vorwürfen Stellung genommen. „Wir wurden von der Razzia total überrascht“, sagt er. Er und sein Kollege seien davon ausgegangen, dass die Angelegenheit geklärt sei. „Immerhin gab es mit der einen Bank einen Vergleich unter Einbeziehung der Versicherung, und mit der anderen Bank laufen auch entsprechende Gespräche“.
Er beteuert, WSD habe im Jahr 2022 bemerkt, dass das Münzgeld fehle, und dies sofort der Versicherung mitgeteilt. „Beide Versicherungen haben uns danach Sachverständige geschickt“, erinnert er sich. Er sei überzeugt, korrekt gehandelt zu haben, und rechne nicht damit, dass die Staatsanwaltschaft tatsächlich Anklage erhebe.
Fake-Überfall auf Geldtransporter in Ludwigsburg fliegt auf
Die Winterbacher Sicherheitsfirma ist Teil einer Holding mit fünf Geschäftsbereichen, die nach eigenen Angaben rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt und unter anderem Dienstleistungen im Bereich Objekt- und Veranstaltungsschutz sowie Werttransporte anbietet. Es ist nicht das erste Mal, dass der Firmenname in Verbindung mit einer Straftat auftaucht.
Bereits im Januar 2024 sorgte ein vorgetäuschter Geldtransporter-Überfall für Schlagzeilen. Zwei Mitarbeiter des Unternehmens hatten angegeben, auf einem Feldweg bei Ludwigsburg-Oßweil überfallen worden zu sein, wobei mehr als 3,7 Millionen Euro erbeutet wurden. Später stellte sich heraus, dass die beiden vermeintlichen Opfer die Täter waren und das Geld selbst unterschlagen hatten. Sie wurden im Februar 2025 zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Das Geld ist bis heute nicht wieder aufgetaucht, die Versicherung hat den Schaden in diesem Fall – nach einer gerichtlichen Auseinandersetzung – bezahlt.
Für die Firma bedeutet dies einen schweren Reputationsschaden. Der Geschäftsführer erklärt: „Geldtransporte sind natürlich ein sehr sensibler Bereich“ – er hoffe daher, dass die Angelegenheit möglichst schnell geklärt werde. Das Unternehmen habe aus dem Fake-Überfall und dem Münzgeldraub Konsequenzen gezogen: „Wir haben seitdem in fast allen Bereichen etwas geändert – baulich, bei den Sicherheitsmaßnahmen, aber auch bei den Einstellungen.“ Schon zuvor seien Bewerber streng ausgewählt worden, sie hätten unter anderem ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen müssen. „Aber schlussendlich kann man Menschen nur bis zur Stirn schauen, aber nicht weiter.“