Lars Redle, Vanessa Dreher und Michaela Bäurle sind stolz auf das Kinder- und Jugendschutzkonzept ihres Vereins. Foto: Ait Atmane

Der Handballclub Wernau hat aus freien Stücken ein Kinder- und Jugendschutzkonzept beschlossen. Es soll auch die Trainer und Trainerinnen schützen.

Sie seien schon stolz auf ihr Konzept, sagen Michaela Bäurle, Lars Redle und Vanessa Dreher. Sie haben den Leitfaden gegen sexualisierte Gewalt beim Handballclub Wernau (HCW) miterstellt. „Ich finde es gut, dass wir das ohne Anlass und ohne Zwang machen“, sagt Bäurle. Es habe keinen „Fall“ beim HC Wernau gegeben, und es bestehe bislang auch keine Pflicht, ein solches Papier zu verfassen.

 

Aber die Wernauer waren überzeugt, aktiv zu werden, nachdem sie an einer Veranstaltung zur Sensibilisierung für das Thema teilgenommen hatten. Dabei sei ihnen bewusst geworden, wie viel dahintersteckt, sagt Vanessa Dreher. Und auch bei der weiteren Bearbeitung im Verein seien „ganz viele Fragen“ aufgekommen. Zum Beispiel: Geht man als Trainer mit den Kleinen auf die Toilette? Hilft man ihnen beim Umziehen oder nicht? Geht man überhaupt mit in die Umkleide? Auch die Frage, ob die Sporthalle nach Trainingsbeginn abgeschlossen werden soll oder nicht – und wie gegebenenfalls Nachzügler reinkommen – tauchte auf. Auch so banale Dinge wie die Beleuchtung auf dem Weg zum Trainingsort.

Damit sei klar geworden, „dass wir so etwas brauchen, dass wir darüber reden müssen“, sagt Bäurle. Sensibler miteinander umgehen müsse man schon deshalb, weil manche Menschen aufgrund von negativen Vorerfahrungen empfindlich reagieren und von vermeintlich harmlosen Dingen „getriggert“ werden. Ein anderer Grund war ein pragmatischer: Derzeit gibt es eine finanzielle Förderung für Vereine, die mit solchen Schutzkonzepten vorangehen – die hat der HCW gern mitgenommen. Man habe die Mitglieder davon überzeugen können, dass das Konzept auch die Trainerinnen und Trainer schützt und ihnen Sicherheit gibt, sagt Bäuerle.

Gruppenbild des Clubs Foto: Handballclub Wernau

Dass der HCW so offen an das Thema herangegangen ist, liegt vielleicht auch an seiner relativ „jungen“ Struktur. Die Vorstände sind im Schnitt um die 45 Jahre alt, sämtliche Jugend-Gruppen sind mit einer weiblichen und einer männlichen Mannschaft vertreten, bis hin zu den „Wuselballzwergen“ für Kinder, die gerade laufen können.

Das Schutzkonzept wurde von einer Arbeitsgruppe entwickelt und gilt seit Anfang März. Nachlesen kann man es auf der Website des Vereins. Es enthält ebenso Grundsätzliches über den Umgang miteinander wie auch ganz konkrete Regeln: So sollen Trainer nicht mit ihren Teams gemeinsam duschen, denn auch da, wo es kaum einen Altersunterschied gibt, besteht doch ein „Machtgefälle“.

Vor dem Betreten der Umkleide klopfen sie an. Körperkontakt ist ein Thema, denn der gehört beim Sport dazu – gerade Handball sei „ja auch ein sehr körperlicher Sport“, stellt Lars Redle fest. Trotzdem sollte dieser Kontakt zwischen Trainern und ihren Schützlingen „sportlich begründet“ sein, am besten nach vorher abgefragtem Einverständnis und die persönlichen Grenzen respektierend. Auch für Fahrten und Ausflüge gibt es Richtlinien. Zudem legen alle Funktionsträger im Verein ein persönliches Führungszeugnis vor und unterschreiben einen Ehrenkodex.

Mit Vanessa Dreher und Lars Redle wurden zwei Vertrauenspersonen ernannt, die von den Mitgliedern direkt angesprochen werden können, bei konkreten Beschwerden, aber auch, wenn diese sich in bestimmten Situationen unwohl fühlen. Grundsatz sei dabei, „dass man nicht voreingenommen an die Sache rangeht“, sondern sie neutral betrachte, betont Lars Redle. Es geht dabei auch um die Gesprächskultur und das Vertrauen im Verein. Man wolle zeigen, „dass Kinderschutz kein einmaliges Projekt, sondern ein dauerhafter Bestandteil der Vereinsarbeit sein muss“, so die Verantwortlichen.