KSC-Ultras in der Mercedes-Benz-Arena: Das letzte Baden-Württemberg-Derby hat die Landespolitik nachhaltig beschäftigt. Foto: Pressefoto Baumann

Die Einsatzbelastung der Polizei und die Straftaten rund um Fußballspiele im Südwesten sinken weiter. Doch hält der Trend nach dem Abstieg des VfB Stuttgart und dem Aufstieg des Karlsruher SC auch in der nächsten Saison an?

Stuttgart - Die Polizei hat in der jüngst zu Ende gegangenen Saison mehr Fußballspiele im Südwesten begleiten müssen als in der vorigen Spielzeit. Sie konnte die Zahl der eingesetzten Beamten und dadurch die Einsatzstunden insgesamt dennoch deutlich reduzieren – auf ein Fünf-Jahres-Tief. Auch die Zahl der Strafanzeigen nahm von 602 auf 554 Fälle ab. Das geht aus einer Saisonbilanz der Landesinformationsstelle Sporteinsätze im baden-württembergischen Innenministerium hervor, die unserer Zeitung vorliegt. In der Saison 2018/19 leisteten die Beamten demnach 148 696 Einsatzstunden rund um 334 Partien von der Bundes- bis zur Oberliga. In der Spielzeit zuvor waren es noch 154 596 Einsatzstunden bei 317 Begegnungen gewesen.

Innenminister Thomas Strobl (CDU) zeigte sich zufrieden ob der Zahlen. Die positiven Entwicklungen führte er vor allem auf die lokalen sogenannten Stadionallianzen zurück, die er vor zwei Jahren initiiert hatte. „Die intensivere Zusammenarbeit aller Sicherheitspartner, die wir bei den Stadionallianzen vereinbart haben, und die daraus resultierende ressourcenschonende Einsatzplanung machen sich mehr und mehr bezahlt“, sagte er. Nicht erfreulich sei hingegen die gestiegene Zahl der Verletzten – von 104 auf 127 Personen. Gemessen an den fast 2,8 Millionen Stadionbesuchern bei Spielen im Land sind es aber gerade mal 0,38 Verletzte pro Partie. Das mache deutlich, dass die Wahrscheinlichkeit, als Zuschauer verletzt zu werden, „sehr, sehr gering“ sei, sagte Strobl. In Baden-Württemberg könne das Stadionerlebnis sicher genossen werden.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) lobt den baden-württembergischen Weg. Die Reduzierung von Polizeistunden könne nur in Kooperation und im Dialog mit allen Beteiligten vor Ort erfolgen, wie dies beim erfolgreichen Konzept der Stadionallianzen der Fall sei, teilte der Liga-Dachverband im Zuge der Forderung aus Bremen nach einer Kostenübernahme der Vereine für die Polizeieinsätze rund um Fußballspiele mit.

Enge Zusammenarbeit aller Sicherheitsakteure

In den Stadionallianzen arbeiten die Akteure vor Ort aus Vereinen, Verbänden, Kommunen und der Polizei enger, vertrauensvoller und verbindlicher zusammen als früher und stimmen sich ab, zum Beispiel für eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit. Im Verbund formulieren, unterzeichnen und versenden sie etwa Fanbriefe an die Fanszenen der aufeinandertreffenden Vereine, die Informationen zur An- und Abreise, zum Stadionbesuch, zu erlaubten Fanutensilien enthalten.

In Stuttgart und in Sinsheim bindet die Polizei die Vereine und Kommune sogar in die Risikoeinschätzung der bevorstehenden Heimspiele ein. So wurden die Bundesliga-Heimspiele des VfB Stuttgart gegen Eintracht Frankfurt und den 1. FC Nürnberg, anders als in der Vergangenheit, doch nicht als Hochrisikospiele eingestuft. Das Ergebnis: es wurden deutlich weniger Polizeibeamte eingesetzt und es blieb friedlich. Früher hatte die Polizei diese Bewertung alleine vorgenommen.

Das Baden-Württemberg-Derby steht wieder an

Zuletzt profitierte die Polizei allerdings auch von einer günstigen Zusammensetzung der Ligen. In der nächsten Saison sieht das nach dem Abstieg des VfB Stuttgart und dem Aufstieg des Karlsruher SC in die zweite Bundesliga schon anders aus. Besonders diese Spielklasse droht ziemlich arbeitsintensiv für die Polizei zu werden. Zur Erinnerung: In der Saison 2016/17 hatten die Baden-Württemberg-Derbys zwischen den Erzrivalen VfB und KSC sowie deren Heimspiele gegen Dynamo Dresden allein knapp 25 Prozent der damals 183 900 Einsatzstunden ausgemacht. Auch der Aufstieg des SV Waldhof Mannheim, der ein großes Fanpotenzial besitzt, in die dritte Liga mit vielen Traditionsvereinen stellt eine Herausforderung dar.

Das Innenministerium plant zur Vorbereitung der Saison in der ersten Juli-Hälfte eine Veranstaltung mit allen verantwortlichen Sicherheitsakteuren aller baden-württembergischen Vereine und Verbände in Stuttgart. Der genaue Termin und der genaue Ort stehen noch nicht fest. Klar ist jedoch: es sollen positive Beispiele der Stadionallianzen vorgestellt werden und noch nicht gelöste Problemstellungen diskutiert und konkret angegangen werden. Darüber hinaus soll ein Vor-Ort-Coaching angeboten werden.

Die Partie mit den landesweit meisten Einsatzstunden in der vergangenen Saison gab es im Karlsruher Wildparkstadion, als der KSC gegen den 1. FC Kaiserslautern spielte (5776 Stunden). Dahinter folgt das Regionalligaduell zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Saarbrücken (3533) und die Bundesligapartie zwischen dem VfB Stuttgart und Hertha BSC (2965). In der Oberliga, nur der fünfthöchsten Spielklasse, forderten die Begegnungen der Traditionsvereine SV Stuttgarter Kickers und SSV Reutlingen die Polizei stark. Beim Heimspiel in Stuttgart kam es zu Krawallen zwischen rivalisierenden Gruppierungen, die zu neun Verletzten und 16 Strafanzeigen führten.

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