Professor Thomas Jürgensohn kennt sich mit Helmen aus. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Helmpflicht oder keine? Eine Frage, über die heiß diskutiert wird. Das Ergebnis einer Studie, die in Stuttgart vorgestellt wurde, ist eindeutig.

Stuttgart - Helmpflicht oder keine? Eine Frage, über die heiß diskutiert wird. Um mehr Transparenz in die Faktenlage zu bringen, beauftragte das Landesverkehrsministerium mit dem Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft Thüringen bei der HCF Human Factors Consult GmbH die StudieSicherheitspotenziale durch Fahrradhelme“. Das Verkehrsministerium lud nun zu einer Fachveranstaltung in den Hospitalhof, um darüber mit Vertretern aus Verbänden und der Wissenschaft zu diskutieren.

Auf dem Podium saßen HCF-Gründer Professor Thomas Jürgensohn, Gudrun Zühlke vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Baden-Württemberg (ADFC), Axel Malcyk von den Unfallversicherern sowie als Moderator Christoph Erdmenger, im Ministerium für Verkehr für nachhaltige Mobilität zuständig. Ziel der Studie war wissenschaftlich fundiert anhand über 350 Quellen verschiedener Ländern und Zeiten das Thema Fahrradhelm zu beleuchten.

Helmtragquote im Sport bei mehr als 70 Prozent

Jürgensohn betonte, dass rund 270 Parameter neu recherchiert werden mussten mangels Daten, etwa zum Thema Helmnutzung bei Radfahrern. Nach einer Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) sind es 17 Prozent – an Knotenpunkten von sechs Städten, darunter Gotha, Göppingen oder Münster werden Helme gezählt, Sportbekleidete ausgeschlossen –, nach der HCF-Studie sind es 48,7 Prozent. „Man muss differenzieren nach Fahrzweck, gefahrenen Kilometern, Alter“, betonte Jürgensohn. Demnach liegt die Helmtragquote im Sport bei mehr als 70 Prozent, bei kurzen Erledigungen bei knapp über 30 Prozent. Senioren nutzen den Helm viel seltener als Kinder.

In Sachen Kosten, Nutzen und Risiken des Helmtragens rechneten die Forscher die verschiedenen Zahlen durch. Obschon eine Helmpflicht dazu beitragen könne, dass weniger Fahrrad, dafür mehr Auto gefahren wird, so mehr Schadstoffe und Lärm produziert werden und der Gesundheitseffekt sind, Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigen, war das Ergebnis deutlich: Der Sicherheitseffekt von Fahrradhelmen ist positiv. Der Helm schütze gerade bei schweren und schwersten Kopfverletzungen, hob Jürgensohn hervor.

Aktionen zur Verkehrserziehung Helm ist ein Muss

Deutlich wurde denn auch, dass die Unfallursachen differenziert betrachtet werden müssen. Ein Polizeivertreter erklärte, dass von den 53 Toten durch Fahrradunfälle 2016 wohl 40 Prozent einen Helm trugen, aber manche von der Straßenbahn erfasst wurden. Malacyk ergänzte, einige seien Alleinunfälle gewesen, etwa im Winter auf Glatteis ausgerutscht.

Zühlke forderte indessen eine bessere Infrastruktur. Erdmenger betonte schließlich, dass derzeit weder in Deutschland noch auf Landesebene in Baden-Württemberg eine Helmpflicht geplant sei. Es gebe nun die Basis, weiter zu diskutieren und mit Kampagnen für den Helm zu werben. Das unterstützte ein Vertreter des Kultusministeriums: „Bei allen Aktionen zur Verkehrserziehung in unseren Schulen ist der Helm Muss – er schützt.“

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