Hightech für mehr Sicherheit: Beim Leonberger Pferdemarkt kommen auch die Drohnen des Bevölkerungsschutzes zum Einsatz. Was genau überwachen die Hightech-Fluggeräte?
Seit einigen Jahren gehören sie fest zum Bild am Pferdemarkt-Dienstag in Leonberg: Drohnen, die vor allem während des Umzugs entlang der Strecke zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich allerdings nicht um 08/15-Fluggeräte, die Privatleute zum Beispiel für tolle Luftbilder verwenden. Nein, es sind Hightech-Drohnen mit vielen unterschiedlichen Funktionen. Zunächst kamen sie aus dem Fundus der Polizei. Nun werden zum zweiten Mal die Drohnen des Leonberger Bevölkerungsschutzes beim Pferdemarkt in die Luft gehen.
Pferdemarkt: Über das Sicherheitskonzept verraten die Einsatzkräfte wenig
Der Drohneneinsatz ist Teil des Sicherheitskonzepts, über das die Einsatzkräfte – nachvollziehbarerweise – im Vorfeld des Pferdemarkts nicht allzu viel verraten wollen. Darüber, wie die Drohnen eingebunden werden, gibt man indes bereitwillig Auskunft. Schließlich ist deren Existenz und Handhabung so etwas wie ein Pilotprojekt im Wirkungsbereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, das für die Landkreise Ludwigsburg und Böblingen zuständig ist.
Der Leonberger Bevölkerungsschutz verfügt über zwei Einsatzdrohnen und vier deutlich kleinere Übungsdrohnen. Die Einsatzdrohnen können mit Kamera, Wärmebildkamera, Scheinwerfer und Lautsprecher ausgestattet werden. Weitwinkel- und Wärmebildkamera sollen auch beim Pferdemarkt zum Einsatz kommen. Koordiniert wird das Vorgehen im Lagezentrum in der Feuerwache, wo Vertreterinnen und Vertreter sämtlicher Blaulicht-Organisationen am Pferdemarkt-Dienstag zugegen sind.
Dabei geht es nicht ausschließlich um die Sicherheit beim Umzug – wenngleich dieser selbstredend die größte Aufmerksamkeit beansprucht. „Die Bildübertragung der Drohnen ins Lagezentrum gibt uns Aufschluss über Personenansammlungen“, erklärt Sven Schüler, Leiter des Leonberger Polizeireviers, „wir haben aber auch einen Blick auf den Verkehr und können darauf reagieren, wenn nötig.“ Anhand der Drohnenbilder könne man die „Kräfte auf der Straße“, wie Schüler sie nennt, direkt und schnell zu potenziellen Einsatzorten navigieren.
Beim Polizeipräsidium Ludwigsburg ist man froh, bei einer Großveranstaltung wie dem Leonberger Pferdemarkt auf Equipment und Experten vor Ort zurückgreifen zu können. Wie Pressesprecher Steffen Grabenstein sagt, müsste man ansonsten die Ausrüstung des Polizeipräsidiums Einsatz – früher Bereitschaftspolizei – aus Göppingen herbeischaffen. „Wir sind froh, dass diese Drohnen dann für andere Einsätze zur Verfügung stehen“, erläutert Grabenstein. Ebenso verhält es sich mit den Drohnenpiloten, die es ebenfalls in den Reihen der Polizei gibt.
In Leonberg kommen im Zusammenspiel zwischen Polizei und Kommune unter anderem zwei Protagonisten des Bevölkerungsschutzes beziehungsweise der Feuerwehr ins Spiel: Ralf Kotte, Fachbereichsleiter, und Jens Schulte – Drohnenexperte, Pilot und Flugleiter bei Einsätzen. Wie alle Einsatzkräfte hoffen auch sie, dass es beim Pferdemarkt ruhig bleibt. Aber manchmal sind es auch die eher skurrilen Vorkommnisse, die nach schnellen Lösungen verlangen. „Im vergangenen Jahr ist nach dem Umzug eine Kehrmaschine liegengeblieben“, erinnert sich Ralf Kotte. Auch da habe man per Drohne sofort weitergeben können, wo das passiert sei.
Pferdemarkt: Jeweils nur eine Drohne in der Luft, Piloten wechseln sich ab
Jens Schulte ist schließlich der Mann, der alles über die Fluggeräte weiß, sie in Windeseile einsatzbereit machen und auch wieder zusammenpacken kann – und der auch die mobile Einsatzzentrale aus dem Effeff kennt: den sogenannten „GW Drohne“, einen umgebauten einstigen Rettungswagen. Im Innern befinden sich zwei vollwertige Arbeitsplätze für die Drohnensteuerung mit Monitoren und allem, was dazugehört.
„Es ist gut, wenn man sich bei einem so langen Einsatz auch abwechseln kann“, sagt Schulte, der außerdem betont: Es wird voraussichtlich nur jeweils eine Drohne in der Luft sein – und es finde keine Speicherung der Aufnahmen statt.
Die große Frage zum Schluss: Freuen sich die Einsatzkräfte trotz allem Aufwand auch ein bisschen auf den Pferdemarkt? Zumindest für die beiden Leonberger vom Bevölkerungsschutz steht als Antwort ein klares Ja zur Freude. „Für uns ist der Pferdemarkt genau das, es gehört dazu“, sagt Ralf Kotte.
Drohnen des Bevölkerungsschutzes
Personal 1
Rund 20 Personen sind Teil der Mitte 2025 vorgestellten Drohneneinheit des Leonberger Bevölkerungsschutzes. Sie ist an die Warmbronner Abteilung der Leonberger Feuerwehr angedockt. Im Normalfall agiert die Einheit mit vier Einsatzkräften.
Personal 2
Die vier Einsatzkräfte eines Drohnen-Teams sind im Normalfall: der Flugleiter, der verantwortlich für die Abwicklung des Drohneneinsatzes und Ansprechpartner für die „einsatzführende Stelle“ ist; der Fernpilot, der die Drohne steuert; der Kamera-Operator, der die Zusatzbeladung der Drohne bedient; der Luftraumbeobachter ist verantwortlich für die Kontrolle des Luftraums, in dem die Drohne unterwegs ist. Bei Bedarf kommt ein Fachberater hinzu.
Ausbildung
Die Ausbildung geschieht größtenteils intern beim Bevölkerungsschutz. Unter anderem sind mindestens 16 Flugstunden für einen angehenden Piloten notwendig, es folgen eine theoretische und eine praktische Prüfung.