Foto: Russian Ministry for Emergency

An einem Ferienwochenende bricht über Kindern und Eltern in einem russischen Einkaufszentrum eine Flammenhölle aus – am Ende sterben 64 Menschen. Der Feueralarm geht angeblich nicht los, vom Personal fehlt offenbar jede Spur.

Moskau - Ein Feuer in einem Einkaufszentrum hat Sibirien eines der schlimmsten Unglücke der jüngeren Vergangenheit gebracht. 64 Menschen kamen in den Flammen ums Leben, die sich ausgerechnet am ersten Wochenende der Schulferien in der russischen Stadt Kemerowo in der Mall ausgebreitet hatten. Laut Augenzeugen ging der Feueralarm nicht los, Mitarbeiter des Zentrums sollen zudem keine Schritte zu einer Evakuierung eingeleitet haben. Das vierstöckige Gebäude brannte die ganze Nacht durch, am Montagmorgen konnte das Feuer gelöscht werden.

Feuerwehrleute waren am Montag immer noch dabei, Leichen aus dem Gebäude zu bergen. Einige der Toten wurden in einem Kino gefunden, das nach Augenzeugenangaben verschlossen worden war. Krankenhäuser berichteten davon, dass unzählige Menschen Blut für die Opfer spenden wollten. Einwohner von Kemerowo brachten Blumen, Kerzen und Kuscheltiere zu einem Platz vor dem Einkaufszentrum „Winterkirsche“. In ihm gibt es neben dem Kino auch einen Streichelzoo, eine Schlittschuhfläche, Trampoline und eine Bowlingbahn.

Einige Kinder unter den Opfern

Notfallminister Wladimir Putschkow sagte nach der Durchsuchung des Zentrums im Fernsehen, 64 Todesfälle seien bestätigt worden. Darunter seien sechs Personen, deren Überreste noch nicht geborgen worden seien. Wie viele Kinder unter den Opfern waren, wollte Putschkow zunächst nicht sagen.

Zehn weitere Menschen kamen ins Krankenhaus. Gesundheitsministerin Veronika Skworzowa besuchte die Klinik und sagte im russischen Staatsfernsehen, am schlimmsten von diesen Personen gehe es einem Elfjährigen, der sich mit einem Sprung aus dem Fenster aus dem vierten Stockwerk gerettet habe. Die Eltern und die jüngere Schwester des Jungen seien in den Flammen ums Leben gekommen, sagte Skworzowa.

200 Tiere vermutlich gestorben

Rund 200 Tiere des Streichelzoos fielen dem Brand wahrscheinlich ebenfalls zum Opfer, wie der Zoo der russischen Nachrichtenagentur Tass mitteilte. Unter ihnen sind demnach Kaninchen, Schildkröten, Schweine, Ziegen und Nagetiere.

Das russische Ermittlungskomitee teilte mit, vier Personen für Vernehmungen festgenommen zu haben. Darunter sei auch ein Pächter der Mall.

Die Ursache ist unbekannt

Eine Ursache für das Feuer wurde bislang nicht bekanntgegeben. Es soll am Sonntagabend im obersten Stockwerk des Einkaufszentrums entstanden sein. Die Ermittler nahmen Untersuchungen wegen möglicher Fahrlässlichkeit und Verstößen gegen den Brandschutz auf. Die Generalstaatsanwaltschaft ordnete an, dass alle Einkaufszentren in Russland ihre Brandschutzeinrichtungen überprüfen sollten. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, es sei zu früh, um Schlüsse zu ziehen, ob vor Ort Fehler passiert seien.

Augenzeugen berichteten nach Angaben des Radiosenders Echo Moskwy, dass der Feueralarm nicht losgegangen sei. Die Mitarbeiter des Einkaufszentrums hätten keine Evakuierung der Mall organisiert, hieß es.

Für die Kinder von Kemerowo galt das 2013 eröffnete Einkaufszentrum bisher als eines der beliebtesten Unterhaltungszentren der Stadt. Einwohner sagten, das Zentrum sei voller Kinder und ihrer Eltern gewesen, als der Brand ausgebrochen sei. Kemerowo hat mehr als 500.000 Einwohner.

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