Shoppingcenter in der Region Stuttgart Einkaufstempel schlecht bewertet

Von Sven Hahn 

Die Händler in den Shoppingcentern der Region sind mit ihrer wirtschaftlichen Lage häufig unzufrieden. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Analyse. Nur die Breuningerländer und das Neckar Center in Esslingen gehören zu den Gewinnern.

Stuttgart - Die großen Einkaufszentren in Stuttgart haben eine Gemeinsamkeit – Ihre Mieter sind in Teilen höchst unzufrieden. Milaneo und Co. belegen in einer deutschlandweiten Analyse zur wirtschaftlichen Lage der Händler in Shoppingcentern ­überraschend schlechte Plätze. Sabine ­Hagmann, die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands im Südwesten, sagt sogar: „Das Konzept Shoppingcenter hat bestimmt seine besten Zeiten hinter sich.“

Bei der Analyse handelt es sich um den ­sogenannten Shoppingcenter Performance Report, kurz SCPR. Die Rangliste umfasst 260 Center. Entscheidend für das Ergebnis der Untersuchung ist die Zufriedenheit der Händler mit ihrem wirtschaftlichen ­Abschneiden im jeweiligen Haus. Den ersten Platz belegt das Lago in Konstanz. Die ­Macher der Studie führen diesen Erfolg maßgeblich auf die Herkunft der Kundschaft zurück. Demnach kommen 35 Prozent der Kunden aus der nahe gelegenen Schweiz. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: 63 Prozent der Teilnehmer geben an, die Kundenfrequenz habe nachgelassen.

Milaneo liegt weit hinten

Aus Sicht der Landeshauptstadt ist das Abschneiden der neuen, großen Einkaufszentren besonders interessant. Das Milaneo, das größte Shoppingcenter im Südwesten, landet auf Platz 249 von 260 gelisteten ­Häusern. Die durchschnittliche Note der Mieter: 4,08. Im vorangegangenen SCPR lag das ­Milaneo noch mit einer Note von 3,40 auf Rang 210 – eine deutliche Verschlechterung also. Managerin Andrea Poul zieht ­angesichts dieses Abschneidens die Machart der Studie in Zweifel: Lediglich zwölf ­Prozent ihrer Mieter hätten an der Umfrage teilgenommen, so die Managerin. Und: „Wir ­haben sehr viele Mieter, die zufrieden mit dem Milaneo sind.“ Weiter sagt Poul: Bei 200 ­Geschäften könne man nicht jeden Mieter zufrieden stellen. Angersprochen auf das Weihnachtsgeschäft und das schlechte ­Abschneiden des Handels in Baden-Württemberg im Vergleich zum restlichen ­Bundesgebiet, erklärt die Managerin des ­Milaneo: „Bei uns war die Stimmung sehr gemischt.“

Der Handelsverband Baden-Württemberg hat jüngst berichtet, dass die Einzelhändler im Südwesten deutlich schlechtere Umsatzzahlen gemeldet hatten als ihre ­Kollegen aus anderen Ländern. Sabine ­Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des ­Verbands, sieht einen Zusammenhang ­zwischen dem Ergebnis des Reports und der grundlegenden Entwicklung im Handel im Südwesten: „Eine gewisse Verbindung ­besteht.“ Das Ergebnis der Analyse zeige aber darüber hinaus, dass wir in Stuttgart einfach zu viel Einzelhandelsfläche haben. Und: „Ein Blick in die USA zeigt, dass auch dort der Shoppingcenterhype vorbei ist“, so Hagmann weiter. Zum Abschluss sagt die Hauptgeschäftsführerin: „Ich würde als ­Betreiber zunächst keine weiteren Shoppingcenter in Deutschland mehr planen.“

Gerber freut sich bereits über leichte Verbesserung

Das Gerber im Süden der Stuttgarter ­Innenstadt wurde wie das Milaneo 2014 ­eröffnete und hat sich im Ranking leicht ­verbessert – trotzdem findet sich das Haus im hinteren Bereich des Reports wieder. Lag das Center im vorherigen SCPR noch mit einer Note von 4,14 auf Rang 261, so findet sich das Gerber inzwischen auf Platz 240 (Note 3,86). Centermanager Kemal Düzel erklärt auf Anfrage: „Wir freuen uns, dass wir ein besseres Ranking im Shoppingcenter-Performance-Reporting erzielt haben.“ Das Management im Gerber wurde nach Problemen im ersten Jahr nach der Eröffnung komplett ausgetauscht. Düzel wertet die leichte Verbessrung als Beleg für den Erfolg seiner Arbeit. Weiter sagt er: „Wir ­haben im Vergleich zum Vorjahr ein Besucherplus von fünf Prozent verzeichnen können. Auch die Umsätze der jeweiligen Geschäfte entwickelten sich entsprechend positiv.“

Beim Vergleich der ­Einkaufszentren in Deutschland kommen die Macher des Shoppingcenter-Reports auf bemerkenswerte Schlussfolgerungen. Von den 20 ­besten ­Häusern bieten 17 kostenlose Parkplätze an, lautet ein Fazit. Und: Von den 20 schlechtesten in der Wertung böte das nur ein Haus an. Zudem lägen die meisten schlecht bewerteten Center in Innenstädten, wo Parkplätze grundsätzlich knapp seien. Die am besten bewerteten Häuser lägen ­hingegen größtenteils am Stadtrand.

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