Auf der Baustelle an der Bleichstraße ging es lange zeit nicht richtig voran. Foto: StZ

Die Planung für das Einkaufszentrum hat sich überlebt. Statt Handel braucht die Stadt heute Wohnraum. Lässt sich noch umsteuern, fragt sich unsere Redakteurin Karen Schnebeck

Göppingen - Dass eine Stadt einem Investor ein Baugelände samt Bauprojekt mit Investitionskosten von 100 Millionen Euro abnehmen will, kommt nicht alle Tage vor. Auch gemeinsam könnten Stadt und Wohnbau diese Summe nicht aufbringen. Es müssten also neue, solvente Partner her, um den Vorstoß in die Tat umzusetzen. Wer diese Partner sein könnten, ist offen.

Trotzdem sind der Oberbürgermeister Guido Till und der Baubürgermeister Helmut Renftle auf die Investoren zugegangen und haben angeboten, das Projekt zu übernehmen. Das zeigt, wie groß die Skepsis im Rathaus ist, dass aus der Shopping Mall noch etwas wird. Kein Wunder, das Projekt machte von Anfang an durch Schwierigkeiten und eine Verzögerung nach der anderen von sich reden. Die Investoren haben es inzwischen aufgegeben, überhaupt noch einen Eröffnungstermin zu nennen.

Hinzu kommt, dass in Göppingen keiner mehr ein Einkaufszentrum vermisst – zum einen gibt es genügend Geschäfte, zum anderen kaufen viele Bürger online ein. Die Kreissparkasse hat daraus jüngst die Konsequenzen gezogen und das Zentrum Untere Marktstraße, das dort entstehen soll, umgeplant. Dort wird statt Geschäften ein Brauhaus einziehen. Doch wenn Investoren selbst in einer 1-A-Lage wie der Unteren Marktstraße umdenken müssen, wie soll ein großes Einkaufszentrum in einer 1-B-Lage wie der Bleichstraße bestehen?

Wohnungen in der City sind hingegen Mangelware. Der Vorstoß der Stadt ist deshalb verständlich – doch er kommt vermutlich zu spät. Schließlich stehen die Investoren nach mehr als zehn Jahren der Planung kurz vor dem Beginn des Rohbaus, und 70 Prozent der geplanten Ladenflächen sind bereits vermietet. Ob sie sich auf den Vorschlag einlassen, ist daher fraglich.Mehr als ein Kompromiss mit einigen Wohnungen an der Geislinger Straße statt des geplanten Hotels wird wohl nicht zu machen sein.

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