In schweren Zeiten für die Stuttgarter Innenstadt will das Nachbarland im Firnhaberbau für vier Monate ein umfangreiches Angebot aus Shopping, Tourismus und Aktivitäten schaffen. Das Projekt feiert hier Premiere und soll danach weiterziehen.
Stuttgart - In Corona-Zeiten liegen Handel, Gastronomie und Kultur in der Stuttgarter Innenstadt weit gehend brach. Da tut es gut, wenn es einmal nicht nur Nachrichten von Ladenschließungen gibt, sondern sich etwas Positives tut. Die Stadt wird im Frühjahr einen zwar nur vorübergehenden, aber bisher einmaligen Anziehungspunkt bekommen. Denn das Nachbarland Schweiz will sich in Stuttgart von seiner besten Seite präsentieren.
Dafür wird die ehemalige Fläche des Möbelhauses Habitat im Firnhaberbau genutzt. Seit Habitat nach Insolvenz im Frühjahr 2019 ausgezogen ist, steht sie leer. Eine Vertretung der Schweiz will 1950 Quadratmeter auf drei Ebenen beziehen, die sowohl von der Calwer Straße als auch von der Kronprinzstraße aus zugänglich sein werden.
Eingerichtet werden soll dort das sogenannte Pop-up House of Switzerland. Verantwortlich dafür zeichnet „Präsenz Schweiz“ im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten. „Das Pop-up House bietet mitten in Stuttgart eine überraschende und vielseitige Begegnung mit der Schweiz“, sagt Nicolas Bideau, Chef von „Präsenz Schweiz“. Geplant sei, dass die Schweizer Vertretung während der Dauer von vier Monaten in Stuttgart Quartier bezieht. Sofern es die epidemiologische Lage zulasse, sei eine Eröffnung etwa Mitte Mai vorgesehen, unter strenger Einhaltung der geltenden Schutzmaßnahmen, so Bideau.
Käse, Tourismus und Geschäfte
Geplant ist ein Angebot sowohl für das breite Publikum als auch für Geschäftsleute. Temporäre Ausstellungen soll es ebenso geben wie einen Tourismusbereich, kreative Produktpräsentationen, einen Spielbereich und Einkaufsmöglichkeiten. Vorgesehen sind auch, sofern Corona das zulässt, vielfältige Aktivitäten in Form von Hackathons, Diskussionen zu gemeinsamen Herausforderungen und Chancen, Workshops und eine kulinarische Begegnung mit Schweizer Käsespezialitäten und Schweizer Weinen.
„Die Plattform spricht einerseits das breite Publikum und potenzielle Kunden von Schweizer Produkten an, ist aber auch mit einem Bereich für den Sektor für Geschäftsbeziehungen ausgestattet“, so Bideau. Auf diese Weise fördere man den Austausch sowie neue Kooperationen zwischen der Schweiz und Baden-Württemberg in den Bereichen Innovation und Nachhaltigkeit. Wie viel die Schweiz sich diesen Werbeauftritt kosten lässt, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.
Klar ist jedoch, dass das ambitionierte Projekt in Stuttgart seine Premiere feiert. „Ein solches Pop-up House wird zum ersten Mal überhaupt organisiert“, heißt es in Bern. Dabei hat die Landeshauptstadt offenbar schlagkräftige Mitbewerber hinter sich gelassen. Es habe einen Wettbewerb mit Berlin und München gegeben, den man durch viel Einsatz für Stuttgart entschieden habe, heißt es beim Immobilienberater Colliers, der die Fläche vermittelt hat. Man freue sich, der Stadt damit eine neue Attraktion beschert zu haben.
Premiere in Stuttgart
Bisher gab es ähnliche Auftritte der Schweiz nur bei internationalen Großveranstaltungen, beispielsweise bei Olympischen Spielen oder dem Weltwirtschaftsforum. Wenn das Stuttgarter Pop-up-Konzept funktioniert, soll es danach an andere Orte weiterziehen. „Es ist als Roadshow konzipiert, weitere Stationen in Frankreich, Italien oder anderen europäischen Ländern sind angedacht“, so Bideau.
Ganz zufällig ist die Wahl Stuttgarts natürlich nicht. „Baden-Württemberg ist eine der wirtschaftlich wichtigsten Nachbarregionen der Schweiz“, sagt der Auslandsbotschafter der Eidgenossen. Als Nachbarn seien die Schweiz und Baden-Württemberg durch eine gemeinsame Grenze und einen gemeinsamen Lebensraum gesellschaftlich, kulturell und wirtschaftlich eng miteinander verflochten und aufeinander angewiesen. „Nach der Trennung durch die Covid-19-Pandemie möchten wir, sobald es die Situation wieder erlaubt, uns wieder direkt begegnen und den gemeinsamen Beziehungen neuen Schwung verleihen“, bekräftigt Bideau.
Was danach folgt, ist offen
Durch die Pandemie habe sich zwar die Bedeutung der digitalen Kanäle und virtuellen Plattformen in der Kommunikation erhöht, es habe sich aber auch gezeigt, „dass die direkte Begegnung und das physische Erlebnis nicht ersetzt werden können“. Deshalb wolle man mit dem Pop-up-Angebot eine Plattform für den Austausch schaffen. Der Standort an der Calwerstraße biete „an angesagter und einfach erreichbarer Lage, wo sich Jung und Alt trifft, eine großzügige Fläche für einen kreativen Auftritt der Schweiz inmitten der Fußgängerzone“, freut sich Bideau.
Der Auftritt wird allerdings nur auf vier Monate beschränkt sein. Was an dieser Stelle danach folgt, steht noch nicht fest. In Zeiten der Corona-Ungewissheit wird die Vermietung schließlich nicht gerade einfacher.