Bald wird wieder eine Tankstelle in Stuttgart verschwinden. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Shell-Tankstelle in der Mercedesstraße muss der städtebaulichen Neuordnung im Neckarpark in Bad Cannstatt weichen. Die Stadt hat der Pächterin gekündigt und das Gelände verkauft. Autofahrer müssen künftig anderswo tanken.

Bad Cannstatt - Wieder eine Tankstelle weniger in Stuttgart: Ende März wird der Benzin- und Dieselfluss in der Mercedesstraße in Bad Cannstatt abbrechen. Die Shell-Tankstelle wird geschlossen. Die Arbeitsverträge der mehr als zwei Dutzend Mitarbeiter laufen aus. Die Zapfstation muss der Neuordnung des früheren Cannstatter Güterbahnhofs und seines Umfelds weichen. Für Hunderttausende von Kunden pro Jahr entfällt wieder eine Möglichkeit, sich nicht nur mit Kraftstoff zu versorgen, sondern auch mit Autozubehör, mit Knabberzeug und mit Getränken.

Wo momentan noch die Tankstelle steht, wird das Münchner Unternehmen Dibag einen Gewerbebau errichten. Für den zuständigen Stadtplaner Heinrich Sonntag ist das ein wichtiger Baustein bei der Entwicklung des Neckarparks: Der Neubau werde als Übereckgebäude an der Einmündung der Daimlerstraße in die Mercedesstraße einen wichtigen Standort haben, sagt Sonntag. Genau gegenüber dem Festgelände Cannstatter Wasen wird es so etwas wie eine Visitenkarte für das neue Viertel im Neckarpark sein. Früher hatte ein Kaufinteressent für das Gelände nebst diversen Erlebniseinrichtungen ein neuartiges Hotel angepeilt, in dem man sein Auto mittels Aufzug vor die Hotelzimmertür mitnehmen kann. Doch die Sache zerschlug sich. Jetzt ist ein herkömmliches Hotel unweit von diesem Gelände geplant. Nach Sonntags Worten stehen Stadtverwaltung und Dibag Gewehr bei Fuß, um für das Areal mit der Tankstelle und mit einem gewissen Umfeld – im Quartiersplan als Fläche Q8 bezeichnet – einen Architektenwettbewerb zu starten, der Aufschluss über die künftige Fassadengestaltung geben soll. Das Tankstellengrundstück hat die Stadt schon an Dibag verkauft.

ADAC beobachtet Entwicklung in Innenstadt mit Sorge

Wie schlimm der Verlust von Tankstellen in Stuttgart ist, wurde in der Vergangenheit diskutiert – dabei war vor fünfeinhalb Jahren längst bekannt, dass die Shell-Tankstelle an der Mercedesstraße keine große Zukunft mehr haben würde. Die CDU-Fraktion im Gemeinderat beklagte damals ein Tankstellensterben, das Autofahrer zu immer längeren Anfahrten zu den Zapfsäulen zwinge. Die Shell AG verwies damals darauf, dass sie gerade im Großraum Stuttgart ihr Netz weiter ausbaue. Das städtische Umweltamt erklärte, zumindest in den vorausgegangenen 20 Jahren habe die Zahl der Tankstellen in Stuttgart ziemlich konstant bei etwa 100 stagniert. ADAC-Sprecher Reimund Elbe sprach damals auch von einer „ausreichenden Zahl“ von Tankstellen in Stuttgart. Allerdings könne in der Stuttgarter Innenstadt die Suche nach Tankstellen für ortsfremde Autofahrer tatsächlich schwierig werden. Einen Tankstellensuchverkehr könne man in Stuttgart wirklich nicht ­gebrauchen.

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