Gefährliche Darbietungen wie diese gelingen den Mönchen durch Atemtechnik und die Steuerung ihrer Körperenergie. Foto:  

Im Rahmen ihrer Jubiläumstour kommen die Mönche nach Fellbach. Zu verdanken haben sie ihre Bekanntheit Herbert Fechter. Als Produzent und Manager blickt der 76-Jährige auf eine große Karriere. Die Ordensbrüder haben ihn nachhaltig beeindruckt.

Einige Stars hat er bekannt gemacht und auf die großen Bühnen gebracht. Andere Künstler hat Herbert Fechter noch bekannter gemacht als sie sowieso schon waren. So hat er beispielsweise als Organisator Großkonzerte mit Musikern und Bands wie U2, Sting, Bruce Springsteen, Elton John, Sinatra, Robbie Williams oder Whitney Houston auf die Beine gestellt. „Außer die Rolling Stones hatte ich gefühlt alle“, sagt Fechter, der eine Künstleragentur führt und auch für Sport- und Showevents wie Hallenmotocross, Kletterweltcup oder Lord of the Dance verantwortlich zeichnet.

 

Irgendwann hatte Fechter keine Lust mehr auf die Reichen und Schönen

Doch irgendwann hatte Herbert Fechter einfach keine Lust mehr auf die Reichen und Schönen. „Ich wollte die Großen nicht länger noch größer und vermögender machen. Das hatte ich satt und habe nach einer neuen Herausforderung gesucht.“ Darauf musste der heute 76-Jährige, der in Wien aufgewachsen ist und lebt, nicht lange warten – mit dem Ergebnis, dass er die Shaolin-Mönche aus China auf die große Bühne holte. Für ihr Jubiläum kommen sie nun auch nach Fellbach.

Wie sich die Geschichte mit den Klosterbrüdern im Detail ergeben hat, wäre wohl Stoff für eine eigene Show. Es begann damit, dass Herbert Fechter in einem Zeitungsartikel von seinem Unmut und seiner Lust auf Neues erzählte. Diesen Text las ein chinesischer Ingenieur aus Graz und versuchte daraufhin Fechter zu erreichen. „Ich habe ihn lange abgewimmelt, aber er blieb hartnäckig.“ Zum Glück, wie Fechter rückblickend weiß, denn der Grazer Ingenieur berichtete ihm von einem Ort in China, an dem es etwas gebe, was noch niemand gesehen habe.

Der österreichische Produzent wurde gleich neugierig und reiste nach China

Herbert Fechter wäre wohl nicht Herbert Fechter mit rund 20 000 veranstalteten Shows und jeder Menge Ideen für Veranstaltungsformate, wenn er bei einer solchen Ansage nicht neugierig geworden wäre. „Ich habe es erst mal ganz wirtschaftlich betrachtet. Ich wollte zum 40. Geburtstag meiner Frau sowieso mit ihr nach Hongkong fliegen. Warum also nicht Privates mit Geschäftlichem verbinden und den Ort quasi im Rahmen einer Geschäftsreise besichtigen.“ Also seien sie ins Herz Chinas, jenseits jeglicher Zivilisation, gereist. „Das war ein unfassbarer Kulturschock. Vom Luxus ins Nichts.“

Doch was der Österreicher dort in einem dunklen, kalten Saal zu sehen bekam, ließ ihm den Atem stocken – Mönche, die unglaubliche Körperübungen ausführten. „Sie demonstrierten dort in einem nach Schweiß riechendem Raum mit Kung Fu und Qi Gong, wie sie mit dem Qi, also der Körperenergie, durch mentale Konzentration so umgehen können, dass sie für kurze Zeit schmerzunempfindlich werden“, erklärt Fechter, der noch genau weiß wie er sich angesichts der Kunst fühlte. „Ich wusste, ich sehe hier gerade Unglaubliches. Es hat Bing gemacht. Also habe ich meiner Frau, die Anwältin ist, gesagt, dass ich mich ausruhe und sie mit den Mönchen einen Vertrag machen soll.“ Denn vor seinem geistigen Auge sah er schon die Feuerschalen, die strahlenden Kinderaugen und jede Menge Mönche, die ihre Kraft und Körperbeherrschung zeigen. „Sie fanden es komisch mit einer Frau zu verhandeln. Generell waren wir mit die ersten Europäer im Shaolin-Tempel.“

Doch auch wenn ihnen die Europäer suspekt waren, spätnachts war der Vertrag unter Dach und Fach – die Mönche hatten sich anlässlich des 1500-Jahr-Jubiläums ihres Klosters entschieden, ihre Fähigkeiten einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. „Das war unser Glück“, sagt Fechter unter dessen Anleitung die Shaolin ihre Kampfübungen und ihr Wissen um die Funktion des menschlichen Körpers in eine im Westen verständliche Form packten. „Wir erarbeiteten eine Bühnenfassung, die die Geschichte des Tempels erzählt und genügend Raum bot, um das Können der Mönche zu zeigen.“

In China erhielt er für die Verbreitung des Ansehens des Shaolin-Klosters sogar eine Auszeichnung. „Wir haben über die Jahre eine besondere Beziehung aufgebaut.“ Er habe davor schon meditiert, sei aber durch diese Einflüsse spiritueller geworden, sagt der 76-Jährige, der froh darüber ist, was er mit den Mönchen erschaffen hat. „Ich habe die Fähigkeit, Dinge so zu visualisieren, dass sie Wirklichkeit werden“, sagt Fechter, der hofft, dass die Energie der Mönche auch beim Publikum etwas bewirkt. „Wir haben ganz unterschiedliche Zielgruppen: Kampfsportinteressierte, staunende Kinder, Menschen auf der Suche nach Spiritualität. Ziel ist es, dass sie alle von der Kraft etwas mit nach Hause nehmen und vielleicht einbauen können im Alltag, um ab und an das Hamsterrad leichter unterbrechen zu können.“

Die Mönche zerschmettern Steinplatten und Eisen auf ihren Körpern und Köpfen

Und die Mönche demonstrieren ihre Körperbeherrschung, indem sie Steinplatten, Holzbretter und Eisenstangen auf ihren Körpern und Köpfen zerschmettern, indem sie sich auf Speere, Schwerter und Nagelbretter legen und Speerspitzen gefahrlos gegen ihre Kehlen richten.

„Sie beschäftigen sich ein ganz Leben mit der Perfektion einer Sache. Für uns undenkbar, weil wir von so Vielem abgelenkt werden“, erklärt Fechter, der seit 1995 die Veranstaltung präsentiert und mit einem Altmeister des Shaolin ein Buch schrieb. „Das Geheimnis von Shaolin“ ist der Titel. „Sie schaffen Großartiges mithilfe ihrer Atemtechnik. Wir wollen respektvoll etwas der 1500 Jahre alten Tradition zeigen.“

Das Shaolin-Jubiläum

Jubiläum
In den vergangenen drei Jahrzehnten haben mehr als fünf Millionen Menschen auf fünf Kontinenten in mehr als 6000 Vorstellungen und unzähligen TV-Formaten die mystischen Kräfte der Shaolin-Mönche bewundert. Im Rahmen ihrer Jubiläumstour kommen die Mönche aus Chinas Klöstern nun nach Fellbach in die Schwabenlandhalle. Los geht es am Freitag, 10. Mai, um 20 Uhr. Tickets gibt es bei den üblichen Vorverkaufsstellen.

Körperbeherrschung
Anlässlich ihres 30-Jahr-Jubiläums werden 19 der besten Meister und Shamis, angeführt von ihrem 75-jährigen Altmeister, in einer zweistündigen Show ihre Kunst präsentieren. Der Veranstalter verspricht „spektakuläre Darbietungen, die die Zuschauer in Staunen versetzen“. Tiefe Einblicke in die geheimnisvolle Welt der Mönche und des Zen-Buddhismus seien garantiert. Erzählt wird auf der großen Bühne in der Schwabenlandhalle die Geschichte des Shaolin Tempels, begleitet von Originalaufnahmen, die am heiligen Berg Song Shan und im Original Tempel entstanden sind. Sie werden auf der großen Leinwand eingespielt. Das Publikum ist während der Show interaktiv beteiligt.