Bei der Abstimmung über die Umbauten im Gästeblock des Fußball-Regionalligisten treten die Konflikte zwischen Vereinsführung und Verwaltung offen zu Tage.
Der SGV Freiberg hat vor Saisonstart in der Fußball-Regionalliga noch jede Menge offene Baustellen. Nicht im Kader, aber mit seiner Spielstätte. Immerhin hat der Gemeinderat zugestimmt, dass der Club seine Heimspiele im Wasenstadion austragen darf. Nach einer Mammutsitzung am Dienstagabend stand fest: Der Club darf den Gästebereich so umbauen, dass er den Anforderungen der Liga und den Sicherheitsbestimmungen der Polizei genügt. In erster Linie geht es um einen Zaun.
Eindeutig war das Votum nicht, nur die CDU sagte einstimmig Ja. Die anderen Fraktionen stehen dem Projekt Stadionumbau eher kritisch gegenüber. Nötig sind die Vorkehrungen für drei Heimspiele gegen den SSV Ulm, Kickers Offenbach und den VfR Aalen. Bei den übrigen Partien sei mit einem ähnlichen Zuschaueraufkommen wie in der Oberliga zu rechnen, sagt der Leiter des Spielbetriebs, Jonas Ochs. Von Risikospielen bei Beteiligung des SGV zu sprechen, sei in jedem Fall „Quatsch“, dazu brauche es rivalisierende Fangruppen. Als Aufsteiger genießt der SGV eine Art Schonfrist, für seine Heimspielstätte gelten weniger strenge Regeln wie für etablierte Clubs.
Zusagen, Absagen, Verunsicherung und ein Container
Geld aus der Stadtkasse gibt es für die Umbauten, die es dennoch braucht, nicht, und der Verein muss sicherstellen, dass ihnen „keine rechtlichen oder technische Belange und Einwände anderer Nutzer des Stadions entgegenstehen“. Dem Beschluss war eine zweistündige Debatte vorausgegangen, in der sich offenbarte, wie tief die Gräben zwischen Verwaltung und Verein sind. Wer wann welche Zusage getroffen, welchen Vorschlag bejaht oder verneint hatte, all das legten beide Seiten nochmal dar. Nach den Ausführungen des Ersten Beigeordneten Stefan Kegreiß und der Erwiderung von SGV-Präsident Emir Cerkez herrschte bei einigen Stadträten mehr Verwirrung als vorher.
„Wir werden die Sachverhalte nie gleich beurteilen“, sagte Bürgermeister Dirk Schaible in Richtung Cerkez und plädierte dafür, die „Vergangenheit ruhen“ zu lassen. Cerkez wiederum hatte der Rathausspitze zuvor vorgeworfen, sie habe Anfang des Jahres zugesichert, dass der Verein seine Pläne im Gemeinderat vorstellen dürfe, dieses Versprechen aber gebrochen. Umgekehrt prangerte die Rathausspitze Alleingänge des SGV-Präsidiums an. Ein tonnenschwerer Container, der zur Verpflegung der Gästefans dient, sollte ursprünglich auf der Laufbahn aufgestellt werden. Cerkez hatte diesen wohl ohne vorherige Absprache mit der Stadt bestellt, der das Stadion gehört. Aufgestellt werden kann er nun aber nicht, da so der Tartan beschädigt würde, sagte Kegreiß.
Liga hat noch nicht über das Konzept entschieden
Wie die Lösung – auch mit dem Zaun, der einen bestimmten Druck aushalten und fest mit dem Container verbunden sein muss – letztlich aussieht, ist noch nicht abschließend geklärt. Damit einher gehen auch Haftungsfragen. Die Liga hat über das Konzept nach Auskunft von Jonas Ochs noch nicht entschieden, will das aber bald tun. Am Mittwoch waren die Polizei, die einen separaten Container als sogenannte Befehlsstelle fordert, sowie Vertreter von Verein und Stadt noch einmal gemeinsam im Stadion. Im Übrigen seien solche Startschwierigkeiten bei Aufsteigern wie dem SGV nicht unüblich, so Jonas Ochs.
Die SGV-Verantwortlichen wollen sich derzeit nicht zu den Entwicklungen äußern, sondern erst, wenn der Spielbetrieb endgültig gesichert ist. Dies in den kommenden Tagen zu bewerkstelligen habe oberste Priorität, hatte Anwalt Thomas Himmer im Gemeinderat betont – er vertritt die Interessen des Vereins.
Deshalb bat er darum, noch nicht über die weiteren Schritte zum Stadion abzustimmen. Die Bitte verhallte, es wurde abgestimmt – und das eindeutig. Der Gemeinderat kann sich keine weiteren Umbauten vorstellen als die, die er beschlossen hat. Stand jetzt muss sich der SGV zur Saison 2024/25 ein anderes Zuhause suchen.