Ein Nordliecht im Süden: Oliver Zapel. Foto: Pressefoto Baumann

Der Fußball-Drittligist SGS Großaspach setzt auf Oliver Zapel – einen Trainer mit ungewöhnlichen Methoden.

Großaspach - Oliver Zapel sitzt entspannt im Restaurant Alaska im Hotel Sonnenhof. Draußen erfrischen sich seine Frau Mirka und Sohn Lennox am Pool. Das klingt ein bisschen wie Urlaub. Und Oliver Zapel will eine gewisse Wohlfühlatmosphäre auch gar nicht leugnen: „Ich bin ja ein kleines Landei und fand es hier vom ersten Moment an richtig angenehm“, sagt der neue Trainer des Fußball-Drittligisten SG Sonnenhof Großaspach und strapaziert die Lachfältchen in seinem Gesicht.

Der Eindruck täuscht natürlich. Oliver Zapel schuftet seit gut vier Wochen mit ­seiner Mannschaft. Voller Leidenschaft und mit viel Akribie. „Wir sind bereit“, sagt der 48-Jährige vor dem Auftakt an diesem Samstag (14 Uhr) beim Chemnitzer FC. Wobei der Start in die Vor­bereitung ziemlich holprig über die Bühne ging. Der Wechsel des bisherigen SG-Chefcoachs Rüdiger Rehm zu Arminia Bielefeld stand erst Mitte Juni fest, das erste Training leitete noch Co-Trainer Mike Krannich, ehe es auch ihn zum Zweitligisten zog. „Das war ein unerwartetes Handicap“, räumt Zapel ein, der inzwischen mit Assistent Evangelos Sbonias (bisher FV Löchgau) zusammenarbeitet. Hinzu kamen noch die etwas zähen ­Verhandlungen über Zapels Freigabe mit dessen bisherigem Club, dem SV Eichede.

Ans Limit gestoßen

Den Verein hatte Zapel in einem hochemotionalen Aufstiegsfinale in die Regionalliga Nord geführt. „Das war das i-Tüpfelchen auf unfassbare vier Jahre dort“, sagt der Trainer. Gleichzeitig kam er ins Grübeln: „Mir war klar, dass ich dort das Maximale herausgeholt habe und ans Limit gestoßen bin.“ Zunächst aber machte er sich mit der Familie auf nach Griechenland. Am letzten Urlaubstag rief ihn SG-Sport­direktor Joannis Koukoutrigas im Hotel an. „Bei dem griechischen Namen dachte ich erst, ich hätte an der Rezeption etwas nicht bezahlt“, witzelt Zapel. Nach der Rückkehr war man sich schnell einig. Großaspach gab seinem Wunschkandidaten, der den letzten Fußballlehrer-Lehrgang mit einer Eins vor dem Komma abgeschlossen hatte, einen Vertrag bis 2018. Damit war Zapel schneller als gedacht am Ziel seiner Träume: im Profifußball zu arbeiten. Selbstverständlich ist das für einen Mann mit seiner Vita nicht. Vor sechs Jahren, als er noch den Siebtligisten Barsbütteler SV trainierte, besaß er noch keinen einzigen Trainerschein. „Ich hatte früher gedacht, ich weiß auch ohne Lizenz alles besser als alle anderen Trainer dieser Welt“, gibt der ehemalige Rekordspieler der Oberliga Nord zu. Eine Fehleinschätzung sei dies gewesen, ohne den nötigen Respekt vor dem Beruf, sagt er heute.

Neue Reize setzen

Zapel ist ein Trainer, der mit ungewöhnlichen Methoden neue Reize setzt. In Eichede hat er die Spieler in der Vorbereitung durch die Sanddünen rennen lassen, später, von Mückenstichen übersät, mit einem Holzbalken auf dem Rücken durch einen See schwimmen lassen. „In der Lokalpresse stand, der Drill von Felix Magath sei dagegen wie Kindergeburtstag“, erinnert sich Zapel, der eine eigene Homepage besitzt (www.oliver-zapel.com). Damit kein falscher Verdacht aufkommt: Dass seine Spieler auch mal Grenzen überschreiten müssen, ist nur eine der vielen Facetten seiner Arbeit. Er setzt auch auf taktische Überraschungs­effekte. Etwa bei ruhenden Bällen. So stürmen nach dem Anspiel schon mal sieben Spieler nach vorne. Zapel ist aber auch ­kühler Analytiker, der die elek­tronische Plattform „easy2coach“ nutzt. Mittels ­dieses Portals teilt er den Spielern Trainingsinhalte mit, den Matchplan, und er gibt Rückmeldungen mittels Noten von „Eins“ bis „Zehn“ – nach jedem Training, nach ­jedem Spiel. Was nicht heißt, dass der diplomierte Kommunikationswirt nicht auch zahlreiche persönliche Gespräche führt.

Wie die Zielsetzung mit seinem neu formierten Team lautet? „Wir wollen auch 2017/18 gegen tolle Drittligateams spielen“, sagt er. Mittelfristig traut er dem Umfeld beim Vorjahressiebten auch die zweite Liga zu. „Doch das Ganze muss organisch wachsen, man darf nicht überpacen.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: