Daniel Rebmanns Ehefrau Jasmina ist vom Fach – mit ihr tauscht sich der Torwart der SG BBM Bietigheim über sein Spiel aus. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Daniel Rebmann stand von 2017 bis 2023 im Tor von Frisch Auf. An diesem Freitag kehrt er mit der SG BBM Bietigheim nach Göppingen zurück. Der 30-Jährige spricht über die Ausgangslage, mögliche Absteiger in der Handball-Bundesliga und den Frauenhandball.

Aufsteiger SG BBM Bietigheim hat in der Handball-Bundesliga bereits zwei Auswärtssiege gelandet. Vor dem Spiel bei Frisch Auf Göppingen (Freitag, 20 Uhr/EWS-Arena) spricht SG-Keeper Daniel Rebmann über das Duell bei seinem Ex-Club.

 

Herr Rebmann, freuen Sie sich, dass das Derby auswärts stattfindet?

Ja, natürlich. Ich kehre sehr gerne in die EWS-Arena zurück und freue mich, viele bekannte Gesichter zu sehen.

Die Frage zielte eigentlich darauf ab, dass die SG bisher alle vier Pflichtspiel-Heimauftritte in dieser Saison verloren hat . . .

. . . und wir unsere bisherigen vier Punkte mit den Siegen in Eisenach und Potsdam geholt haben. Stimmt natürlich, aber man muss auch sehen, dass wir zu Hause gegen teils richtig dicke Brocken ranmussten. Bei uns muss alles zu 100 Prozent passen, wenn wir Spiele gewinnen wollen – und das war bei den beiden Auswärtssiegen der Fall.

Muss die Stimmung bei den Heimspielen in der Egetrans-Arena besser werden?

Sie ist keine typische Handballhalle, in der die Zuschauer nah am Spielfeld sind, sondern eine weitläufigere Eishockey-Arena. Aber die Stimmung ist in Ordnung. Das kann auf keinen Fall eine Ausrede sein. Wir müssen vielmehr schauen, dass wir auch in den letzten zehn Minuten unser Niveau halten und dass sich in diesen Phasen nicht die Abgezocktheit der Gegner durchsetzt. Wir haben gezeigt, was in uns steckt, wir müssen es aber auch bis zum Ende durchziehen.

Welche Trümpfe müssen stechen, damit die SG BBM drinbleibt?

Das Zusammenspiel Torhüter/Abwehr muss weiter gut funktionieren. Wir müssen uns im Positionsangriff verbessern, wenn wir sechs gegen sechs spielen. Zuletzt gegen Lemgo haben wir nur 23 Tore geworfen, da wird es sehr schwer, Spiele zu gewinnen.

Ex-Nationalspieler Julius Kühn ist gut angekommen?

Er hat wirklich gute Spiele gemacht und muss sehr viel Verantwortung übernehmen. Wenn es Richtung Zeitspiel geht, ist er derjenige, der sich die Würfe nehmen muss.

Die SG BBM hat 4:8 Punkte, das immer noch sieglose Frisch-Auf-Team 2:10. Wer ist Favorit im Derby?

Wir sehen uns jedenfalls nicht als Favorit. Frisch Auf ist eine Art Wundertüte, man weiß immer noch nicht so richtig, wo das Team steht. Klar ist, sie hatten ein Auftaktprogramm, wie es schlimmer hätte nicht sein können. In diesen Spielen zeigten sie aber sehr, sehr gute Ansätze, auch zuletzt beim 24:24 gegen Gummersbach. Frisch Auf hat eine starke Mannschaft, aber wir fahren hin, um etwas mitzunehmen.

„Rückraum gut eingespielt“

Derzeit ist Ihr Team die beste württembergische Mannschaft – auch vor dem TVB Stuttgart.

Ja, das macht sich doch gut in der Tabelle (lacht). Für den TVB sieht es derzeit nicht so gut aus, aber ich sehe schon Qualität in ihrem Kader, sodass sie noch Spiele gewinnen werden. Vor allem, wenn Max Häfner zurückkommt, der sehr fehlt.

Ist die Eingespieltheit der größte Vorteil der SG BBM?

Vor allem unser Rückraum ist schon gut eingespielt. Julius Kühn und auch Fynn Nicolaus sind schnell im Team integriert worden.

Wie gut ergänzen Sie sich mit Ihrem Torwartkollegen Fredrik Genz?

Wir arbeiten wirklich gut zusammen, haben einen gesunden Konkurrenzkampf, was uns gegenseitig puscht. Zwei gut funktionierende Torhüter sind im Handball ungemein wichtig.

Worin unterscheiden Sie sich?

Ich war schon immer ein impulsiver, schneller Torwart, der in die Würfe reinspringt. Fredi ist einen Tick größer, aber wir unterscheiden uns nicht extrem.

Was haben Sie 2023/24 aus Ihrem Jahr beim VfL Gummersbach mitgenommen?

Mit Trainer Gudjon Valur Sigurdsson zu arbeiten war für mich was Neues. Er ist ungemein ehrgeizig, verlangt extrem viel, setzt unglaublich viel voraus an Einsatz und Kampf, er treibt einen in jedem Training an. Sportlich und menschlich hat mich das Jahr nach vorne gebracht.

Wie enttäuscht waren Sie, dass der VfL für 2024/25 dann auf das Gespann Kuzmanovic/Obling setzte?

Ich hätte schon gerne meinen Vertrag erfüllt und wäre gerne mit Gummersbach international unterwegs gewesen, aber als Nummer drei wollte ich nicht bleiben. Dann hatte ich gute Gespräche mit SG-Trainer Iker Romero, entschied mich, das Projekt anzunehmen, und bereue es keine Sekunde.

Welche Rolle spielte es, dass Ihre Ehefrau Jasmina bei der HB Ludwigsburg als Torwart-Trainerin arbeitet?

Das war nicht ausschlaggebend, Jasmina hat diese Tätigkeit ja auch schon von Gummersbach aus gut gemanagt.

„Kritik nehme ich gerne an“

Ihre Frau trainiert ja auch die Torhüterinnen des deutschen Nationalteams. Wie intensiv tauschen Sie sich über Ihr Torwartspiel aus?

Wir schauen meine Spiele an, sprechen sachlich darüber. Kritik und Verbesserungsvorschläge von ihr nehme ich gerne an, weil sie enorm viel Erfahrung hat. Aber mein Hauptansprechpartner in Bietigheim ist der Kroate Venio Losert, der für unser Torwarttraining verantwortlich ist. Da er für den ägyptischen Club Al Ahly tätig ist, läuft dabei viel über Video und Facetime.

Was ist Ihr Hauptgesprächsthema, wenn es nicht um Handball geht?

Dann steht unsere bald dreijährige Tochter im Mittelpunkt.

Die sicher auch Torhüterin wird?

Derzeit spielt sie lieber Fußball (lacht).

Gibt es Trends im Torwartspiel, die Sie feststellen?

In den vergangenen zwei, drei Jahren hat sich generell das Handballspiel verändert. Es gibt immer mehr Torabschlüsse nach Durchbrüchen, weniger Würfe aus dem Rückraum als früher. Schnelligkeit und Athletik der Torhüter werden dadurch noch wichtiger.

Zuletzt kam beim Deutschen Handballbund der Wunsch auf, dass mehr Männer-Bundesligisten ein Frauen-Erstligateam haben sollten. Was meinen Sie?

Ich glaube schon, dass es attraktiv wäre, wenn der SC Magdeburg, der THW Kiel oder Flensburg ein Frauen-Bundesligateam hätten. Vielleicht würde sich der eine oder andere Sponsor leichter finden.

Was kann der Männerhandball vom Frauenhandball lernen?

(lacht) Das ist eine gemeine Frage. Männerhandball ist extrem körperlich, viel kraftvoller und schneller, einfach auch biologisch bedingt. Frauenhandball ist einen Tick taktischer geprägt, man sieht mehr Kombinationsspiel.

Wer steigt ab aus der Männer-Bundesliga?

Potsdam ist heißester Kandidat für den Abstieg. Der zweite? Da sag ich mal, nicht die SG BBM.

Wie geht das Derby aus?

Plus zwei für Bietigheim.

Zur Person

Karriere
Daniel Rebmann wurde am 16. Januar 1994 in Leinfelden-Echterdingen geboren. Von 2017 bis 2023 stand er im Tor von Frisch Auf Göppingen. Nach einer Saison beim VfL Gummersbach wechselte er im Sommer 2024 zur SG BBM Bietigheim. Der Keeper absolvierte vier A-Länderspiele für Deutschland.

Persönliches
Daniel Rebmann ist verheiratet mit Jasmina Jankovic-Rebmann. Sie ist ehemalige Torhüterin von Frisch Auf Göppingen, TuS Metzingen und der niederländischen Nationalmannschaft. Sie trainiert aktuell die Torfrauen von HB Ludwigsburg und des deutschen Nationalteams. Das Paar lebt in Korntal-Münchingen und hat eine Tochter Kiara, die im November drei Jahre alt wird. (jüf)