In der Sporthalle hat der Trainer seine Opfer kennen gelernt. Foto: 7aktuell.de/Kevin Lermer

Ein Jugendtrainer aus Fellbach muss wegen schwerem sexuellen Missbrauch mehr als fünf Jahre in Haft. Ist das ein gerechtes Urteil?, fragt Christian Gottschalk.

Vor Gericht sind es oft die vermeintlich kleinen Details, die den Ausschlag für eine Entscheidung geben können. Diese Details sind in der Regel nur den Beteiligten eines Prozesses bekannt. Die meisten, die in den Echokammern des Internet einen Fall kommentieren, kennen diese Details aber nicht. Das gilt im nun beendeten Missbrauchs-Verfahren gegen einen Handballtrainer aus Fellbach ganz besonders. Wichtige Teile des Prozesses fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

 

Die Familie ist gefährlicher als der Waldspaziergang

Festzuhalten bleibt, dass das Stuttgarter Landgericht mit seiner Freiheitsstrafe von mehr als fünf Jahren sicher nicht am unteren Ende dessen liegt, was bei Taten dieses Kalibers möglich ist. Mehr als fünf Jahre Haft, das ist im deutschen Strafrecht die klare Ausnahme. Von den mehr als 40 000 Strafgefangenen in den Haftanstalten haben weniger als zehn Prozent eine Strafe in dieser Höhe abzusitzen. Manch einer mag sich die Frage stellen, ob nicht vielleicht sieben Jahre angemessen wären. Das ist müßig. Wäre eine höhere Strafe verhängt worden, dann würde man eben fragen, ob nicht noch ein wenig länger die bessere Sanktion darstellt.

Wer auf Rache sinnt, der wird nun unzufrieden sein. Doch Rache ist dem deutschen Strafrecht fremd. Und der Hinweis, dass der Trainer ein besonderes Verhältnis zu seinen Schützlingen schamlos ausgenutzt hat, ist zwar richtig – aber im Urteil berücksichtigt. Bei Sexualdelikten ist das leider die Regel.