Die Maske ist im Nahverkehr Pflicht – was manche Polizeiermittlungen aber erschwert (Symbolbild). Foto: dpa/Álex Zea

Mit der Vermummung in Coronazeiten sind Sexualstraftäter von der Polizei schwerer zu ermitteln. Die Täter scheuen daher auch das Umfeld von Bus und Bahn nicht.

Stuttgart - Die Frau in der Stadtbahn glaubt ihren Augen nicht zu trauen. Als die Bahn nachts in die Haltestelle einfährt, stellt sich ein maskierter Fremder draußen vor dem Fenster auf. Und öffnet ungeniert seine Hose. Nahezu täglich treten derzeit in und um Stuttgart die Exhibitionisten auf – und hinter Mund-Nasen-Masken sind sie offenbar noch unerschrockener unterwegs. Die Polizei tut sich angesichts der vorschriftsmäßig vermummten Täter bei ihren Ermittlungen nicht leichter.

Der jüngste Fall hat sich am Dienstag gegen 0.45 Uhr an der Stadtbahn-Haltestelle Bihlplatz im Stuttgarter Süden abgespielt. Eine 21-Jährige ist in dieser Nacht mit der letzten Bahn der Linie U 1 in Richtung Vaihingen unterwegs. Als der gelbe Zug am Bihlplatz anhält, steht ein Mann draußen auf dem Bahnsteig – und manipuliert bei geöffneter Hose an seinem Geschlechtsteil. Der Unbekannte erblickt die junge Frau in der Bahn und wird noch dreister. Laut Polizei stellt er sich direkt vor ihr Fenster und setzt seine sexuellen Handlungen fort. Bis die Bahn weiterfährt.

Hat der Stadtbahnfahrer etwas mitbekommen?

Ob der Stadtbahnfahrer von dem Vorgang etwas mitbekommen hat, ist noch unklar. „Die Kripo steht noch am Anfang der Ermittlungen“, sagt Polizeisprecherin Elena Marino. Der Exhibitionist war jedenfalls maskiert – mit einer Mund-Nasen-Bedeckung aus Stoff mit grauem Camouflage-Muster. Das erschwert eine Identifizierung – was den Täter womöglich auch zu seiner Tat ermutigte. Videoüberwachung in der betroffenen Stadtbahn brauchte er jedenfalls als Außenstehender nicht zu befürchten.

So haben auch die Ermittlungen gegen einen unbekannten Exhibitionisten keine heiße Spur ergeben, der am 3. Mai mit einem hellen Mund-Nasen-Schutz in einem Bus der Linie 503 in Feuerbach aufgetaucht war. Er hatte sich neben einer 32-jährigen Frau entblößt. Als die Betroffene ihn empört anschrie, suchte er an der Haltestelle Werner und Pfleiderer das Weite. Kamerabilder existieren nicht. „Hier haben wir nur die Beschreibungen der Betroffenen“, sagt Polizeisprecherin Marino.

Bundespolizei hofft auf Videos

Mehr Hoffnung hat die Bundespolizei im Fall eines Exhibitionisten, der am 4. Mai in einer S-Bahn der Linie S 3 auftrat und sich vor einer Reisenden zwischen Leonberg-Höfingen und Weilimdorf entblößt hat. „Die Videodaten sind gesichert“, sagt Bundespolizeisprecher Yannick Dotzek. Und wie es aussieht, hat der Täter die seit 27. April geltende Maskenpflicht in der Bahn missachtet.

Der Mann am Bihlplatz im jüngsten Fall soll etwa 30 Jahre alt und 1,80 Meter groß sein. Auffällig waren seine mittellangen blonden Haare und eine schmale Statur. Er trug außer der Camouflage-Maske eine dunkelgraue, parkaähnliche Jacke und dunkelblaue Jeans. Hinweise werden erbeten an Telefon 07 11 / 89 90 - 57 78.

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