Die Ehrenamtlichen der Wasenboje sind seit 2023 am Start. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Anlaufstelle für Frauen auf dem Cannstatter Wasen wird es auch 2026 und 2027 geben. Allerdings müssen die Mitarbeiterinnen und Ehrenamtlichen mit weniger Geld auskommen.

Die Wasenboje bleibt – aber mit weniger Geld als bisher. Statt 100. 000 Euro pro Jahr wie bisher, wird für das Pilotprojekt in den Jahren 2026 und 2027 nur noch mit je 80. 000 Euro pro Jahr geplant. Das hat der Stuttgarter Gemeinderat am Freitagnachmittag beschlossen. Die Stadt muss massiv sparen, zeitweise stand die Finanzierung der Wasenboje daher ganz auf der Kippe. Die Genehmigung läuft noch unter Vorbehalt, da dem Gesamthaushalt am Ende der Verhandlung noch zugestimmt werden muss.

 

Die Wasenboje ist im Herbst 2023 als Pilotprojekt für Opfer von sexualisierten Übergriffen auf dem Wasen an den Start gegangen und hatte damals zunächst eine Finanzierung für zwei Jahre gesichert bekommen. Das Projekt wird von der Abteilung für Chancengleichheit betreut. „Frauen können auf dem Wasen nicht uneingeschränkt Spaß haben“, warb die SPD-Stadträtin Clara Streicher für das Projekt. Sie müssten sich viele Gedanken darüber machen, wie sie sich vor übergriffigen Männern schützen können. Die Wasenboje hingegen sei ein Ort, an dem sich Frauen und Mädchen wohlfühlen könnten.

Erhöhte Wasen-Gebühren zur Rettung der Wasenboje?

Bei einer nicht-öffentlichen Sitzung des Verwaltungsausschusses wurde im November bereits über die Finanzierung der Wasenboje diskutiert worden. Unter anderem wurde die Idee aufgeworfen, die Festwirte finanziell zu beteiligen. Etwa über die Ausschanklizenzen oder über die Standgebühren. Dieses könnte dann erst frühstens 2027 in Kraft treten. Die Veranstalter in.stuttgart hatten dieses Konzept in der Sitzung als nicht praktikabel bezeichnet.

Laut Franziska Haase von der Abteilung für Chancengleichheit habe die Politik erkannt, welche wichtige Aufgabe die Wasenboje und die ehrenamtlichen Helferinnen auf dem Wasen übernommen hätten. „Wir arbeiten eng mit der Polizei und dem Deutschen Roten Kreuz zusammen und übernehmen die Arbeit, für die ihnen in der Regel wenig Zeit bleibt“, sagt sie unserer Zeitung. Die Anfragen hätten sich zwischen 2023 und 2025 zudem verdoppelt. Die Nachfrage nach dem Hilfsangebot wachse also.

Seit der Gründung der Wasenboje gab es laut der Sprecherin des Projekts mehr als 1000 Kontakte mit betroffenen Personen. Unter ihnen gab es besonders ernste Fälle, wo Personen Opfer von K.o.-Tropfen geworden waren oder es zu sexualisierter und körperlicher Gewalt gekommen war. Ein Viertel der kritischen Fälle seien minderjährige Mädchen gewesen. Darüber hinaus habe Menschen einen sicheren Heimweg organisiert oder ihnen geholfen, wenn sie aus verschiedenen Gründen orientierungslos gewesen seien.