Der Tatort: Akademiegarten zwischen Neuem Schloss und Charlottenplatz (vorne). Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Eine Polizeistreife wird Zeuge eines Sexualdelikts in einem kleinen Park hinterm Neuen Schloss in Stuttgart – und greift ein.

Stuttgart - Eine Jugendliche wird von einem Flüchtling vergewaltigt: Einen solchen Verdachtsfall gibt es nun auch in Stuttgart – bei einem überaus ungewöhnlichen Polizeieinsatz hinterm Neuen Schloss in der Innenstadt. Denn Streifenbeamte erwischten den Tatverdächtigen sogar in flagranti. Und doch sind für die Ermittler noch Fragen offen.

Ein Zeuge war’s, der den Fall am Samstag gegen 17.30 Uhr ins Rollen brachte: Er sprach eine Polizeistreife an, die im Rahmen der Sicherheitskonzeption in der Stadt unterwegs war, und berichtete von sexuellen Handlungen im Akademiegarten hinter dem Schlossgebäude. Die Beamten schauten nach dem Rechten – und fanden einen Schwarzafrikaner, der in eindeutiger Position auf einer 17-jährigen Jugendlichen lag. Dass es nicht nur um den Tatbestand Erregung öffentlichen Ärgernisses ging, wurde den Polizisten schnell klar. „Die junge Frau teilte auf Nachfrage mit, dass der Tatverdächtige die sexuellen Handlungen gegen ihren Willen vorgenommen hatte“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann. Der Mann wurde festgenommen.

Haftrichter sieht dringenden Tatverdacht

Ein ungewöhnlicher Fall: Denn erstmals bestand der Vergewaltigungsvorwurf nicht nur aus Erzählungen – die Beamten selbst hatten einen Teil des Vorfalls als Zeugen beobachtet. Ob die Szene indes eindeutig war, ob sich das Opfer womöglich wehrte oder um Hilfe rief, darüber machte die Polizei zunächst keine Angaben. Schließlich hätte es sich auch um eine Schutzbehauptung der Jugendlichen handeln können. „Nach den bisherigen Erkenntnissen sehen Polizei, Staatsanwaltschaft und Richter einen dringenden Tatverdacht für gegeben“, sagt Staatsanwaltssprecher Heiner Römhild. Ein Richter schickte den 23-Jährigen in Untersuchungshaft.

Wie zu erfahren war, ist die 17-Jährige dem Tatverdächtigen nicht erst im Schlossgarten begegnet. Offenbar hatte die Jugendliche den 23-Jährigen vor der Tat in einem Stadtbezirk außerhalb der Innenstadt kennengelernt. „Wir hoffen hier auf weitere Zeugenhinweise“, sagt Staatsanwalt Römhild. Der Tatverdächtige ist, von der illegalen Einreise abgesehen, der Polizei bisher nicht wegen Straftaten aufgefallen. Hinweise werden über Telefon 07 11 / 89 90 - 57 78 entgegengenommen.

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