Diese Busrückseite wurde mittlerweile übermalt. Der Grund: Etliche Bürger empörten sich über das Werbeplakat. Foto: Frauenbeirat Greifswald

Diese Kampagne sorgte für Aufsehen und Empörung: Edeka hat sich in Greifswald mit einer sexistischen Werbung auf mehreren Bussen der Stadtwerke unbeliebt gemacht. Nun reagierte der Lebensmittelhändler.

Stuttgart - In Greifswald hat eine Werbeaktion des Lebensmittelhändlers Edeka für Aufruhr gesorgt. Auf mehreren Bussen der Stadtwerke war eine blonde Frau in Bikini zu sehen, die sich zwei Ananasfrüchte vor die Brüste hielt. Daneben der Schriftzug: „Die geilsten Dinger gibt’s bei uns.“ Der Greifswalder Frauenbeirat wehrte sich dagegen.

„Wir finden es zum einen inadäquat, dass vor dem Hintergrund der MeToo-Debatte noch auf so eine Art mit den Körpern von Frauen geworben wird“, sagt Ruth Terodde, Sprecherin des Greifswalder Frauenbeirats, „zum anderen, dass die Stadt diese Werbung auf den Stadtbussen genehmigt hat.“ Auf dem Bürgerbeteiligungs-Portal „Klarschiff“ meldete der Frauenbeirat seine Einwände. Innerhalb kurzer Zeit stimmten ihm über 150 Bürger zu. Darauf sei die Stadt eingegangen. Die Werbung wurde abgeklebt.

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Edeka erklärte, dass das Plakat an eine neue „Supergeil“-Werbekampagne angelehnt sei. Diese hat eine längere Vergangenheit: Vor fünf Jahren ging ein Video viral, in dem der Schauspieler und Sänger Friedrich Liechtenstein durch Edeka-Regale strich und alles als „supersexy“ und „supergeil“ bezeichnete. In dem Werbesong war beispielsweise eine Frau zu sehen, die mit weitem Ausschnitt und engem Kleid auf einem Sofa lag und Sushi aß. Mit den Worten „super Uschi, super Muschi, super Sushi“ griff Liechtenstein nach der am Fußende liegenden Katze. In einer anderen Szene des Videos schwangen dünne, große Verkäuferinnen in kurzen Röcken in einer Edeka-Filiale ihre Hüften. Das Video war ein Hit: Aufgrund seiner Ironie und seinem lässigen Umgang mit Sexualität wurde es weltweit geklickt.

Mittlerweile haben sich die Zeiten jedoch geändert. Greifswald Bürger schienen nicht begeistert zu sein. „Ich habe den Eindruck, dass die MeToo-Debatte dazu geführt hat, dass die Leute sensibler geworden sind“, sagt Terodde.

Edeka spricht von Missverständnissen

Edeka betonte, niemandem zu nahe treten oder diskriminieren zu wollen. Das Unternehmen lehne „jegliche Form von Diskriminierung und Intoleranz ab.“ Sven Schneider, Geschäftsführer des Greifswalder Edekas sagt, die Werbung habe die „besonderen Qualitäten im Frischebereich in den Fokus“ stellen sollen. „Wir bedauern, dass uns dies trotz eines mehrstufigen Prüfprozesses nicht gelungen ist und zu Missverständnissen geführt hat“, sagte er.

Was für ein Missverständnis er damit meint, kann Terodde nicht verstehen. „Die Werbung ist doch nicht subtil, sondern total platt“, sagt sie. Bei der letzten Bürgerschaftssitzung habe man nicht so richtig über das Thema reden wollen, so Terodde. „Wir wünschen uns eine Richtlinie, nach der sich kommunale Werbung grundsätzlich zu richten hat“, sagt sie. Bei der nächsten Bürgerschaftssitzung Ende April soll nun über eine solche Richtlinie entschieden werden. Edeka arbeitet indes an einer neuen Werbung für die Stadtbusse.

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