Fahrer Albrecht Siemers bringt Fabrizio Maurer zum Blindenmobil. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Von sofort an können Blinde und Sehbehinderte in Stuttgart und weiten Teilen der Region kostenfrei zu nicht alltäglichen Terminen bei ihrem Facharzt, Anwalt oder bei einer Behörde fahren.

Stuttgart - Von sofort an können Blinde und Sehbehinderte in Stuttgart und weiten Teilen der Region kostenfrei zu nicht alltäglichen Terminen bei ihrem Facharzt, Anwalt oder bei einer Behörde fahren. Die Gemeinschaft deutscher Blindenfreunde finanziert ein Fahrzeug mit Platz auch für den Blindenhund, einen Fahrer, der die Blinden und Sehbehinderten zur gewünschten Adresse fährt und sie auch in die Kanzlei, die Praxis oder das Büro begleitet.„Wünscht der Fahrgast das, wirft der Fahrer auch einen Blick auf Dokumente, die unterschrieben werden müssen“, sagt Thorsten Bräuer , Geschäftsführender Vorstand der Blindenfreunde.

Für Fahrten zum Einkaufen, dem Hausarzt oder zu Veranstaltungen steht das Mobil allerdings nicht zur Verfügung. Bei rund 9800 Blinden und Sehbehinderten in Stuttgart und der Region wäre ein zweiter Wagen mit Fahrer nötig. Dafür fehlt das Geld. Denn der Verein mit bundesweit 250 Mitgliedern finanziert sein Angebot aus Spenden. Die Kosten für die Einsätze des Fahrzeugs liegen pro Jahr bei rund 14 000 Euro -plus einmalig 2000 Euro Anzahlung und monatlich 200 Euro Leasinggebühr fürs Fahrzeug.

Wer das Auto anfordern möchte, sollte das zwei bis drei Tage vor dem geplanten Termin per Telefon unter der Hotline 01 51 - 46 50 22 93 anmelden. Sich als blind oder Sehbehindert auszuweisen, sei zwar kein Fehler, ist aber auch nicht Pflicht. „Wir gehen davon aus, dass das Angebot nicht von Sehenden ausgenutzt wird“, sagt Bräuer. Wünschenswert sei, dass die Fahrgäste ihren Parkausweis mitbrächten, da es für das Fahrzeug noch keinen Sonderausweis gibt.

Dafür, dass Blindenmobil mit einem Dauerparkausweis für Behinderte ausgestattet wird, will sich Ursula Marx einsetzen. Sie ist Behindertenbeauftragte der Stadt Stuttgart und Schirmherrin des Projekts. Sie mahnte an, dass für blinde und Sehbehinderte Menschen in Stuttgart immer noch zu wenig getan werde. „Es gibt zwar Leitsysteme für Blinde. Doch die brechen plötzlich ab, so dass sich der Blinde an Hauswänden orientieren muss. Wegen der vielen Werbereiter ist das in der Innenstadt aber kaum möglich“, kritisiert sie.

Das Blindenmobil in Stuttgart ist bundesweit das sechste Fahrzeug dieser Art. Insgesamt will der Verein zehn solcher Fahrzeuge im Bundesgebiet zur Verfügung stellen.

Das Blindenmobil ist Montag bis Freitag von 9 bis 16 Uhr unter der Hotline 01 51 - 46 50 22 93 zu erreichen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: