Kurt Krömer mag’s gern bunt und groß. Foto: WDR

Der Berliner Comedian Kurt Krömer ist zurück: Mit drei Fachleuten nimmt er in „Seriös – Das Serienquartett“ Fernsehunterhaltung unter die Lupe.

Köln - „Das ist ja wie im Roman!“ Ein Satz, der anlässlich der epischen Erzählweise von Serien wie „Breaking Bad“, „Game of Thrones“ oder „Babylon Berlin“ häufiger aus den Mündern überwältigter Fans zu hören ist. Dass Machart und Wirkung der beliebten Formate endlich auch im eigenen Stammmedium, dem Fernsehen, analysiert und kritisch gewürdigt werden, ist angesichts des ausgewachsenen Serienhypes längst überfällig. Der ARD-Spartenkanal One versucht nun mit der vom WDR produzierten Talk-Runde „Seriös“ die Lücke zu schließen. Der Untertitel „Das Serienquartett“ verweist auf eine der wichtigsten deutschen Mustersendungen anspruchsvoller Fernsehunterhaltung, die seit 1988 unterm Titel „Das Literarische Quartett“ Neuerscheinungen des Buchmarktes auf Herz und Nieren prüft.

Auch „Seriös“ wartet mit ausgewiesenen Fachleuten auf: Den Moderator gibt der zuletzt dem Fernsehen untreu gewordene Comedian und Grimme-Preisträger Kurt Krömer. Mit ihm diskutieren Annette Hess, Showrunnerin von „Weissensee“ und „Ku’damm 56“, der Produzent und Drehbuchautor Ralf Husmann („Stromberg“) sowie Moderatorin und Model Annie Hoffmann („Grill den Henssler“, Vox).

Krömer vergisst den Namen von Julia Jentsch, Hess findet das Timing deutscher Serien schlecht

Doch schon bei der Vorstellung der ersten Serie „Der Pass“ (Sky) geht manches schief. Krömer, der die Thriller-Reihe über zwei in einem Serienkiller-Fall ermittelnde Kriminalbeamte vorstellt, hat den Namen der Hauptdarstellerin Julia Jentsch nicht parat. Als der ihm von den Kollegen souffliert worden ist, teilt er mit „Frau Jentsch“ sei ihm „zu sehr Polizeiruf-mäßig eingestellt.“ Annette Hess pflichtet bei: „Ich fand’s strunzend langweilig!“ Woran sich dieser Eindruck festmachen lässt, bleibt unklar. Hess, die sich selbst als schwierige Zuschauerin outet und schon die eigenen Kinder mit ihrer Mäkelei verärgert haben will, sagt, sie würde deutsche Produktionen am liebsten doppelt so schnell gucken, weil das Timing nie stimme. Die Ereignisdichte sei dann „international“, witzelt sie. Fast sprengt sie noch die Sendung mit ihrem Bekenntnis, das Werk des britischen Filmemachers Ricky Gervais besonders zu schätzen. Der hatte im Jahr 2001 die Serie „The Office“ konzipiert, die wiederum Ralf Husmann ab 2004 in „Stromberg“ adaptierte – allerdings ohne auf das Original hinzuweisen. Ein Rechtsstreit war die Folge, was in der Gesprächsrunde in unverständlichen Andeutungen hastig unter den Teppich gekehrt wird. Dass ausgerechnet Husmann Gervais’ Serie „Derek“ als „cheezy und ein bisschen eitel“ schmäht, wirkt unter diesen Vorzeichen stillos.

Überhaupt verlieren sich die Diskussionen über Serien wie „The End of the fucking World“ (Netflix) oder „Succession“ (Sky Atlantic HD) im Vagen. Die letzte Staffel von „Game of Thrones“ bezeichnet Ralf Husmann arg wolkig als „Lindenstraße mit Drachen“. Schade, dass die erste Folge von „Seriös“ einen schalen Nachgeschmack hinterlässt. Eine gute Idee ist eben noch kein Garant für eine tolle Sendung.

Termin: Wiederholung der ersten Folge am Montag um 21.45 Uhr bei One. Die nächste Folge wird am 25.10. um 21 Uhr ausgestrahlt.

  
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