Begehrte Diebesbeute: Rückspiegel Foto: dpa

Airbags, Autoembleme oder Alufelgen - jetzt stehlen Diebe sogar reihenweise Rückspiegel.

Stuttgart  - Sie stehlen Airbags, Autoembleme oder Alufelgen. Autoteile-Diebe, die sich an geparkten Fahrzeugen bedienen, haben diesmal jedoch etwas ganz Spezielles im Visier: die Gläser der Außenspiegel. Mindestens 90 Fahrzeuge im gesamten Stadtgebiet Stuttgarts sowie in Fellbach, Rems-Murr-Kreis, sind in den vergangenen Tagen geplündert worden. "Beide Außenspiegelgläser wurden fachmännisch ausgebaut und gestohlen", sagt der Stuttgarter Polizeisprecher Jens Lauer. Nach ersten Schätzungen dürfte der Schaden in die Zehntausende gehen. Denn bevorzugt waren Fahrzeuge der hochpreisigen Marken BMW, Mercedes und Porsche.

Noch am Montag standen bei der Polizei die Telefone nicht still, als immer mehr Fahrzeugbesitzer entdecken mussten, dass ihnen der Blick in den Rückspiegel verwehrt war. Die ersten sechs Geschädigten hatten sich bereits am vergangenen Freitagabend beim Polizeirevier in Bad Cannstatt gemeldet. Dann weiteten sich die Anzeigen wie ein Flächenbrand aus. In Cannstatt meldeten sich am Samstag weitere 16 Betroffene. In Botnang wandten sich 20 Autobesitzer an die Polizei. Bis Montag kamen Stadtteile wie Feuerbach, Wangen, Stuttgart-Ost und Vaihingen als Tatorte dazu. Mindestens 74 Autos im gesamten Stadtgebiet, so lautete die Zwischenbilanz am Montag.

 Luxusautos im Visier der Diebe

Jenseits der Cannstatter Grenze, in Fellbach, machten die Täter weiter. Im Bereich Schwabenlandhalle, Schiller-, Frieden- und Esslinger Straße gerieten 16 geparkte Autos ins Visier der unbekannten Außenspiegel-Diebe. "Beim Ausbau der Gläser ist kein Schaden entstanden", sagt der Waiblinger Polizeisprecher Klaus Hinderer, "das lässt auf eine fachmännische Vorgehensweise schließen."

Von den Tätern fehlt bisher eine heiße Spur. Nicht ausgeschlossen wird, dass es sich um einen Diebstahl auf Bestellung handelt. Immerhin konzentrierten sich die Täter auch in Fellbach auf die Marken BMW und Mercedes. "Wie bei den immer wiederkehrenden Serien von Airbag-Diebstählen könnte es sein, dass die Beute im östlichen Ausland landet", sagt Hinderer. Dort braucht man offenbar immer wieder mal Nachschub an Autoteilen. Dabei macht's wohl die Masse. Denn am Spiegelglas alleine ist für die Täter nicht so viel herauszuholen. Auf einschlägigen Internetportalen ist zum Beispiel ein Spiegelglas BMW Serie 3 E46 Coupé schon für etwas über 20 Euro zu haben, inklusive Versand, allerdings ohne Montage- und Heizungsplatte. Womöglich verschwindet die Beute in einer Vielzahl von Hinterhof-Werkstätten, um Gebrauchtwagen kostengünstig wiederherzurichten.

Nicht immer muss eine Bande hinter einer solchen Diebstahlserie stecken. Vor wenigen Wochen beispielsweise hat die Bonner Polizei eine Serie mit etwa 90 Delikten klären können. Dabei handelte es sich um einen einschlägig vorbestraften 32-Jährigen, der es vorrangig auf Außenspiegel von hochwertigen BMW-Fahrzeugen abgesehen hatte. Bei Wohnungsdurchsuchungen konnten noch 16 Spiegelgläser sichergestellt werden. Die Polizei war dem 32-Jährigen auf die Spur gekommen, als er sein Diebesgut über einschlägige Internet-Auktionshäuser verkaufen wollte.

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