Der alte und der neue Magnum: links Tom Selleck, rechts Jay Hernandez Foto: dpa

Die Neuauflage der 80er-Jahre-Kultserie bietet viel Action. Doch der Charme des Originals mit Tom Selleck fehlt.

Stuttgart - Hawaiihemd, Schnauzbart, roter Ferrari: Privatdetektiv Thomas Magnum war eine Ikone der 80er Jahre, ein Posterboy mit Brusthaar und Baseballmütze. Jetzt gibt es ein Remake der Kultserie um den verschmitzten Schnüffler – doch Fans des Originals dürften enttäuscht sein. Der Titelheld fährt in „Magnum P.I.“ zwar immer noch die teuren Sportwagen seines Arbeitgebers zu Schrott, aber der Schnauzbart fehlt. Und statt charmanter Ironie gibt es Action, Schießereien, Krawall und Pathos. Vor allem aber wird Tom Selleck, der Hauptdarsteller des Originals, schmerzlich vermisst: Sein Nachfolger Jay Hernandez ist nicht halb so cool.

Higgins ist eine Frau

1980 war die Ur-Serie „Magnum“ in den USA gestartet, im deutschen Fernsehen sagte der Privatdetektiv 1984 zum ersten Mal Aloha. Tom Selleck, der dafür auf die Rolle als „Indiana Jones“ verzichtet hatte, verkörperte den smarten Thomas Magnum, der als Sicherheitschef in der hawaiianischen Villa des Bestsellerautors Robin Masters wohnte – gemeinsam mit dem blasierten Verwalter Jonathan Higgins (John Hillerman). Die amüsanten Wortgefechte zwischen den zwei Gegenpolen waren für viele Fans das Salz in der Suppe.

Natürlich zitiert die Neuauflage den Klassiker rauf und runter. So ertönt die markante Filmmusik, Magnum läuft wieder vor den zähnefletschenden Dobermann-Rüden namens Zeus und Apollo weg, und zwei alte Kriegskameraden, der Hubschrauberpilot TC (Stephen Hill) und Clubbesitzer Rick (Zachary Knighton), helfen bei den Einsätzen. Das Anwesen von Robin Masters auf Honolulu wird nun von Juliett Higgins verwaltet (Perdita Weeks), die sich zwar auch mit Magnum kabbelt, aber heimlich für ihn schwärmt. Die Geschlechtsänderung sei unverzichtbar gewesen, sagt Produzent Peter Lenkov, denn die alte Serie sei ein reiner Männerclub gewesen.

Stunts und Schießereien

Dass „Magnum P.I.“ ähnlich wie die Neuauflagen der 80er-Jahre-Kultserien „MacGyver“ oder „Denver-Clan“ nicht begeistern kann, liegt an der Tonalität. Dem oberflächlichen Actionfeuerwerk fehlt der lässige Charme des Originals, der Zuschauer wird mit Stunts und Schießereien bombardiert. Schon nach zehn Minuten der Pilotfolge wird übrigens der erste Flitzer von einer MP-Salve durchsiebt, nach einer fulminanten Verfolgungsjagd muss ein weiterer Nobelschlitten dran glauben. Das fühlt sich an, als hätte man sich in einen „Fast & Furious“-Film verirrt, und tatsächlich hat Regisseur Justin Lin auch vier Folgen der brachialen Kinoreihe inszeniert.

Vom Remake gibt es zunächst 20 Episoden, das Original brachte es auf insgesamt 162 Folgen in acht Staffeln. Bei der Erstausstrahlung in der ARD in den Achtzigern waren übrigens fast alle Bezüge darauf gestrichen worden, dass Magnum ein Vietnamveteran war, sie passten in den Augen der damaligen Senderverantwortlichen wohl nicht zur ansonsten humorigen Serie. Erst 1996 zeigte RTL eine völlig neu synchronisierte Fassung, in der die Anspielungen erhalten waren.

Ausstrahlung: Vox, 17. April 2019, 20.15 Uhr

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